Kultur Bühne

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Mutter Courage (Doris Otto, 2. v.r.) vor ihrem toten Sohn (Jan Philipp Keller), den sie jedoch verleugnet.

Urania-Theater: Eröffnung mit „Mutter Courage und ihre Kinder“

Köln | Ehrenfeld hat das Urania-Theater zurück: Die Ensemble Phönix Bühnenspielgemeinschaft zieht unter dem traditionsreichen Namen in die ehemalige Bühne der Kulturen ein. Zum Auftakt wird der Brecht-Klassiker „Mutter Courage und ihre Kinder“ gezeigt, der das Publikum überzeugt und Lust auf mehr macht.

Es ist heute kaum zu glauben, dass bis zum Anfang der 1960er Jahre Bertolt Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ als kommunistische Propaganda boykottiert wurde. Es ist ein kapitalismuskritisches Anti-Kriegs-Stück, 1938/39 im schwedischen Exil geschrieben. Brecht wollte die Grausamkeit des Kriegs vermitteln und die kleinen Leute warnen, am Krieg mitzuverdienen.

Fast 80 Jahre alt, wirkt „Mutter Courage“ wieder brandaktuell: Deutschland ist drittgrößter Waffenexporteur der Welt, lieferte Panzer und Überwachungstechnik nach Saudi-Arabien, Algerien, Ägypten und Katar. Gleichzeitig hängen an jeder zweiten Bushaltestelle Plakate, die jungen Menschen die Bundeswehr schmackhaft machen sollen.

Mutter Courage ist lernresistent

Trotzdem lässt Regisseurin Bettina Montazem ihre Darstellerinnen und Darsteller alte Gewänder tragen, die an den 30-jährigen Krieg erinnern, in dem auch Brecht die Handlung verortet. Die Parabel funktioniert dennoch. Montazem inszeniert die Mutter Courage (Idealbesetzung:  Doris Otto) als frech-großmäulig berlinernde Mutter voller Widersprüche: Sie verliert ein Kind nach dem anderen an den Krieg („Der Krieg soll verflucht sein!“), doch die Trauer hält nicht lange.
Als Marketenderin ist sie schließlich vom Krieg abhängig, sie fürchtet den Frieden („Der Krieg nährt seine Leute besser!“). Mutter Courage ist zudem unfähig zu lernen. Nach dem Tod ihres jüngeren Sohnes Schweizerkas (sehr lebendig: Jan Philip Keller) macht sie genauso weiter wie nach dem Tod der stummen Tochter Kattrin (großartig-hysterisch: Julia Knorst). Dass ihr ältester Sohn Eilif (kraftvoll: Jonas Herkenhoff) da gar nicht mehr am Leben ist, weiß sie gar nicht.

Ein Glücksfall für Ehrenfeld

Freunde von Brechts Epischem Theater kommen in Montazems Inszenierung sicher ins Schwärmen. Nicht nur ist die meist fast leere Bühne häufig voll ausgeleuchtet, auch sind alle Darsteller permanent auf ihr präsent. Haben sie keinen Einsatz, sitzen sie links und rechts auf unauffälligen Bänken. Jeder Szenenwechsel wird überdeutlich. Das „Titularium“, die Zusammenfassung des Szeneninhalts vor seiner Darstellung, um Was-Spannung zu vermeiden, kommt vom Band. Ein Kind, das gerade lesen lernt, trägt es vor – mehr Verfremdung geht kaum.

Das Publikum belohnt die Inszenierung mit „standing ovations“ und kaum enden wollendem Applaus. Die Begeisterung gilt aber wohl auch der Tatsache, dass die Ensemble Phönix Bühnenspielgemeinschaft nach Ehrenfeld zieht und den Namen eines Theaters, das an selber Stelle bereits 1985 bestand, übernimmt. Dies scheint ein Glücksfall zu sein für die ehemalige Bühne der Kulturen (vormals Arkadas-Theater). Statt Streit über Geld, Verträge und nicht erfüllte Zusagen wird in den Räumlichkeiten wieder gespielt.

„Mutter Courage und ihre Kinder“ – die nächsten Vorstellungen: 9., 21. und 27. November, jeweils 20 Uhr. Urania-Theater, Platenstraße 32, 50825 Köln.

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