Kultur Kunst

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Sein Museum hat einen anderen Standort gefunden, doch Wallrafs Denkmal steht noch an alter Stätte An der Rechtsschule.

Ausstellung im Historischen Archiv ehrt Franz Ferdinand Wallraf

Köln | Wallraf – da mag einem zunächst der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff einfallen. Doch der schreibt sich mit zwei f. Wallraf mit einem f, Vorname Franz Ferdinand: Für die meisten Kölner dürfte er bekannt sein als „Mit-Gründer“ des Wallraf-Richartz-Museum. Was er tatsächlich alles für seine Heimatstadt getan hat, zeigt jetzt die Ausstellung „Mensch Wallraf“ im Historischen Archiv am Heumarkt.

Historische Dokumente und Faksimiles, dazu zahlreiche Texttafeln, zeitgenössische Illustrationen und Fotos zeigen, was die Stadt ihm zu verdanken hat. Und sie spiegeln ein durchaus schillerndes Leben wider. „Colonia first!“ war sein Lebensmotto. So jedenfalls sehen es so die Studenten der Kölner Universität, die diese Ausstellung im Rahmen eines Seminars erarbeitet haben.

Gegen 4000 Taler jährlich verkaufte er seine Sammlung der Stadt

Kunstsammler, Universitätspolitiker, Reformer, Stadtplaner, Dichter und Aufklärer – das alles war der 1748 als zweiter Sohn eines Schneidermeisters Geborene (er starb 1824 nach einem Schlaganfall). Der Reihe nach. Die Kunstsammlung verkaufte er der Stadt schon zu Lebzeiten gegen eine jährliche Zahlung von 4000 Talern – dem Jahresgehalt eines Universitätsprofessors. Dass es beim Erwerb mancher Objekte nicht ganz redlich zugegangen sein muss, darauf deuten einige der ausgestellten Dokumente hin.

Mindestens 19.000 Kupferstiche soll die Sammlung umfasst haben, 9.000 Fossilien und Mineralien, 5.900 Münzen, 1.700 Gemälde und über 1.500 Handschriften. Jahrelang dauerte die Inventarisierung, die sich heute nicht mehr rekonstruieren lässt, zumal die Stadt gegen die Vereinbarung auch einzelne Objekte verkaufte. Immerhin wurde – dank der Spende des Kölner Kaufmanns Johann Heinrich Richartz – 1861 das nach beiden Mäzenen benannte Museum eröffnet.

Ohne Wallraf gäbe es heute in Köln vielleicht noch eine Pissgasse

Unter der französischen Verwaltung ordnete er den Friedhof Melaten neu, entwarf auch selber einige Grabmale und auch das Eingangstor an der Aachener Straße, durch das der Friedhof noch heute betreten wird. Nach Abzug der Franzosen wurde er damit beauftragt, die französischen Straßennamen durch deutsche zu ersetzen. Oder überhaupt manchen Straßen einen „ordentlichen“ Namen zu geben. So wurde aus der Pissgasse das heutige Börsengässchen neben dem Brauhaus Malzmühle. Auch Große Witschgasse, An Lyskirchen oder Holzmarkt gibt es heute noch.

Der Gülichplatz behielt seinen Namen – der Duftfabrikant Farina hatte darum gebeten, um – wohl aus Werbegründen – seine Adresse nicht ändern zu müssen. Ob das ohne finanziellen Klüngel ablief – darüber darf spekuliert werden. Jedenfalls könnte „Wallraf first!“ das zweite Lebensmotto des Netzwerkers Wallrafs gewesen sein.

Ein politischer Überzeugungstäter mit Gespür für den richtigen Wind

Das fängt schon 1772 mit seinem Eintritt aus finanziellen Gründen in den kirchlichen Stand an: Das brachte ihm eine Anstellung als Lehrer. Später studierte er Medizin, und wurde 1793 zum letzten Rektor der Universität, die drei Jahre später von den Franzosen aufgelöst wurde. Als Gelehrter stand er in engem Briefkontakt mit den Geistesgrößen seiner Zeit. Schon bald wurde er Professor an der französischen Nachfolgeinstitution der Universität, der „Zentralschule“. Schon als Hochschullehrer in der freien Reichsstadt hatte er sich – wenn auch erfolglos – für eine Verbesserung des Bildungswesens eingesetzt. Ein Engagement, das er nach 1815 fortsetzte.

Von den Preußen war er nicht gerade begeistert und trauerte der Vor-Napoleon-Zeit nach. Anfangs hielt er zwar zu den Franzosen, doch nach ihrem Abzug machte er sie für alles Schlechte verantwortlich. Was bei den neuen Machthabern nicht unbedingt negativ ankam. Ebenso rechnete man ihm als Großtat des Widerstands an, dass er 1797 den Eid auf die französische Verfassung abgelehnt hatte. Das holte er zwar nach, als er Professor an der Zentralschule wurde – doch solche Fakten haben die Kölner schon immer gerne schnell vergessen.

„Mensch Wallraf! Köln und sein Erzbürger“ – bis 9. März 2018, Historisches Archiv der Stadt Köln, Heumarkt 14, 50667 Köln, Di-So10-16.30 Uhr, Mi 10-19.30 Uhr. Eintritt frei.

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