Kultur Kunst

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Leihgabe des Bilderbuchmuseums in Troisdorf: „Rotkäppchen“ – eine Lithographie von Adolphe François Pannemaker (1862) nach nach Gustave Doré.

Im Wallraf-Richartz-Museum ist der Wolf los

Köln | Für Naturschützer ist er eine Bereicherung, Bauern und Jäger sehen ihn als Gefahr – die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland sorgt 150 Jahre nach seiner Ausrottung für heftige Diskussionen. Die Kammerausstellung „Der Wolf zwischen Mythos und Märchen“ im Wallraf-Richartz-Museum liefert dazu jetzt einen originellen Beitrag aus kunsthistorischer Sicht.

Liebevoll, brutal und dumm – zwischen diesen Polen bewegt sich das Image des Wolfes, das von den Künstlern quer durch fünf Jahrhunderte aufgegriffen wurde. Natürlich durfte er mit auf die Arche – wie hätte sonst auch eine Wölfin Romulus und Remus säugen und so zur Gründung eines Weltreichs beitragen können?

Ein genüsslicher Biss in die weibliche Flanke

Doch bald wurde er zum bösen Tier. Wer Zeus betrügen wollte, wurde von diesem zur Strafe in einen Wolf verwandelt. Genüsslich verbeißt er sich in die Seherin Jetta. Er jagte Schafe und wurde deshalb gejagt – auf einer Grafik scheint sich sogar der heilige Georg unter die Jagdgesellschaft gemischt zu haben.

Er mag Schrecken verbreitet haben – aber dumm ist er gewesen. So konnte seine Bosheit und Grausamkeit em Ende bestraft werden. In Sagen und Legenden musste er – oder sie – sich immer wieder dem gerissenen Fuchs geschlagen geben. Besonders demütigend, als eine Wölfin von Reineke Fuchs überredet wurde, ihren Schwanz in das Wasser eines zufrierenden Teiches zu hängen. Als sie festgefroren war, konnte der Fuchs sie rücklings bespringen. Goethe hat diese Fabel erzählt, Lovis Corinth hat sie drastisch illustriert.

Die letzte Ausstellung von Thomas Ketelsen

Als trickreiches Sexmonster taucht er im Märchen „Rotkäppchen“ auf. In der deutschen Fassung wird er bestraft, im Französischen kommt er allerdings ungeschoren davon.

30 Grafiken umfasst die Ausstellung, ein Drittel davon sind Leihgaben. Es ist die 29. Ausstellung in der Reihe „Der ungewisse Blick“ – und zugleich die letzte von Thomas Ketelsen, der als Leiter der Graphischen Sammlung diese Reihe ins Leben gerufen hat. Man wird seine mitreißende Art vermissen.

„Der Wolf zwischen Mythos und Märchen“ – bis 28. April 2019. Wallraf-Richartz-Museum, Obermarspforte, Di-So 10-18 Uhr, jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr (außer an Feiertagen), Begleitheft 10 Euro

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