Kultur Kunst

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Evamaria Schaller zeigt dem Betrachter auf ihrem Foto den Rücken – als Symbol für Überwachung. Davor der „Museumskoffer“ von Noa Gur.

Istanbul-Stipendium: Erste Ausstellung des „Atelier Galata“

Köln | Vor 20 Jahren wurde die Städtepartnerschaft Köln-Istanbul geschlossen. 2009 wurde das Istanbul-Stipendium „Atelier Galata“ ins Lebengerufen. Was Kölner Künstler dort geschaffen haben, ist jetzt in einer Auswahl unter dem Titel „Aufwachen in Istanbul“ im Ausstellungsraum „Werft 5“ des Rhenania-Kunsthauses zu sehen.

Ausgestellt sind die Arbeiten von 19 Künstlern und vier Gästen, eine bunte Mischung aus Fotos, Gemälden, Skulpturen, Videos, Installationen, Gedichte, Hördokumente, dort entstand sogar ein Kinderbuch. „Die Arbeiten werfen Istanbul-spezifische, aber auch generelle Fragen zur Bedeutung von Residenzaufenthalten für die künstlerische Praxis auf: Inwiefern lassen sich die Spuren orts- und zeitbasierter Aufenthalte innerhalb von Kunst- und Textproduktion überhaupt greifen und ablesen?“, so ist über den Anspruch der Ausstellung zu lesen.

Doris Frohnapfel dokumentiert den Abriss des traditionellen Istanbul

Ein hoher Anspruch. Doch die wenigsten Arbeiten geben darauf – ungeachtet ihrer jeweiligen künstlerischen Qualität – selber eine Antwort. Eine der wenigen Ausnahmen: die umfangreiche Fotoserie von Doris Frohnapfel. Sie dokumentiert den Verfall charakteristischer traditioneller Holzhäuser, Opfer von Modernisierung und Gentrifizierung.

Hilfe bei der Suche nach Antwort will eine kostenlos ausliegende deutsch-englisch-türkische Broschüre geben, die allerdings nicht immer die ausgestellten Werke zeigt. Hier findet sich dann die Erklärung, warum Lars Breuer (Stipendiat 2010) in Istanbul dazu fand, sich im Stil von Max Beckmann selbst zu porträtieren.

Die jüngste Politik Erdogans verunsichert die Stipendiaten

Oder dass Evamaria Schallers (Stipendiatin 2016) „Selbstporträts“ als Auseinandersetzung mit „Beobachtung und Überwachung“ zu verstehen sind. Ein großes Farbfoto zeigt sie von hinten, schwarzgekleidet kauert sie vor einer riesigen Baumaschine auf einer Istanbuler Straße. Ursprünglich – so erzählt sie – hatte sie dafür längere Aktionen geplant. Doch aus Angst vor der aktuellen politischen Lage ind er Türkei wurden daraus „Minimalperformances“.

Auch von der Angst Noa Gurs erfährt man nur mündlich. Sie untersucht in ihren Arbeiten die „unsichtbaren“ Seiten eines Museums wie Störfälle oder Vandalismus. Während ihres Stipendium-Aufenthalts in Istanbul 2016 erlebte sie die Niederschlagung des Putschversuchs und die anschließende Säuberungswelle. Das nahm ihr den Mut für die geplanten Recherchen.

Mehr Antworten finden sich in einem „Rechercheraum“ voller Bücher und Zeitungsartikel. Und ob ein Künstleraustausch angesichts der Politik des türkischen Staatschefs Erdogan (er unterzeichnete 1997 im damaligen Restaurant „Bosporus“ an der Weidengasse damit OB Norbert Burger die Städtepartnerschaft) sinnvoll ist – und wenn ja wie, das soll am morgigen Sonntag, 15. Oktober, bei zwei Diskussionen geklärt werden (14 und 16 Uhr). Die anwesenden Gäste aus der Türkei jedenfalls plädieren für einen Ausbau des Künstler-Austauschs. Jetzt erst recht.

Das Istanbul-Stipendium umfasst monatlich 1000 Euro, es wird für maximal sechs Monate verliehen. Enthalten sind Reisekosten sowie Wohnung und Atelier in Istanbul. Die Anmeldefrist für einen Aufenthalt im ersten Halbjahr 2018 läuft am 31. Oktober ab.

„Aufwachen in Istanbul“ – bis 4. November 2017, „Werft 5“, Kunsthaus Rhenania, Bayenstr. 28 (Rheinufer), Köln Altstadt-Süd. Do-So 15-19 Uhr, am 15. Oktober, 22. Oktober und 4. November erweiterte Öffnungszeiten. Für Ende dieses Jahres ist ein umfangreicher Katalog geplant.

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