Kultur Bühne

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Dorothea Müller (Tanja Haller) telefoniert mit der Staatssekretärin; die Kollegen Thiemann-Hellweg (Corinna Nilson), Schröder (Marcus M. Mies) und Öztürk-Blume (Julia Karl) lauschen gespannt. Foto: Theater Tiefrot

Unzeitgemäß und provinziell: „Der Salsakönig“ im Theater Tiefrot

Köln | Die „Genderkomödie“ „Salsakönig“ enttäuscht im Theater Tiefrot auf ganzer Linie: Statt einen Beitrag zum aktuellen Diskurs rund um Feminismus, Emanzipation und Gleichberechtigung zu leisten, reitet das Stück auf Geschlechterklischees des letzten Jahrtausends herum.

In der Bundeszentrale für Genderpolitik ist die Stelle der Abteilungsleitung Film und Print-Medien neu zu besetzen. Der letzte Mann auf dieser Position wurde von den Kolleginnen offenbar rausgemobbt. Jetzt schielen gleich mehrere auf die Stelle: Marie-Louise Thiemann-Hellweg (Corinna Nilson), bereits in dieser Abteilung tätig, Dorothea Müller (Tanja Haller) aus der Pressestelle, aber auch Dr. Siegfried Theodor Schröder (Marcus M. Mies) von der Kulturabteilung.

Einen Mann wollen die Frauen aber unbedingt verhindern. Einzig die Assistentin Yvonne Öztürk-Blume (Julia Karl) hätte nichts gegen Dr. Schröder als Chef. Ihre Beweggründe sind allerdings eher zweifelhafter Natur. Da ihre Partnerin kein Kind mit ihr möchte, schielt die von allen nur Yvonnchen genannte Assistentin auf den einzigen Mann in der Runde. Das bleibt leider auch ihr einziges Attribut: Sie trennt sich von ihrer Partnerin Greta (Juliana Wagner) – von Schröder mit „Emanzenterror!“ kommentiert –, um dann mannstoll jede Gelegenheit zu nutzen, um mit Schröder zu flirten und sich ihm wie von Sinnen hinzugeben.

Männerhassende Emanzen – ein Klischeebild des vergangenen Jahrtausends

Nicht nur, dass so ein Verhalten jeder Realität entbehrt, es drängt sich auch der Verdacht auf, dass hier eine weitere fragwürdige Botschaft mitschwingt: Ihre lesbische Liebe kann ihren Kinderwunsch nicht erfüllen, weshalb sie auf einen Mann – die „richtige“ Liebe – zurückgreifen muss. Dr. Schröder, der eigentlich von den Kolleginnen so unterdrückte Mann, ist nämlich zufällig auch der Vater aller Kinder der Mitarbeiterinnen, wie sich nach und nach herausstellt.

Auch in den anderen Charakterisierungen versagt das Stück: Männerhassende Emanzen, die sich über männliche Kindergärtner in der Kita des Nachwuchses beschweren und die um jeden Preis männliche Darsteller in den von der Bundeszentrale für Genderpolitik produzierten Filmen vermeiden wollen, sind – wenn überhaupt – ein Produkt des vergangenen Jahrtausends.

Eine provinzielle, wenig lustige Posse

Je länger die Inszenierung dauert, desto deutlicher wird, dass Autor und Regisseur Klaus Wirbitzky keine Ahnung hat, was „Gender“ überhaupt ist. Es scheint, als wollte er sich um der Relevanz und Aufmerksamkeit willen einem möglichst aktuellen und polarisierenden Reizwort widmen. Herausgekommen ist jedoch eine Aneinanderreihung veralteter Geschlechterklischees, die viel zu lange ausgespielt werden. Jeder noch so kleine Funke an erfrischender Idee oder Wortwitz wird dadurch sofort zunichte gemacht, genau wie die eigentlich sehr solide schauspielerische Leistung des Ensembles.

Das ist fürs Theater Tiefrot, das zuletzt mit „Inside AfD“ ein hochpolitisches Thema sehr aktuell und dennoch unterhaltsam verhandelt hat, peinlich. „Der Salsakönig“ ist eine provinzielle, wenig lustige Posse, die ausgerechnet in Köln, das sich gerne als modern, weltoffen und liberal präsentiert, fehl am Platz wirkt. Gerade in Zeiten, in denen antifeministische Töne lauter werden und fast täglich eine weitere Prominente ihre eigene #MeToo-Geschichte erzählt, hätte eine „Genderkomödie“ das Potenzial, einen relevanten Beitrag zum Diskurs zu leisten. Dass dies nicht im Ansatz gelungen ist, fand auch das Premierenpublikum, das eher brav applaudierte.

„Der Salsakönig – eine Genderkomödie“ – die nächsten Vorstellungen: 20., 21., 22., 29., 30. Dezember sowie 12., 13. Januar, 1., 2., 3. Februar um 20.30 Uhr, 25. und 26. Dezember um 19.30 Uhr, 31. Dezember 18 und 21 Uhr.

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