Kultur Bühne

theater_09_11_17

Mutter Courage (Doris Otto, 2. v.r.) vor ihrem toten Sohn (Jan Philipp Keller), den sie jedoch verleugnet.

Urania-Theater: Eröffnung mit „Mutter Courage und ihre Kinder“

Köln | Ehrenfeld hat das Urania-Theater zurück: Die Ensemble Phönix Bühnenspielgemeinschaft zieht unter dem traditionsreichen Namen in die ehemalige Bühne der Kulturen ein. Zum Auftakt wird der Brecht-Klassiker „Mutter Courage und ihre Kinder“ gezeigt, der das Publikum überzeugt und Lust auf mehr macht.

Es ist heute kaum zu glauben, dass bis zum Anfang der 1960er Jahre Bertolt Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ als kommunistische Propaganda boykottiert wurde. Es ist ein kapitalismuskritisches Anti-Kriegs-Stück, 1938/39 im schwedischen Exil geschrieben. Brecht wollte die Grausamkeit des Kriegs vermitteln und die kleinen Leute warnen, am Krieg mitzuverdienen.

Fast 80 Jahre alt, wirkt „Mutter Courage“ wieder brandaktuell: Deutschland ist drittgrößter Waffenexporteur der Welt, lieferte Panzer und Überwachungstechnik nach Saudi-Arabien, Algerien, Ägypten und Katar. Gleichzeitig hängen an jeder zweiten Bushaltestelle Plakate, die jungen Menschen die Bundeswehr schmackhaft machen sollen.

Mutter Courage ist lernresistent

Trotzdem lässt Regisseurin Bettina Montazem ihre Darstellerinnen und Darsteller alte Gewänder tragen, die an den 30-jährigen Krieg erinnern, in dem auch Brecht die Handlung verortet. Die Parabel funktioniert dennoch. Montazem inszeniert die Mutter Courage (Idealbesetzung:  Doris Otto) als frech-großmäulig berlinernde Mutter voller Widersprüche: Sie verliert ein Kind nach dem anderen an den Krieg („Der Krieg soll verflucht sein!“), doch die Trauer hält nicht lange.
Als Marketenderin ist sie schließlich vom Krieg abhängig, sie fürchtet den Frieden („Der Krieg nährt seine Leute besser!“). Mutter Courage ist zudem unfähig zu lernen. Nach dem Tod ihres jüngeren Sohnes Schweizerkas (sehr lebendig: Jan Philip Keller) macht sie genauso weiter wie nach dem Tod der stummen Tochter Kattrin (großartig-hysterisch: Julia Knorst). Dass ihr ältester Sohn Eilif (kraftvoll: Jonas Herkenhoff) da gar nicht mehr am Leben ist, weiß sie gar nicht.

Ein Glücksfall für Ehrenfeld

Freunde von Brechts Epischem Theater kommen in Montazems Inszenierung sicher ins Schwärmen. Nicht nur ist die meist fast leere Bühne häufig voll ausgeleuchtet, auch sind alle Darsteller permanent auf ihr präsent. Haben sie keinen Einsatz, sitzen sie links und rechts auf unauffälligen Bänken. Jeder Szenenwechsel wird überdeutlich. Das „Titularium“, die Zusammenfassung des Szeneninhalts vor seiner Darstellung, um Was-Spannung zu vermeiden, kommt vom Band. Ein Kind, das gerade lesen lernt, trägt es vor – mehr Verfremdung geht kaum.

Das Publikum belohnt die Inszenierung mit „standing ovations“ und kaum enden wollendem Applaus. Die Begeisterung gilt aber wohl auch der Tatsache, dass die Ensemble Phönix Bühnenspielgemeinschaft nach Ehrenfeld zieht und den Namen eines Theaters, das an selber Stelle bereits 1985 bestand, übernimmt. Dies scheint ein Glücksfall zu sein für die ehemalige Bühne der Kulturen (vormals Arkadas-Theater). Statt Streit über Geld, Verträge und nicht erfüllte Zusagen wird in den Räumlichkeiten wieder gespielt.

„Mutter Courage und ihre Kinder“ – die nächsten Vorstellungen: 9., 21. und 27. November, jeweils 20 Uhr. Urania-Theater, Platenstraße 32, 50825 Köln.

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

urania_step_04082019

Am 13. September feiert das neu inszenierte „Sherlock-Musical“ im Urania-Theater seine Premiere.

Köln | Vor einem Jahr fand im Ehrenfelder Urania-Theater die erfolgreiche Uraufführung des „Sherlock-Musicals“ statt. Jetzt geht die Theatermacherin und Regisseurin Bettina Montazem mit dem überarbeiteten und neu inszenierten Stück an den Start. Die Premiere findet am 13. September statt. Danach gibt es 13 weitere Vorstellungen in Köln, bevor das Musical auf Deutschlandtour geht.

hair-foto-08-credit-johan-persson

Köln | Zu Beginn hören wir die Stimmen vieler US-Präsidenten Barack Obame, Georg W. Bush, Trump und anderer. Und dann beginnt die Reise in das Wassermannzeitalter „The Age of Aquarius“ und das Musical Hair, das in diesem Jahr 50 Jahre Londoner Bühnenjubiläum feiert. Die Besucher des 32. Kölner Sommerfestivals in der Philharmonie tanzten am Ende zu „Let the Sun shine in“ in der Zugabe gemeinsam mit den Darstellern auf der Bühne.

hair-foto-02-credit-johan-persson

Beim 32. Kölner Sommerfestival ist die Kultshow vom 30. Juli bis zum 4. August in einer neuen, englischsprachigen Version zu Gast.

Köln | Es ist das Jahr 1967 und die bunte Hippie-Jugend im East Village von New York sehnt sich danach, die Welt grundlegend nach ihren Vorstellungen zu verändern. Im Schatten des allgegenwärtigen Vietnam-Krieges protestieren sie gegen alle Autoritäten und praktizieren ihren eigenen Lebensstil. „Make Love, not War“ lautet ihre Devise. Fasziniert von dieser Welt schließt sich der junge Claude begeistert den Hippies und deren neuen Lebensart an. Doch sein Traum droht zu platzen, als er den Einberufungsbescheid der Armee für Vietnam erhält.

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >