Kultur Kunst

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Eine Schatzkiste wird in Köln für die Welt geöffnet

Das Museum Schnütgen zeigt ab Samstag seine erste Fotoausstellung mit Aufnahmen von Alfred Tritschler.

Köln | Lange haben diese außergewöhnlichen Fotografien zwischen den Dokumenten zu den Kunstwerken geschlummert. Erst Kuratorin Iris Metje hat diese entdeckt und erkannt, dass die Aufnahmen selbst als Kunstwerke zu betrachten sind. Dabei waren die Bilder den einzelnen Akten der Kunstwerke zugeordnet und mussten erst zusammengeführt werden.

Sie gehören im Museum Schnütgen inzwischen zur eigenen Sammlung und bilden jetzt die umfangreiche Basis für die Sonderausstellung „Skulptur im Blick der Kamera“, die am Samstag ihre Pforten für die Besucher öffnen wird und die bis zum 16. Februar läuft. Die meisten Fotografien stammen aus dem Museum selbst, dazu kommen Leihgaben aus dem Historischen Bildarchiv Dr. Paul Wollf & Tritschler in Offenburg. Die Fotografien werden nun erstmals öffentlich präsentiert.

Wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fotografierte der Frankfurter Fotograf Alfred Tritschler mit seiner Leica-Kamera ausgewählte Skulpturen der Sammlung. Diese waren kriegsbedingt ins Schloss Alfter bei Bonn ausgelagert worden. So entstanden 1948 mehrere hundert Fotografien vom Schatz des Museums, das erst 1956 seine Pforten wieder in Köln öffnen konnte.

80 davon sind zusammen mit Skulpturen aus der Sammlung nun in der Sonderausstellung zu sehen. Tritschler selbst gehörte zu den bekanntesten deutschen Fotografen und arbeitete für die renommierte Bildagentur Dr. Paul Wolff & Tritschler. „Dieser Fotograf hat mit seinen Aufnahmen eine gesamte Generation geprägt, seine Fotos waren überall zu sehen“, erklärt Metje.

Die Aufnahmen sind viel mehr als die bloße Dokumentation von mittelalterlichen Kunstwerken, die zum Beispiel Engel, Propheten, Heilige, Apostel oder Bischöfe zeigen. „Hier treten einem Menschen und keine Skulpturen entgegen. Es sind echte Porträts, die sich warmherzig, spirituell, aber doch präzise dem Betrachter präsentieren. Es ist eine sehr einfühlsame, christliche Mittelalterfotografie“, sagt Damian van Melis vom Greven-Verlag, der ein Fotobuch zur Ausstellung mit den Aufnahmen Tritschlers veröffentlicht hat.

„Tritschler hat die Skulpturen wie ein Gegenüber aufgenommen. Er hat sie mit fotografischen Mitteln interpretiert und inszeniert“, sagt Metje über den Pionier der Kleinbildfotografie. Viele Kunstwerke musste er dafür aus ihrer engen Aufbewahrungssituation im Schloss herausholen, um sie nach seinen Wünschen fotografieren zu können. „Diese Ausstellung zeigt das Mittelalter genauso wie die Fotografiegeschichte und die Kulturgeschichte der frühen Bundesrepublik. Das macht sie so spannend. Mit den Aufnahmen wurde eine echte Schatzkiste gefunden“, erklärt van Melis.

Zum Rahmenprogramm der Sonderschau gehört ein Abendvortrag von Hans-Michael Koetzle zum Thema „Zwischen Avantgarde und Anpassung – Fotografie im Zeitalter der Extreme“ am 28. November um 18 Uhr sowie ein Kreativkurs für Erwachsene „Porträts mit Modellen, die still sitzen“ am 30. November um 14 Uhr (Anmeldung: Tel. 0221/221-26504). Fotografiert werden darf in der Ausstellung übrigens nach Herzenslust. Die eigenen Bilder können dann unter #tritschlerschnütgen bei Instagram gepostet werden. Das gilt auch für Aufnahmen, die von Skulpturen im öffentlichen Raum Kölns gemacht worden sind.

Termin 9. November bis 16. Februar, Museum Schnütgen, Cäcilienstraße 29-33, Öffnungszeiten: Di-So 10-18, Do bis 20 Uhr, Eintritt: 6 (ermäßigt 3.50) Euro. Buch Iris Metje: Alfred Tritschler – Mittelalter Fotografie, Greven Verlag, 138 Seiten, 25 Euro

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