Kultur Bühne

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„Alles, was ich nicht erinnere“: Zunächst liegt es auf dem Boden, dann schwebt das Herz über dem Ensemble.

Uraufführung im Schauspiel: „Alles, was ich nicht erinnere“

Köln | Wer war Samuel, der mit 26 Jahren gegen einen Baum gefahren ist? Genauer: Wie oder was war der Tote? Welches Bild hat Samuel hinterlassen? Wissen will das ein Journalist und fragt nun die Hinterbliebenen. „Alles, was ich nicht erinnere“ betreibt diese Erinnerungsarbeit. Jetzt hatte das Stück nach einem Roman des Schweden Jonas Hassen Khemiri im Schauspiel seine Uraufführung.

Nach einem Begräbnis gibt es den guten Brauch des „Leichenschmaus“: Dann können alle noch einmal ihre Erlebnisse und Eindrücke des verstorbenen Revue passieren lassen. Und der Volksmund weiß auch: Tot ist jemand erst, wenn sich keiner mehr an ihn erinnert. In „Alles, was ich nicht erinnere“ ersetzt der nicht anwesende, gleichwohl immer wieder angesprochene, aber nie antwortende Journalist, diese beiden Funktionen.

Mutter, ehemalige Freundinnen und der beste Freund sind die „Hauptzeugen“

Die Mutter, zwei ehemalige Freundinnen und der beste Freund sind die „Hauptzeugen“ dieser Recherche (gespielt werden sie von Ines Maria Westernströer, Elisa Schlott, Sophia Burtscher und Johannes Bennecke: grotesk kostümiert, aber jederzeit überzeugend). Und jede gibt ein anderes Bild, teilweise widersprechen sie sich, sind aber in sich immer stimmig. Und auch Samuel entspricht jeder dieser Erinnerungen: Max Bretschneider spielt ihn und wird dabei immer die Person, als den ihn die anderen in Erinnerung haben.

Aber ist er das tatsächlich oder hat er nur die Erwartungen der anderen erfüllt? Wie gut war er als Liebhaber, wie ernst nahm er die Freundschaften, war er großzügig oder hat er andere ausgenutzt, war er neugierig, verschlossen, cool? War er vielleicht sogar schwul, weil er mit seinem besten Freund zusammenlebte, der ihn ausnahm und betrog? Das Bild von Samuel verdichtet sich und löst sich sofort wieder auf.

Hat jemand Samuel in den Selbstmord getrieben?

Schließlich die Frage: War es ein Unfall oder Selbstmord? Und wenn es ein Selbstmord war, wer ist schuld? Die Freundinnen, die ihn verlassen haben? Oder ist er aus Angst vor dem Altwerden – seine Oma stand am Anfang der Demenz – in den Tod gerast?

Und das riesige Herz, anatomisch perfekt, das die Mitte der Bühne beherrscht, atmet, raucht und lässt die Tränen nur so fließen. Rot ist es, rot ist auch die Folie im Hintergrund, in der sich das Geschehen spiegelt. Rot wie die Farbe der Liebe – denn so unterschiedlich Samuel in der Erinnerung auch erscheint, am Ende sind sich alle einig: Leben heißt sterben lernen, Leben heißt sich entfernen. Mit bleibendem Groll, so scheint es, denkt keiner an Samuel zurück.

„Alles, was ich nicht erinnere“ – die nächsten Vorstellungen: 18. November, 2., 17. und 19. Dezember, jeweils 20 Uhr, Schauspiel Köln, Außenspielstätte am Offenbachplatz, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße. 

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