Kultur Bühne

variete_step_30112019

Urania-Theater: Ein Kölner Haus für das Varieté

Das Urania-Theater will sich neu ausrichten. Vom 26. Dezember bis zum 5. Januar ist Denis Klopov mit seinem „Teatro Fantastico“ zu Gast.

Köln | Das Urania-Theater an der Platenstraße in Ehrenfeld kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Schon in den 20er Jahren gab es dort ein Kino. In der NS-Zeit war dort das sogenannte „Volkskino“ und in den 50er Jahren wurden im damaligen Rio Filme gezeigt. Viele Ehrenfelder erinnern sich bis heute an ihr Kino im Veedel, das zeitweise bis zu 600 Plätze anbieten konnte. In den 60er Jahren wurde die Räumlichkeiten unter dem Namen „Der böse Wolf“ als Supermarkt genutzt.

In den 80ern kehrte die Kultur zurück – die Schweizer Schauspielerin Claudia Howard gründete dort ihr Urania-Theater und holte 1983 den ersten Theaterpreis nach Köln. Anfang der 90er übernahm ihre Kollegin Mariele Millowitsch die Leitung des Stadtteiltheaters. Später nutzte das Arkadas-Theater als „Bühne der Kulturen“ das Haus, bevor 2017 Regisseurin Bettina Montazem und der Musiker und Schauspieler Richard Bargel das Haus übernahmen und ihm wieder den alten Namen „Urania-Theater“ gaben.

Montazem hatte in Bayenthal zuvor ihr kleines „Theater die Baustelle“ mit 50 Plätzen gegründet, das für sie als Basis für bundesweite Tourproduktionen nutzt, die auch im deutschsprachigen Ausland unterwegs sind. Dazu gehören bis heute Musicals wie Sherlock, Musiktheater für Kinder und Sprechtheater mit sozialen Schwerpunkten des Ensemble Phönix, das als Verein auch das Haus in Ehrenfeld betreibt. 50 bis 60 freie Tänzer, Schauspieler und Musiker gehören dazu. Im Urania-Theater sind Musicals genauso zu Hause wie Konzerte und Projekte von freien Gruppen.

Künftig soll der Schwerpunkt klar auf dem Bereich klassisches Varieté liegen. Vom 26. Dezember bis zum 5. Januar ist in diesem Rahmen Denis Klopov mit seinen Teatro Fantastico zu Gast. Geplant sind zunächst weitere Varietéshows rund um Ostern und im Sommer. „Varieté war meine erste Theatererfahrung als Kind und es gibt die Sehnsucht der Menschen nach Handgemachten für die Bühne, das zeigt, was alles dort geleistet werden kann. Und Köln kann ein Haus für das Varieté durchaus gebrauchen“, erklärt Montazem.

Köln ist Varieté-Stadt

Varieté hat in Köln Geschichte. Schon zur Jahrhundertwende gab es dieses Genre in der Domstadt. Bekannt war der Kaiserhof am Ring, wo die kölsche Legende Trude Herr einst ihre Karriere gestartet hatte. In Düsseldorf ist das Varieté mit dem Apollo von Roncalli-Chef Bernhard Paul schon lange etabliert. Auch in Bonn gibt es inzwischen einen entsprechenden Ort für dieses Genre.

„Wir arbeiten gerade schon am Programm für die Zeit rund um Ostern. Es dreht sich um die 20er Jahre und um das Kino, das hier einmal seinen Platz hatte. Es wird eine Schwarz-Weiß-Produktion, die sich im Kino bewegt“, verrät die Theaterchefin.

Denis Klopov, der im Dezember nach Köln kommt, hat seine Ausbildung in der renommierten Moskauer Zirkus Schule absolviert und war mit seiner eigenen Show gerade in China auf Tour. Ins Urania-Theater wird er fünf weitere Artisten mitbringen, dazu kommt ein extra für die Show gegründetes kleines Orchester, um das sich die gesamte Geschichte drehen wird. Ein Dirigent versucht, sein Orchester in den Griff zu bekommen, was ihm gründlich misslingt.

„Wir haben uns in Freiburg getroffen, da saß Bettina im Publikum“, erinnert sich Klopov an die erste Begegnung mit der Kölnerin. Köln kennt er bislang noch nicht: „Da gibt es wohl eine große Kirche, die man besuchen sollte. Davon habe ich gehört.“ Im Mittelpunkt der Show stehe die Musik, die sich ganz unterschiedlich präsentieren und teilweise auch etwas exzentrisch zeigen werde. „Es wird aber auch immer wieder Momente geben, die zum Lächeln anregen werden. Das Teatro Fantasico bezaubert, amüsiert, macht wehmütig und ist anrührend. Es ist wie eine große Seifenblase, in die man einsteigt und die bekannte Welt verlässt“, erklärt Montazem.

Die Idee zum eigenen Programm bekam der Russe bei seinem Engagement bei „Roncalli meets Classic“. „Bernhard Paul ist so quasi zum Gottvater der Show geworden.“ In Deutschland war Klopov schon in Koblenz zu Gast. Seine Show lief aber bereits weltweit. „In China waren wir gerade in vielen Städten und hatten dort bis zu 3000 Zuschauer im Publikum. Die Chinesen lieben die Musik und die Geschichte, die sie erzählt. Das war eine ganz besondere Tour für mich. Jetzt bin ich gespannt auf Köln.“

Im Urania-Theater musste man für das erste klassische Varieté auch Umbauten vornehmen und bei der Technik nachrüsten. „Gerade die Luftnummern waren eine Herausforderung für uns“, berichtet Montazem. Als Ballmädchen wird unter anderen Gigi Herr, die Nichte von Trude Herr, zu Gast sein. Sie wird so die Ballnummer im Varieté unterstützen. Bekannt wurde die Kölnerin beim Millowitsch-Theater, bei ihrer Tante Trude und vor allem bei Wally Bockmayer, wo sie 20 Jahre im Scala auf der Bühne stand. „Heute bin ich Rentnerin, stehe aber ab und zu noch mit einer Freundin auf der Bühne“, berichtet Herr.

Vorstellungen im Urania-Theater an der Platenstraße 32 in Ehrenfeld vom 26. Dezember bis zum 5. Januar jeweils um 20 Uhr. Die Karten kosten 25 Euro.

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

konzert_pixabay_03062020

München | Der Chef des Ticketvermarkters und Eventveranstalters Eventim, Klaus-Peter Schulenberg, rechnet damit, dass Konzerte und andere Großveranstaltungen noch für viele Monate nicht stattfinden können. "Ich glaube, dass es erst wieder Veranstaltungen geben kann, wenn es einen Impfstoff oder ein wirksames Medikament gibt. Da werden wir noch einige Zeit warten müssen", sagte Schulenberg einem Podcast von "Capital", "Stern" und n-tv.

kultur_walk_step_02062020

Laura Kuhlen und Meik Gudermann sind zu Fuß 750 Kilometer von Köln nach Berlin unterwegs, um auf die Situation der Kulturschaffenden aufmerksam zu machen.

Köln | Die Corona-Pandemie hat bundesweit für die gesamte Kulturszene den Stillstand gebracht. Mit dem Shutdown Mitte März wurden alle Kulturbetriebe geschlossen und sämtliche Einnahmen brachen für die Kulturschaffenden auf und hinter der Bühne mit einem Schlag weg. Besonders die privaten Kulturbetriebe kämpfen jetzt um ihre Existenz. Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 5000 Bühnen und Veranstaltungsstätten – viele könnten die Krise nicht überleben. Grund genug für Laura Kuhlen (26) und Meik Gudermann (31) mit einer außergewöhnlichen Aktion auf die Situation, die Hunderttausende Jobs in Gefahr bringen könnte, hinzuweisen.

volksbuehne_step_29052020

Von Juni bis zum August gibt es im Theater an der Aachener Straße 30 Veranstaltungen. Die Zahl der Plätze wurde deutlich reduziert.

Köln | Theatermachen unter den Bedingungen der Corona-Pandemie ist eine echte Herausforderung, der man sich stellen muss. Das hat auch die Volksbühne am Rudolfplatz erfahren, die am 8. Juni wieder ins Rampenlicht zurückkehrt. 30 Veranstaltungen sind bis zum August geplant und für jede muss ein eigenes Hygienekonzept vom Gesundheitsamt genehmigt werden. Auch im Saal gibt es Veränderungen – so wurden einzelne Sitzreihen entfernt und die Zahl der Plätze von 400 auf 130 reduziert.

NACHRICHTEN + THEMEN AKTUELL

KOMMUNALWAHL 2020

wahlbox

Report-K berichtet intensiv über die Kommunalwahl am 13. September 2020. Hier finden Sie alle Informationen rund um die Kommunalwahl, Interviews mit Kandidatinnen und Kandidaten. 2020 wählt Köln einen neuen Rat, 9 Bezirksvertretungen, den Integrationsrat und eine oder einen Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister. Hier finden Sie alle Infos zur Kommunalwahl 2020 in NRW >

icons_sm_12092015w

Facebook     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

3_g_10012020klein

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >