Kultur Bühne

sherlock_urania_01102019

Kölns Blues-Legende Richard Bargel überzeugt im Urania-Theater auch als Titelheld in „Sherlock Holmes – Das Musical“. | Foto: Urania-Theater

Urania-Theater: Sherlock Holmes ermittelt wieder – mit Musik

Köln | Der Meisterdetektiv leidet unter seiner Bedeutungslosigkeit, bis kriegsentscheidende Pläne verschwinden – sein nächster Fall wartet. "Das Sherlock-Musical" im Urania-Theater ist ein vergnügliches, ästhetisches Musical auf kleiner Bühne.

Sherlock Holmes geht's nicht gut. Der Meisterdetektiv hat lange keinen Fall mehr gelöst, versinkt in Bedeutungslosigkeit, kommt vom Koks nicht los. "Ein stinkender, alter Griesgram" sei er, stellt sein Assistent Watson so trocken wie ehrlich fest.

Doch dann die Chance: In den Wirren des 1. Weltkrieges wird ein französischer Professor für Luftfahrttechnik entführt, doch nicht nur das, er hat auch noch wertvolle, kriegsentscheidende Pläne bei sich. Kein Wunder, dass der britische Geheimdienst Sherlock Holmes beauftragt, doch auch der deutsche Spitzel Peter Müller soll sich auf die Suche nach Henry Quenault machen. Die Jagd beginnt. Und die Ohrwürmer auch. Der Song "Sherlock Sensation" überzeugt schließlich auch den abgehalfterten Detektiv, die Arbeit aufzunehmen.

"Das Sherlock Musical", bereits vor einem Jahr am Urania-Theater uraufgeführt, kommt überarbeitet und mit größerem Staraufgebot zurück. Das tut der Inszenierung gut: Claus Wilcke ist ein großartiger, routinierter, schlagfertiger Dr. Watson, und Anna Maria Kaufmann bringt als Mata Hari (noch dazu aufwändig ausgestattet von Naty Stephanus) den nötigen Musical-Glanz auf die Bühne.

Damals war Frieden in Europa weit entfernt

Ein weiteres Highlight sind die Tänzer der Delattre Dance Company. In ihren schwarz glänzenden Ganzkörper-Latexanzügen sind sie die kleinen Helferlein, die ruckzuck, unerkannt und unauffällig die Bühne umbauen. Doch nicht nur das. Die Choreographie (von Stephen Delattre) bringt eine höchst ästhetische, moderne und kontrastreiche Note ins Musical.

So entsteht ein Musical, das uns in eine Welt entführt, in der Frieden in Europa in weiter Ferne lag. Themen wie Brexit oder Backstop, das ganze Hin und Her, das wir heute manchmal als nervig empfinden, hätte man sich vor knapp hundert Jahren sehnlichst gewünscht.

Auch die Produktion selbst überwindet Grenzen, die damals noch kaum überwindbar waren, und drohen, wieder zu entstehen, denn "Das Sherlock Musical" ist eine britische-deutsche Co-Produktion von Bettina Montazem und BBC-Autor Alan Wilkinson.

Langer, begeisterter Applaus

Das Musical findet so den richtigen Rhythmus aus Komik und Tragik, aus lustigen, ernsten und unbeschwerten Szenen - immer begleitet von passender, eingägiger Musik und gutem Gesang. Beeindruckend sind die Arien von Irene (Marie-Sophie Hammer), und auch Izzy (Lea Johanna Montazem) überzeugt, könnte jedoch noch etwas aus sich herauskommen – genau wie der Spitzel Peter (Simeon Long), der manchmal nicht mit der Musik mithalten kann. Nicht zuletzt gibt Richard Bargel einen sehr emotionalen, gar verletzlichen Sherlock Holmes, der dennoch seine Kombinationsgabe und seinen Instinkt nicht verloren hat. Seine charakteristische Stimme tut der Figur und der ganzen Inszenierung sehr gut.

Auch wenn die Lösung am Ende fast ein wenig zu schnell präsentiert wird, und ob die Liebe reicht, Kriege zu gewinnen, sei genauso dahingestellt sei wie die Frage, ob es sich wirklich um einen Thriller gehandelt hat. Das Publikum Belohnt "Das Sherlock-Musical" mit euphorisch-begeistertem, langen Applaus. Zurecht, denn die Musik, die aufwändige Ausstattung, die Story und der Tanz fügen sich am Ende zu einem unterhaltsamen, vergnüglichen Musicalabend auf kleiner Bühne, der sich vor den großen nicht verstecken braucht.

„Sherlock Holmes – Das Musical“ – die nächsten Termine: 27. und 29. September, 4. und 5., 11. und 12. Oktober, jeweils 20 Uhr. Urania Theater Ehrenfeld, Platenstr. 32, 50825 Köln, Tel. 0221 – 170 98 269.

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

Köln | „Romeo and Juliet“ kommt in einer sehr persönlichen Inszenierung der Star-Choreografin Adrienne Canterna, die mit „Rock the Ballet“ einen Welterfolg inszenierte zwischen dem 25. Dezember und 5. Januar 2020 nach Köln. Liebe und Tragik zum Fest der Liebe. Canterna findet einen neuen Zugang zum Shakespeare-Klassiker und interpretiert ihn aus der Sicht des jungen Paares mit Tanz von Klassisch bis Hip Hop und Akrobatik. Mit Adrienne Canterna sprach Andi Goral bei ihrer Stippvisite in Köln im Musical Dome.

the-book-of-mormon-foto-05-credit-paul-coltas

Köln | Bis zum 17. November gastiert das Musical "The Book of Mormon" im blauen Musical Dome und kitzelt nicht nur die Lachmuskeln der Zuschauer sondern massiert sie, garniert mit brilliantem Gesang und Choreographie. Vor allem Connor Peirson als Elder Cunningham und Nicole-Lily Baisden als Nabalungi begeistern nicht nur in der Nummer "Baptize me". The Mormons are coming to Cologne und setzen mit ihrem ersten und exklusiven Deutschland-Gastspiel in Köln Akzente. Wen wundert es, hat das Musical ja schon mehr als 30 internationale Preise eingeheimst.

flashdance_step_01112019

Am 3. Dezember feiert das Tanzmusical „Flashdance“ im Kölner Musical Dome Premiere und geht danach auf große Tour.

Köln | Konzentriert laufen die ersten Proben für das Tanzmusical „Flashdance“ auf der Color Fantasy ab. Das große Schiff ist gerade auf dem Weg von Kiel in die norwegische Hauptstadt Oslo. Das bedeutet immer auch ein leichtes Schwanken auch im Theater des Schiffs, wo auf der Bühne die vier Hauptdarsteller mit Regisseur Anders Albin und dem musikalischen Direktor Christoph Bönecker die neue Tourproduktion erarbeiten und entwickeln. Zuvor gab es bereits Tanzproben in Stockholm, die eigentlichen Proben mit dem gesamten 28-köpfigen Ensemble haben im Anschluss ihren Platz in Hamburg.

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >