Kultur Kunst

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„Klein Zaches“ aus dem Märchen von E.T.A Hoffmann: Marianne Heymann schnitzte die Holzpuppe erstmals 1926. In Köln ist eine Replik aus dem Jahr 1963 zu sehen.

„2 von 14“: Zwei Kölnerinnen am Bauhaus jetzt im Museum

Köln | Deutschlands Museen sind im „100-Jahre-Bauhaus-Fieber“. Auch das Kölner Museum für Angewandte Kunst ist angesteckt. „2 von 14“ heißt die Sonderausstellung und holt mit den Cousinen Margarete und Marianne Heymann zwei zu Unrecht vergessene jüdische Künstlerinnen zurück ins Licht der Öffentlichkeit.

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Teile eines Teeservice von Margarete Heymann-Loebenstein (1929). © Estate of Margarete Marks. All rights reserved/VG Bild-Kunst, Bonn 2019 (Foto: © RBA Köln, Marion Mennicken)

Auf Nachfrage aus Köln fand das Berliner Bauhaus-Archiv 14 Namen von Kölnerinnen und Kölnern, die in Beziehung zum Bauhaus standen. Bei manchen ist die Verbindung unklar, vielleicht haben sie einmal einen Vortrag in Dessau gehalten. Einer wurde immerhin als Schüler abgelehnt. Nur die beiden Heymanns lernten zumindest für kurze Zeit am Bauhaus – die eine wurde Keramikerin, die andere Bühnen- und Kostümbildnerin.

Margarete Heymann verließ das Bauhaus schon in der Probezeit

Margarete Heymann (1899-1990) kam 1920 nach Dessau. Nach dem Vorstudium bei Johannes Itten wechselte sie in die Keramikwerkstatt zu Max Krehan und Gerhard Marcks. Auch bei Georg Muche und Paul Klee lernte sie. Doch schon 1921 verließ sie das Bauhaus schon vor Ablauf der Probezeit.

Die kurze Zeit reichte, um ihre künftige Form zu prägen. Mit avantgardistisch-strengen Formen und abstraktem Dekor brachte sie die Avantgarde in den Alltag. Zu ihren „Erfindungen“ gehören zum Beispiel quadratische Teller. Das Bauhaus-Motto „Form folgt Funktion“ ließ sie aber manchmal außer acht. So sind die ohrenähnlichen Scheibenhenkel an einem Service alles andere als praktisch, wie Ausstellungskuratorin Romana Rebbelmund getestet hat. Auch japanische Glasur beherrschte Margarete Heymann.

Von den Nazis wurde ihre Kunst als „entartete Keramik“ diffamiert

1923 gründete Margarete Heymann mit ihrem Ehemann Gustav Loebenstein und dessen Bruder Daniel in Marwitz nördlich von Berlin die „Hael-Werkstätten für künstlerische Keramik“, die schon bald in den deutschen Werkbund aufgenommen wurde. 1933 wird sie von zwei Mitarbeiter denunziert. 1934 muss sie das Werk unter Wert an den NSDAP-Funktionär Heinrich Schild verkaufen, der dann mit der Keramikerin Hedwig Bollhagen die „HB-Werkstätten für Keramik“ gründet. Während Heymanns Arbeiten als „entartete Keramik“ diffamiert wird, produziert Bollhagen Objekte nach deren Entwürfen bis in die 1960er Jahre. Margarete Heymann emigriert nach England, gründet die Greta-Pottery und wird Dozentin für Malerei an der Camberwell School of Art. 1990 stirbt sie in London.

Von ihr sind 99 Objekte – alle aus der Zeit vor 1930 – zu sehen: komplette Service, Blumentöpfe, Vasen, Schalen, Dosen (sogar mit Schraubverschluss) und Schreibablagen. Der Großteil stammt aus der hauseigenen Sammlung. Denn anders als ihre Cousine ist zumindest einem größeren Kreis bekannt.

Marianne Heymann hielt es fast zwei Jahre am Bauhaus aus

Marianne Heymann hielt es etwas länger – von 1923 bis 1925 – am Bauhaus aus. Zuerst besuchte sie dort die Bildhauer-Werkstatt, dann lernte sie bei Walter Gropius Bühnenkunst. Nach Dessau arbeitete sie vor allem für das Nationaltheater Mannheim und die Kölner Oper. 1933 emigrierte sie nach Paris, konnte sich den Deportation jüdischer Flüchtlinge entziehen. 1949 emigrierte sie nach Israel.

Sie ist in dieser Ausstellung mit 46 Arbeiten – überwiegend Leihgaben der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität Köln – vertreten: Bühnenbild-Entwürfe etwa zu Carl-Maria von Webers „Freischütz“ für die Kölner Oper (1928) oder für das Märchen „Schneewittchen“ in Mannheim ein Jahr später.

Dazu zahlreiche fantasievolle Kostümentwürfe. Ihre Masken überzeugen durch Farbigkeit und Ausdrucksstärke. Nachwehen von Oskar Schlemmer wie ringförmige Wulste, turmartige Kopfbedeckungen und die Farben Rot-Blau-Gelb gibt es bei den Kostümen für Clemens von Franckensteins Oper „Li-Tai-Pe. Des Kaisers Dichter“, die 1932 in Köln aufgeführt wurde. Bei ihren Handpuppen ließ sie sich auch vom Kölner Hänneschen-Theater inspirieren. Im Pariser Exil arbeitete sie für die „Compagnons de la Marionette“.

„2 von 14 – Zwei Kölnerinnen am Bauhaus“ – bis 11. August 2019. Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln. Di-So 11-18 Uhr, erster Donnerstag im Monat bis 22 Uhr (außer Feiertage), Eintritt: 6/4 Euro. Umfangreiches Rahmenprogramm: www.makk.de

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