Kultur Kunst

kolumba_step_15092019

Kolumba – Wenn aus Katastrophen Kunst wird

Das Kölner Museum Kolumba begeistert mit seiner neuen Jahresausstellung „1919 49 69 ff – Aufbrüche“.

Köln | Das Kolumba geht als Museum gerne seine ganz eigenen Wege – so verlängerte man im Vorjahr die Kooperation mit dem Römisch-Germanischen Museum und nahm sich für die Konzeption und Vorbereitung der neuen Jahresausstellung deutlich mehr Zeit – in eine Investition, die sich eindeutig gelohnt hat. „1919 49 69 ff – Aufbrüche“ lautet der Titel der neuen Schau, die sich durch das gesamte Haus vom Foyer bis in den zweiten Stock zieht. Sie besteht vorwiegend aus Objekten aus der eigenen, umfangreichen Sammlung des Kolumba. Noch nie hat man so viele Werke in einer Schau gezeigt und noch nie wurden so viele zum ersten Mal den Besuchern präsentiert.

Chronologisch nach den Katastrophen und Umbrüchen des vergangenen Jahrhunderts ist das Ganze aufgebaut. Ein Symbol für den Aufbruch findet sich direkt nach dem Eingang – es ist Victoria Bells „Propeller für D“ - eine mächtige Holzskulptur, der man nicht so recht abzunehmen mag, dass sie jederzeit abheben könnte. Das Symbol des Propellers in Form von 640 Computerlüftern, die in einen riesigen Schildkrötenpanzer integriert sind, der ein wenig an Star Wars erinnert, findet sich bei Marek Poliks Klangskulptur „Interdictor“ im zweiten Stock wieder. Hier erzeugen die kleinen Ventilatoren den einzigartigen Sound der Installation, die auch begehbar ist. Sie steht im Kontrast und im direkten Zusammenspiel mit Norbert Prangenbergs farblich und von der Form sehr bewegten Riesengemälde an der Wand gegenüber.

1919 – die Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zeigt, wie aus einer Katastrophe und dem totalen Desaster neue Kreativität entsteht, die auch immer durch die Brille der Kunst sich mit der Gegenwart in Verbindung setzt. Es ist das in diesem Jahr schon viel gefeierte Zeitalter des Bauhauses, das im Kolumba „aus der Froschperspektive“ heraus, nämlich vorwiegend mit Werken Andor Weiningers, erzählt wird. Der Aufbruch spiegelt sich auch bei den Kölner Progressiven und dem Jungen Rheinland wider und präsentieren sich in den Werken von Franz Wilhelm Seiwert und Walter Ophey.

kolumba_step_15092019a

Immer wieder werden besondere Werke zusammen- und gegenüber gestellt. In einem Raum sind dies im notwendigen Dämmerlicht zum Beispiel der futuristische Entwurf für einen Kirchenraum von Carlo Mense, Franz Wilhelm Seiwerts Linolschnitt Heilige und eine seltene Lithografie von Conrad Felixmüller mit zwei Menschen, die zu den Sternen streben – es ist die Himmelfahrt der 1919 ermordeten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Es sind sakrale Themen, aber auch Werke, die immer wieder den politischen Anspruch der Kunst in den 1920er Jahren verdeutlichen. Es geht aber auch immer wieder um die Visionen und die Utopien der Künstler, die sich in Krisenzeiten entwickeln.

Madonna in den Trümmern

Den Aufbruch nach dem zerstörerischen Zweiten Weltkrieg verkörpert im Kolumba wohl die Madonna in den Trümmern – geschaffen vom jungen Gottfried Böhm in den Jahren 1949/50. Er bekam nach der Zerstörung der Kirche vom letzten Pfarrer von Kolumba, Josef Geller, den Auftrag eine Kapelle für die inmitten der Trümmerwüste stehengebliebenen Marienfigur, deren Bild nach Kriegsende durch Welt gegangen war, zu bauen.

Wie schon in früheren Jahresausstellung werden Sakrales und Profanes im Kunstmuseum des Erzbistums immer wieder zueinander in Kontrast gestellt. Aktuell sind dies beispielsweise Otto Dix' „Pferdekadaver“ oder Heinrich Hoerles Schockszenen aus der „Krüppel-Mappe“, die mit kirchlichen Werken wie die „Beweinung Christi“ oder Adalbert Trillhasses „Adam und Eva – Vertreibung aus dem Paradies“ in einen außergewöhnlichen Dialog treten.

Durch den Raum zu schweben scheinen „Die Heiligen Drei Könige“ von Michael Buthe aus dem Jahr 1989 – sie bestehen aus Fundholz, Stühlen, Körben, Federn, Farbe und aus einer Glühlampe. Ihre Geschichte ist eng mit Köln verbunden, liegen doch im Dom die Reliquien der drei Weisen aus dem Morgenland. Hier kommen auf eine besondere Weise Ost und West zusammen.

Ein besonderes Highlight der neuen Jahresausstellung ist das Klaus Peter Schnüttger-Webs-Museum. Erfunden wurde diese Kunstfigur vom Fotografen Ulrich Tillmann. Das nach ihm benannte Museum eröffnet 1986 zeitgleich mit dem neuen Museum Ludwig. Allerdings bliebt es nur einen einzigen Tag geöffnet – wegen „enormen Folgekosten“. Das Museum, das eigentlich besser als Archiv bezeichnet werden könnte und das den Kunstbetrieb genüsslich auf die Schippe nimmt, erlebt durch das Kolumba eine Revitalisierung und das für deutlich mehr als einen Tag.

 

Kolumba Sonderausstellung „1919 49 69 – Aufbrüche“, Laufzeit: bis zum 17. August 2020

Museum Kolumba, Kolumbastraße 4, in Köln, Öffnungszeiten: Mi-Mo 12-17 Uhr

kolumba.de

Zurück zur Rubrik Kunst

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Kunst

Köln | Eine große Gerhard Richter-Schau kündigt das Metropolitan Museum (Met) in New York für das nächste Jahr an. Die Ausstellung mit mehr als 100 Richter-Arbeiten aus sechs Jahrzehnten wird zwei Stockwerke des Museums einnehmen und nach Angaben des Museums die größte Richter-Ausstellung in den USA seit fast zwanzig Jahren sein. Kuratiert wird die Ausstellung von Sheena Wagstaff (Met) und dem deutschen Harvard-Professor und Gerhard Richter-Experten Benjamin H.D. Buchloh.

-------------------------------------------------------

Gerhard Richter: Painting After All

The Metropolitan Museum of Art (Met Breuer)

04. März 2020 – 05. Juli 2020

zille-1903-ringkampf-privatsammlung-berlin

Köln | „Rinnsteinkunst“ nannte Kaiser Wilhelm II. 1901 verächtlich die sozialkritischen Arbeiten unter anderem von Käthe Kollwitz, Heinrich Zille und Hans Baluschek. Das Käthe-Kollwitz-Museum zeigt jetzt mit der Ausstellung „Berliner Realismus“, warum diese „Rinnsteinkunst“ heute hoch geachtet wird.

Berliner Galerist Johann König zeigt Papa's Ausstellung

Köln | Es ist ein bisschen wie Vater und Sohn im Doppelpack: Der eine (Kasper), international renommierter Kurator, von 2000 bis 2012 Direktor des Museum Ludwig in Köln, mittlerweile 75, in Berlin lebend und so aktiv wie immer. Der andere (Johann), 1981 in Köln geboren und von Papa's Künstlern umgeben in Köln und Frankfurt aufgewachsen, durch einen schrecklichen Unfall fast erblindet, seit 2002 Galerist in Berlin. Und einer der erfolgreichsten. Kasper der Exponent der Kuratoren-Kunst, Johann der erfolgreiche Kunsthändler.

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >