Kultur Bühne

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„Die Psychonauten: Asche“: Die Zivilisation hat sich aufgelöst, nackt und ziellos durchstreifen die Überlebenden die Leere. Foto: Pramudiya

Vom Tod vergessen: „Die Psychonauten: Asche“ in der Studiobühne

Köln | Nach einer atomaren Katastrophe ist die Welt, wie die Menschheit sie kannte, nicht mehr dieselbe. In„Die Psychonauten: Asche“,einer Koproduktion von Analogtheater und studiobühneköln, zeigt sich das Individuum geplagt von Existenznöten, Einsamkeit und der Hoffnung nach Erlösung.

Das Gemälde des Künstlers François Gérard, das Napoleon bei der Schlacht 1805 bei Austerlitz zeigt, zerfließtim Hintergrund – und mit ihm die Zivilisation. Die Ausnahme machen zwei Frauen und zwei Männer (Dorothea Förtsch, Lara Pietjou, Ingmar Skrinjar und Tim Stegemann), die mit langsamen Schritten die Bühne betreten, als wären sie Astronauten auf einem ihnen fremden Planeten. Gehüllt in Kostüme, die eine groteske Nacktheit simulieren, laufen sie ziellos durch die Trümmern und suchen einen Grund, der sie vom Selbstmord abhält.

Doch der Gedanke an dieser Form der Erlösung wird schnell sarkastisch heruntergespielt, man habe schließlich biologisch gesehen einen Selbsterhaltungstrieb. Doch dieser ist in einer Welt ohne moralische und soziale Werte das Einzige, was den Übergebliebenen bleibt. Ihre Individualität ging durch die Apokalypse verloren.

Mit Lionel Ritchie über den Tanz zur Orgie

Diese Reduzierung spiegelt sich im sterilen weißen Bühnenbild (Eva Sauermann), das nur farbenfroh wird, wenn sich die vier in einer wilden Ekstase befinden. Amüsiert reagiert das Publikum auf den Song„All night long“von Lionel Richie, und die daraus resultierenden Tanzeinlagen, die in einer sexuellen Orgie enden.

Dieser Bruch mit den sonst so sterilen, impotenten Menschen, die dem Nichts hinterher kriechen, ist eine gelungene ironische Deutung des Regisseurs Daniel Schüßler in Zusammenarbeit mit Ben Lauber (Komposition und Musik).

Ehrlich berichten die Figuren im Chor über ihre Ängste, und doch wünscht man sich als Zuschauer mehr Interaktionen und Emotionen zwischen den Figuren. Ihre Aktivitäten lassen sich nahezu vollständig auf ihre Instinkte und der Suche nach dem Sinn und ihrer Würde reduzieren.

Nur noch Tod und Leben spielen eine Rolle

Wie schwer es ihnen fällt, miteinander zu reden, in einer Welt, in der nichts mehr passiert, wo, bekommt man nur durch Berichte mit, statt durch Dialoge, die diese Schwierigkeit viel besser deutlich machen könnten. Ein Minimum an Solidarität zwischen ihnen hört bei der Teilung der Nahrungsmittel auf, sodass ihre Umgangsweisen beinahe animalisch wirken, auch wenn sie sich noch reflexiv fragen können, wo ihre Würde geblieben sei.

Die bewusst unmissverständlichen Parallelen zur Bibelgeschichte von Adam und Eva, die das Stück begleiten, finden ihren Höhepunkt in der Versuchung eines Apfels, den die Übergebliebenen auf einem Friedhof finden. Ob dieser eine Erlösung in Form eines Übertretens ins Paradies oder eine Auflösung der Menschheit bewirkt, bleibt unklar. Wie ein Gott kommt aus dem Off eine Stimme, die die Moral des Stücks simpel, aber didaktisch zusammenfasst: Der Mensch sollte schätzen, was er im Leben hat – und sei es nur ein Zwetschgenstreusel.

„Die Psychonauten: Asche“ – die nächsten Vorstellungen: 13. Bis 17. Februar, jeweils 20 Uhr. studiobühneköln, Universitätsstr. 16a, 50937 Köln. Tel. 0221 / 470 45 13, www.studiobuehnekoeln.de

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