Kultur Kunst

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Gerhard Marcks „Gefesselter Prometheus II“, 1948, im Eingangsbereich der Ausstellung.

Der Mensch „Vor dem Gesetz“ im Museum Ludwig – Letzte Ausstellung von Kasper König

Mit dem morgigen Freitag eröffnet das Museum Ludwig die letzte programmatische Ausstellung seines Direktors Kasper König. „Vor dem Gesetz“ lautet der Titel der Schau, die bis zum 22. April nächsten Jahres eine Auswahl von Skulpturen der Nachkriegszeit und Räume der Gegenwartskunst zeigt. Die Verzahnung dieser zwei unterschiedlichen Ebenen will neue Perspektiven auf das Wesen des Menschen und seine Rolle in der Gesellschaft eröffnen.

Was ist der Mensch? Was sind seine Rechte und was bedeutet Menschenwürde? Was genau heißt eigentlich Menschsein? Das sind nur einige der Fragen, die sich dem Betrachter beim Anblick der gezeigten Werke stellen. Damit will die Ausstellung „Vor dem Gesetz“ ihrem humanistischen Ansatz gerecht werden. Die Einbettung solcher Nachkriegszeitskulpturen, wie das Krallenwesen „Le Griffu“ (1952) von Germaine Richier oder der „Sitzende Jüngling“ (1916/17) von Wilhelm Lehmbruck, in die Räume der Gegenwartskunst von Phyllida Barlow etwa oder Andreas Siekmann stellen ganz neue Zusammenhänge zwischen dem Menschenbild, dass sich den Künstlern nach dem Krieg eröffnet hat, und jenem unserer Zeit her. Das Besondere an den Skulpturen ist dabei nicht nur ihre direkte Körperlichkeit, die nicht zuletzt traditionellen Bildhauermaterialien wie Bronze und Holz zu verdanken ist, sondern ihrer Haltung: „Sie nehmen niemals direkt Kontakt zu uns auf. Unserem Blick trauen sie sich kaum standzuhalten“, erklärt der Kunsthistoriker und der Kurator der Ausstellung Thomas Trummer. Das ist vermutlich auch der Grund dafür, dass die Skulpturen trotz ihrer Darstellung meist zerstückelter Körper – zumeist ohne Kopf und Gesicht – verletzlich aussehen.

Ein Karussel mit aufgehängten Tieren

Die Ernsthaftigkeit der „versteinerten“ Skulpturkörper wird in Verbindung mit der Gegenwartskunst bisweilen mit nahezu provokativen Elementen ergänzt: so wird der Museumsbesucher gleich zu Beginn der Ausstellung mit einer schockierenden Installation von Jimmie Durham konfrontiert. Das Werk „Building a nation“ (2006) zeigt verschiede Gebrauchsgegenstände und Naturobjekte, die mit Zitaten von berühmten Persönlichkeiten zum Thema Vertreibung der amerikanischen Ureinwohner versehen sind. So steht man beispielsweise einem Baumstumpf gegenüber, auf dem ein Handspiegel montiert ist. Darunter befindet sich ein Zettel mit einer Botschaft von John Wayne, der die Ausmerzung des amerikanischen Ureinwohners begrüßt. Schreitet man weiter, begegnet man einem Karussell, das im Schritt-Tempo aufgehängte Tiere transportiert. Dabei handelt es sich um eine Arbeit von Bruce Nauman mit dem Titel „Carousel“ aus dem Jahre 1988. Eine solche Direktheit lässt zunächst kaum Raum für Interpretationen. Und das ist offenbar auch gewünscht. „Es geht um das Sehen“, so der Museumsdirektor Kasper König. „Und weniger darum, zu interpretieren.“

"Das Gesetz ist ein Ort"

Sehen hieße dabei auch, sich auf den Raum einzulassen. Und um „Raum“ geht es bereits im Titel der Ausstellung: Kaspers letzte programmatische Schau erhielt ihren Titel von der gleichnamigen Parabel von Franz Kafka „Vor dem Gesetz“. Im Gegensatz zum gebräuchlichen Begriff beschreibt Kafka das Gesetz als einen Raum und damit als etwas Betretbares und Endliches. „Es ist weder Legislatur noch ordnendes Gefüge, Norm oder in Stein gemeißelte Schrift, es ist ein Ort“, so Trummer. Die Kurzgeschichte Kafkas erzählt von einem „Mann vom Lande“, der um Einlass in das Gesetz bittet. Ein Türhüter verwehrt ihm den Zugang – bis zuletzt: Der Mann bleibt Zeit seines Lebens wartend vor dem Gesetz und beugt sich den Zeichen der Zeit. Der Türhüter hingegen bleibt über die Jahre derselbe. Er repräsentiert die überzeitliche und statuenhafte Gegenfigur zum alternden Individuum, dem Mann vom Lande. „Damit wird klar, dass die Figur des Türhüters den Mann überragt, dass er zur Statue wird, aber auch, dass die Zeitlosigkeit des Gesetzes verfallsresistent und im Gegensatz zu dem Einlass Begehrenden, dem Migranten und Sinnsuchendem, unsterblich ist.“, erklärt Trummer.

Die Ausstellung „Vor dem Gesetz“ wird ergänzt von einer Filmreihe, die von Volker Pantenburg und Michael Baute zusammengestellt wurde. Filme wie „The Savage Eye“ von Ben Maddow oder „L’humanité“ von Bruno Dumont knüpfen an die Ausstellungseindrücke der Besucher an.

Infobox:

Vor dem Gesetz – Skulpturen der Nachkriegszeit und Räume der Gegenwartskunst
17. Dezember bis 22. April 2012
Museum Ludwig
Eintritt:
Erwachsene: 10, erm. 7 Euro
Familien: 20 Euro
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10:00 bis 18:00 Uhr
Jeden ersten Donnerstag im Monat: 10:00 bis 22:00 Uhr
Montags geschlossen.

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