Kultur Bühne

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Kann aus einem Hund ein Mensch werden? Papblo Konrad, Mario Neumann und Schascha Tschorn (v.l.) in „Das hündische Herz“. Foto: MeyerOriginals / TiB

Theater im Bauturm inszeniert „Das hündische Herz“

Köln | Ein Arzt pflanzt einem Hund die Hypophyse und die Hoden eines Menschen ein. Das Experiment gelingt: Der Hund wird zum Menschen. Das Experiment geht schief: Der neue Mensch erhebt sich gegen seinen Schöpfer. Die bitterböse Vision „Das hündische Herz“ von Michail Bulgakow hatte jetzt im Theater im Bauturm seine gefeierte Premiere.

Kathrin Mayr liefert eine strenge und stringente Inszenierung ab, die nicht zuletzt von der exzellenten und konzentrierten Leistung des Schauspieler-Trios lebt. Da ist keine Geste, kein Mienenspiel zu viel. Mario Neumann hat hier zweifellos die Paraderolle: Als Straßenköter Lumpi hechelt und winselt er, bellt, leckt und springt über die Bühne, dass es eine wahre Lust ist. Treu sein Blick, sklavisch sein Verhalten als Hund, böse und verschlagen, wenn er – zum Katzen jagenden, aufrechten „Proletarier“ mit Rückfällen in hündisches Verhalten geworden – seine Macht genießt und dem Arzt als frisch gebackener Funktionär die Zimmer kündigt, weil er sie selber braucht.

Sascha Tschorn spielt den Arzt Filipp Filippowitsch, der sich den struppigen Lumpi für sein Experiment in die Praxis geholt hat. Er ist ein bisschen naiv, aber von seiner Idee durchdrungen, verzweifelt und ratlos, als sich der Hund in einen hinterlistigen Menschen verwandelt hat – bis er sich schließlich entschließt, die Operation rückgängig zu machen. Doktor Bormenthal hat bei der Operation geholfen. Pablo Konrad gibt ihm eine kühle Gelassenheit, über den Dingen stehend dokumentiert er als Erzähler das Geschehen.

Auch 100 Jahre nach seinem Entstehen ist die Novelle höchst aktuell

Mit seinem Glauben an den wissenschaftlichen Fortschritt passt der Arzt in die Zeit der jungen Sowjetunion, in der Bulgakows Novelle entstand, die Zeit, als Stalins Diktatur gerade erst begonnen hatte. Als Bourgeois allerdings passt der Arzt gar nicht in die sozialistische Gesellschaft. So verfügt er über sieben Zimmer, will gar ein achtes – was den übrigen Hausbewohnern übel aufstößt, müssen sie sich in der jungen Sowjetunion (die Novelle wurde im Jahr 1926 geschrieben) doch mit viel weniger zufrieden geben.

Ein Stück, das auch gut 90 Jahre nach seiner Entstehung nichts von seiner ursprünglichen Sprengkraft verloren hat. In der jungen Sowjetunion wurde es verboten, man sah es – wohl nicht zu Unrecht – als Kritik an der Politik, den „sozialistischen“ Menschen zu erziehen. Auch wenn der nicht will. Auch der herrschende Parteiapparat und sein Hang zur Korruption kam in „Das hündische Herz“ nicht gut weg. Erst 1987 durfte die Novelle offiziell erscheinen.

Heute lässt sich der Text als Kritik an Gentechnik oder auch der Erfindung von künstlicher Intelligenz deuten. Welcher Interpretation das Bauturm-Publikum anhing, unterliegt dem Datenschutz. Jedenfalls klatschte es nach gut 80 Minuten schwerer Kost begeistert Premierenbeifall. Völlig zu Recht.

„Das hündische Herz“ – die nächsten Vorstellungen: 14. (20 Uhr), 20. (18 Uhr) und 21. (20 Uhr), 26. (19 Uhr) und 27. (18 Uhr) Mai, 10. (18 Uhr) und 11. Juni (20 Uhr). Theater im Bauturm, Aachener Str. 24-26, 50674 Köln, www.theater-im-bauturm.de, Karten: Tel. 0221 / 52 42 42, sowie an allen Vorverkaufsstellen.

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