Kultur Bühne

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Ganymed (Kai Philipp Mücke) und Zeus (Thomas Franke) auf dem goldenen Schaukelpferd. Foto: Klaudius Dzuik

Zwischen Liebe und Prophezeiung: „Dido und Aeneas“ im Horizont Theater

Köln | Mit „Dido und Aeneas“ nach einem Stück von Christopher Marlowe bringt das Horizont Theater einen antiken Stoff auf die Bühne. In zeitgemäßer Übersetzung wird daraus ein kurzweiliger Abend, der zeigt, dass die Liebe auch vor den Mächtigen nicht Halt macht.

Wie ein alter Lüstling vergnügt sich Zeus (Thomas Franke) mit Ganymed (Kai Philipp Mücke). Der leckt sich (und dem Göttervater) lasziv die Finger, macht eindeutige Anspielungen. Ihm gefällt die Rolle der naiven Lolita. Doch Venus (Gerrit Pleuger) stört das wilde Treiben auf dem Schaukelpferd. Ihr Sohn Aeneas treibe verloren auf dem Meer, nachdem er vor dem Krieg in Troja geflohen war. Zeus solle doch bitte etwas tun und den Sturm beenden.

Ohne Venus’ Eingriff hätte Rom früher gegründet werden können

Gesagt, getan. Aeneas (Janosch Roloff), Julus (Kai Philipp Mücke) und Achates (Pascal Scurk) landen in Karthago. Dort nimmt sie die erhabene Königin Dido (Bettina Muckenhaupt) auf und lässt die Schiffe reparieren. Jetzt könnten sie eigentlich weiterziehen, um in Italien die Stadt Rom zu gründen, wie Zeus befiehlt. Doch Venus hat andere Pläne: Sie hat ihre Finger – und ihren Sohn Eros – im Spiel und lässt Dido sich in Aeneas verlieben. Der findet sich so zwischen Liebe und göttlicher Prophezeiung hin- und hergerissen.

„Dido und Aeneas“ in der Inszenierung von Christos Nicopoulos beweist, dass Theater auch ohne viel Schnickschnack kurzweilig und unterhaltsam sein kann. Der von Andreas Jäger neu übersetzte Text, statt in Versform in Prosa gehalten, wird dadurch verständlicher und büßt dennoch nichts an Sprachgewalt ein. Ein geschickter Einsatz von Licht, Dunkelheit und Schatten (Lichtdesign: Gregor Röttger) eröffnet viele Möglichkeiten auf der kleinen Bühne, die sonst nur Schaukeln braucht (Bühnenbild: Jan Pawlowski), um die Darsteller spielen zu lassen.

Fein ausgearbeitete Rollen und ein harmonierendes Ensemble

Sie alle haben fein ausgearbeitete Rollen (und Kostüme von Petra Berenfänger): Die stolze und doch selbstironische Dido, die bald merkt, dass Liebe auch vor einer mächtigen Königin nicht Halt macht. Der saloppe König Iarbas (Thomas Franke), immer direkt und bald genervt von Didos Stimmungsschwankungen, verkommt nicht als Nebenrolle, sondern lockert das ganze Stück auf. Kai Philipp Mücke besticht in all seinen drei Rollen: Vom kindlich-nervigen Julus über den gewitzten, bissigen Eros bis zu Ganymed, der auf einer Lyra zupft und seine Reize auf Zeus voll und ganz einzusetzen weiß.

Christos Nicopoulos schafft es, in der Abwechslung von berichtenden Teilen, Liebesschwüren und actionreichen Szenen eine Dynamik herzustellen, der es Spaß macht zuzusehen. Es wird nie langweilig, immer passiert etwas, das Ensemble scheint perfekt zu harmonieren. Ein antiker Stoff, behutsam modernisiert, wird auf diese Weise sehenswert.

„Dido und Aeneas“ – die nächsten Vorstellungen: 1., 2. und 16. Juni um 20 Uhr, 17. Juni um 19 Uhr. Horizont Theater, Thürmchenswall 25, 50668 Köln. Telefon 0221 131604

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