Kultur Kunst

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Die Trauernden am Totenbett, umgesetzt in einem Holzschnitt von Käthe Kollwitz

Kammerausstellung: Käthe Kollwitz und der Mord an Karl Liebknecht

Köln | Im vorigen Jahr feierte das Käthe-Kollwitz-Museum den 150. Geburtstag seiner Namensgeberin mit der Neuordnung der Dauerausstellung. Die erhält jetzt aus aktuellem Anlass eine Ergänzung: Vor 100 Jahren, am 15. Januar 1918, wurde Karl Liebknecht ermordet, der Vorsitzende der neu gegründeten KPD. Käthe Kollwitz hielt fest, wie seine Anhänger von ihm Abschied nahmen.

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Ausgangspunkt war ein Anruf von Karl Liebknechts Witwe Julia. Sie bat Käthe Kollwitz, ein Porträt des toten Politikers zu zeichnen. Das kleinformatige Profilbild mit der klaffenden roten Kopfwunde ist jetzt zu sehen. Beeindruckt von der tiefen Anteilnahme zeichnete sie mit Kreide und Kohle die Menschen, die an dem aufgebahrten Leichnam vorbei defilierten.

Für dieses Thema entdeckte die Künstlerin den Holzschnitt

Nicht nur hier standen die Menschen Schlange. In einem eigens errichteten Leichenschauhaus wollten sie andere Tote identifizieren, die bei den Unruhen Ende Januar 1919 ums Leben gekommen waren. Es entstanden „Skizzen“ voller Anteilnahme; so zeigt ein Bild zwischen den erstarrten Erwachsenen ein kleines Mädchen mit erschreckt aufgerissenen Augen.

Einige Motive setzte die Künstlerin in Ätz- und Aqua-tinta-Radierungen um. Eine Technik, die sich als nicht angemessen für dieses Thema fand. Als adäquat entdeckte entdeckte sie den Holzschnitt. Ihr großformatiges Bild „Die Lebenden dem Toten. Erinnerung an den 15. Januar 1919“ zeigt 13 Männer und eine Frau mit einem Baby, die sich über den toten Politiker beugen. Es wurde dank eines Preises von nur drei Mark zu einer Ikone der Arbeiterbewegung und hing in zahllosen Wohnungen. Hiervon sind ebenso wie von den Radierungen unterschiedliche Fassungen zu sehen.

Karl Liebknechts Mörder wurden freigesprochen

Karl Liebknecht (1871-1919) war Rechtsanwalt und bis 1916 Mitglied der SPD. Wegen seiner konsequenten Antikriegspolitik aus der Partei ausgeschlossen. Kurz darauf wurde er wegen „Kriegsverrat“ zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs begnadigt. Er gehörte zur Jahreswende 1918/19 zu den Gründern der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Kurz nach Niederschlagung des Berliner Januaraufstandes wurden er und Rosa Luxemburg von Freikorps-Offizieren ermordet. Die Täter wurden freigesprochen.

Am 25. Januar wurde Liebknecht – begleitet von einer Massendemonstration – in Berlin-Friedrichsfelde beerdigt. Die Kölner Ausstellung dokumentiert dies mit einem historischen Foto. Mitgeführt wurde auch ein Sarg für Rosa Luxemburg. Er war leer – ihre Leiche wurde erst im Mai im Landwehrkanal gefunden.

Käthe Kollwitz war schon früh eine Anhängerin von Karl Liebknecht. Sie beobachtete – wenn auch aus der Distanz – die Januarunruhen und hielt diese zumindest in einem Bild zeichnerisch fest. „Bin nach Hause gefahren. Es wurde geschossen“, schrieb sie lakonisch in ihrem Tagebuch.

Käthe Kollwitz-Museum,Neumarkt18-24 (Neumarkt-Passage), 50667 Köln, Tel. 0221 / 227-28 99 / 26 02, Öffnungszeiten: Di-Fr 10-18 Uhr, Sa, So und feiertags 11-18 Uhr,

 

Bildzeilen:

 

Holzschnitt von Käthe Kollwitz: „Die Lebenden dem Toten“ – Gedenkblatt für Karl Liebknecht (3., endgültige Fassung, 1920). © Käthe Kollwitz Museum Köln

 

 

Käthe Kollwitz: „Kopf von Karl Liebknecht auf dem Totenbett“, 1919. Schwarze Kreide, kolorierter Abdruck in Karl Radek: „Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Leo Jogiches“ (1921). © Käthe Kollwitz Museum Köln

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