Kultur Kunst

14052018_AnneFrank_AnneFrankFondsBasel

Anne Frank am Schreibtisch. © Anne Frank Fonds, Basel

Ausstellung im NS-Dok: Anne Frank und Rassismus und Antisemitismus von heute

Köln | Sie war ein fröhlicher und nachdenklicher junger Mensch. In ihrem Tagebuch stellt Anne Frank Fragen, die noch heute oder angesichts wachsenden Rassismus und Antisemitismus gerade heute höchst aktuell sind. So ist die Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ im NS-Dokumentationszentrum mehr als „nur“ die Biografie einer jungen Jüdin, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurde.

Im ersten Teil der Ausstellung werden mit Fotos, erklärenden Texten, Zitaten aus dem Tagebuch und historischen Filmausschnitten (unter anderem das einzige Filmdokument, dass – durch Zufall – Anne zeigt) das Leben von Anne Frank und der historische Kontext erzählt. 1929 in Frankfurt in eine jüdische Familie geboren, konnte diese schon 1933 nach Amsterdam emigrieren.

Dort baute sich Vater Otto Frank ein Geschäft auf, das er nach Einmarsch der Deutschen aufgeben musste. Als die systematische Verfolgung der Juden zunahm, eine Auswanderung in die USA gescheitert war, versteckte sich die vierköpfige Familie 1942 auf engstem Raum in einem Hinterhaus. In einem dunklen „Gedenkraum“, in dem Zitate aus dem Buch zu hören sind, lässt sich etwas von dieser Enge erahnen.

Die meisten untergetauchten Juden wurden nach Verrat verhaftet

28.000 Juden waren in dieser Zeit in Amsterdam untergetaucht, 9.000 wurden verhaftet – die meisten davon nach Verrat. So wie die Familie Frank im August 1944. Sie wurde deportiert, Anne starb im März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Als einziger überlebte der Vater, der Annes Tagebuch 1947 veröffentlichte.

Darin hielt der Teenager nicht nur die alltäglichen bedrückenden Ereignisse fest. Sondern ebenso ihre Träume und die vielen Fragen, die ihr zu ihrem Schicksal durch den Kopf gingen, etwa zu den erträumten Berufen oder den Problemen, die das Erwachsenwerden mit sich bringt. Ein Faksimile zweier Tagebuchseiten zeigt, wie sich die Jugendliche etwa in verschiedenen Schriftarten ausprobierte.

Die Ausstellung wendet sich vor allem – aber nicht nur – an Jugendliche

14052018_AnneFrank2

Blick in die Ausstellung: Diese Tafel appelliert an den Betrachter, sich selber in Bezug auf Vorurteile zu hinterfragen.

„Kann mich wohl irgendjemand verstehen, über die Undankbarkeit hinwegsehen, hinwegsehen über Jude oder nicht Jude, und nur den Backfisch in mir sehen, der so ein großes Bedürfnis nach ausgelassenem Vergnügen hat?“, fragte sie am Heiligabend 1943. So altertümlich vielleicht einige Worte sein mögen, die Frage selber ist immer noch aktuell – und sie leitet über zum zweiten Teil der Ausstellung, die sich vor allem an Jugendliche etwa ab der 8. Klasse wendet.

Hier werden Fragen werden gestellt wie: Wer bin ich? Stecke ich andere Menschen in eine Schublade – und in welche Schublade werde ich selber gesteckt? Wie sieht Diskriminierung heute aus? Eine Herausforderung an die jungen Besucher, darauf persönliche Antworten zu finden.

Jugendliche Besucher können von Gleichaltrigen geführt werden

Die jungen Besucher werden dabei – wenn sich Gruppen dafür anmelden – von Gleichaltrigen ehrenamtlich durch die Ausstellung geführt (Neudeutsch: peer group). 90 hatten sich beim NS-Dok angemeldet, 40 nahmen schließlich an der zweitägigen Schulung teil. Es sind überwiegend Mädchen, sie kommen vom Irmgardis- und Genoveva-Gymnasium in Köln sowie dem Overather Paul-Klee-Gymnasium.

Vielleicht hat Anne Frank mit ihrem Appell vom 6. Juli 1944 ja Erfolg – auch bei Erwachsenen: „Wie schön und gut wären alle Menschen, wenn sie sich jeden Abend die Ereignisse des Tages vor Augen riefen und prüften, was an ihrem eigenen Verhalten gut und was schlecht gewesen ist. Unwillkürlich versucht man dann jeden Tag von neuem, sich zu bessern, und selbstverständlich erreicht man dann im Laufe der Zeit auch einiges. Dieses Mittel kann jeder anwenden, es kostet nichts und ist sehr nützlich.“.

Die Wanderausstellung ist eine Kooperation des Berliner Anne-Frank-Zentrums mit dem Anne-Frank-Haus in Amsterdam. Seit 2011 ist sie unterwegs, jetzt in Köln, wo zuvor schon drei andere zu diesem Thema zu sehen waren.

„Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ – bis 1. Juli 2018. NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln, www.nsdok.de, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa und So 11-18 Uhr, erster Donnerstag im Monat 10-22 Uhr. Katalog: 10 Euro. Umfangreiches Begleitprogramm unter www.ns-dok.de. Unter anderem erzählt Jacqueline van Maarsen (89), Anne Franks beste Freundin, am 17. Mai, 19 Uhr, aus ihrem Leben. Am 7. Juni, 19 Uhr, kommt Anita Lasker-Wallfisch, Überlebende des Mädchenorchesters von Auschwitz, als Zeitzeugin nach Köln.

Zurück zur Rubrik Kunst

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Kunst

Design Parcours Ehrenfeld 2019: An 124 Orten zeigen Designerinnen und Designer ihre Arbeiten im Rahmen der Passagen 2019 im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Report-K stellt 17 von ihnen im Rahmen seiner Designer*innen-Gespräche im Livestream vor. Heute am 15. Januar zu Gast:
art-jam-cologne | Doris Maile
Jonas Nitsch
SOUTHERN TILES | Sylvie Gabriel
Christoph Kraneburg
KölnDesign | Uli Kreifels

Museum-Symbol

Berlin | Das Auswärtige Amt plant den Aufbau einer "Agentur für internationale Museumszusammenarbeit", um die mehr als 6.000 deutschen Museen weltweit besser zu vermarkten und die Zusammenarbeit vor allem mit Afrika zu verstärken. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (Montagsausgabe) unter Berufung auf ein Konzept, welches in Abstimmung mit Abgeordneten, Kulturinstitutionen und Museumsleitungen entworfen wurde. Demnach hat der Bundestag in den nächsten vier Jahren 23 Millionen Euro dafür bewilligt.

makk_ehu_13012018

Köln | Bis dahin gab es nur große Hängelampen, die den, der darunter arbeiten musste, im Schatten stehen ließen. Das wurde vor 100 Jahren anders: Da erfand Curt Fischer die bewegliche Leuchte, die das Licht dahin brachte, wo es gebraucht wurde. Die Geschichte des „lenkbaren Lichts“ zeichnet jetzt – erstmalig – eine verblüffende Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst nach.

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS

KARNEVAL NACHRICHTEN

Studierende beleuchten Europawahl 2019

europawahl2019_studentengruppe01

Studierende der Kölner Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) beschäftigten sich im November 2018 mit europäischen Themen, wie Flüchtlings- oder Umweltpolitk sowie regionalen Förderprogrammen oder dem "Erasmus+"-Programm der EU. Am 26. Mai 2019 wählt Europa ein neues Parlament.

Hier gehts zum Spezial: Kölner Studierende blicken auf die Europawahl 2019 >