Kultur Kunst

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Sonnebad zwischen Zigarettenkippen: Dieter Kraemer malte seine „Frau vor VW“ im Jahr 1972.

Landesmuseum Bonn feiert Dieter Kraemers 80. Geburtstag

Köln/Bonn | Als Professor für Malen und Zeichnen war Dieter Kraemer ein prägender Dozent zuerst an der Kölner Fachhochschule, zuletzt – bis 2002 – an der Kunsthochschule für Medien ein prägender Dozent. Zu seinem 80. Geburtstag in diesem Jahr richtet dem gebürtigen Hamburger das LVR-Landesmuseum in Bonn mit rund 60 Gemälden eine kleine, aber feine Ausstellung aus.

Die Ausstellung umfasst den Zeitraum von den späten 1950er bis in die jüngsten Jahre. Sie geben einen vollständigen Überblick über die Entwicklung seines Schaffens. Das war immer am Puls der Zeit, stand aber immer gegen die gerade aktuellen Trends. Als abstrakt angesagt war, malt er Gegenständlich – nüchtern, karg, realistisch. Auch, wie er einmal sagte, um diese von den Nazis missbrauchte Art von Kunst wieder zu rehabilitieren. Mit seiner „Entdeckung“ des banalen Alltags war er der Popart voraus.

Seine Bilder wecken nur auf den ersten Blick den Eindruck von Idylle

Still und ruhig sind seine Bilder, zurückhaltend in der reduzierten Palette der Pastelltöne. Ob Stadtlandschaften, Porträts, Alltagsszenen oder – vor allem in den letzten Jahren – Stillleben: Mit genauem Blick hält Kraemer das Gesehene fest. Was auf den ersten Blick an Idylle erinnert oder idealisiert scheint, zeigt beim zweiten Blick kleine Abgründe, Vergänglichkeit, Brüche.

Ob die beiden weiblichen Tennisstars oder der Freizeit-Gewichtheber: Selten ein Lächeln, nie ein Lachen. Nicht einmal bei den neckischen Damen in bunten, züchtigen Bikinis der späten Wirtschaftswunderzeit, die sich bei Camping inmitten von Zigarettenkippen in der Sonne räkeln. Und im Hintergrund immer der VW-Käfer, ein bisschen vergammelt, aber doch für viele das Traumauto der Jahre um 1970. Nicht nur hier weht ein Hauch von Zeitkritik.

Auf den Spuren der Renaissance-Meister und der großen Niederländer

Kraemer liebte die Renaissance und das Goldene Zeitalter der niederländischen Malerei. Doch seine Landschaften sind eher trist, wie die Mauer in Rodenkirchen. Oder sie haben einen surrealen Unterton, wenn etwa bei „In der Luft – mit Blick auf Altona“ (1957) ein Mann ohne Fallschirm durch die Wolken nach unten fällt. Kubistisch angehaucht sind seine Impressionen von „Berlin Tempelhof“ (1958): Die Piloten blicken frohgemut in die Zukunft, und die Fahrwerke der Flugzeuge ähneln bedrohlichen Maschinen.

Auch seine meist kleinformatigen Stillleben, überwiegend in den letzten (Jahr-)zehnten sind nicht luxuriös und effektvoll arrangiert, sondern zeichnen sich durch anregende Kargheit aus. Und manchmal ein bisschen „Schmutz“, etwa die Tasse mit Kaffeespuren an der Außenseite. Meist präsentiert Kraemer nur ein Objekt: einen angeschnittenen Käse, eine Bordeaux-Flasche, einen Laib Brot, eine Schale Erdbeeren. Bisweilen gesellen sich ein Brett und ein Messer dazu, manchmal auch eine ganze Anrichte. Aber immer von einer Kargheit, die Appetit macht – ästhetisch und kulinarisch.

„Dieter Kraemer: Malerei“ – bis 21. Januar 2018, LVR Landesmuseum Bonn, Colmantstr. 14-16 (nur wenige Fußminuten vom Hauptbahnhof entfernt), 53115 Bonn, Di-So 11-18 Uhr (Heiligabend, 1. Weihnachtsfeiertag, Silvester und Neujahr geschlossen), Eintritt: 8/6 Euro. www.landesmuseum-bonn.lvr.de

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Foto: Dieter Kraemer, VG-Bild-Kunst, Bonn 2017 | „Großer sardischer Käse, Latteria Soziale“ nennt Dieter Kraemer sein 2001 entstandenes Stillleben.

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