Kultur Kunst

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Die heilige Sophia und ihre Töchter verbrachten ihre Zeit bislang im Museumsdepot. Jetzt wird die etwa 550 Jahre alte Figurengruppe aus Lindenholz im Kulturtzentraum am Neumarkt ausgestellt.

Mit dem Museum Schnütgen zur „Expedition Mittelalter“

Köln | Dunkles Mittelalter? Mag sein. Aber auch bunt, voller Phantasie und hervorragender Handwerkskunst. Im Museum Schnütgen ist man durchs Depot gegangen, hat dort Schätze gefunden, die jetzt unter dem Titel „Expedition Mittelalter“ zum Teil erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Rund 200 Exponate wurden für diese Ausstellung ausgesucht – aus 13.000, die das Museum, eines der wichtigsten für mittelalterliche Kunst, besitzt. Von diesen kann es nur 500 in der Dauerausstellung zeigen. Und geht’s um die Qualität nun ans Licht geholten Kunstwerke – man muss Kuratorin Manuele Beer Recht geben. „Wir haben genug für eine zweite Dauerausstellung“, sagt sie.

Die meisten Stücke stammen aus Köln und dem Rheinland

Die meisten Stücke stammen aus Köln und dem Rheinland. Bei vielen ist allerdings auch unbekannt, woher sie stammen: Schenkungen aus den frühen Jahren des Hauses. Und da ist auch noch Alexander Schnütgen, der im späten 19. Jahrhundert sakrale Kunst sammelte und später der Stadt schenkte. Doch nicht immer vermerkte der katholische Priester, was er woher hatte. So ist diese Ausstellung auch eine kleine Geschichte der Sammlung und des Hauses.

Zu sehen gibt es nun goldene Monstranzen, Chorgestühl aus Holz und Stein, Altargitter, Priestergewänder und andere Textilien, Bücher, Pietas, Kreuzigungsgruppen, Betketten und zahlreiche Heiligenfiguren aus Holz, Marmor, Elfenbein oder Ton. Letztere eine absolute Rarität, denn viele haben die Zeitläufte wegen des zerbrechlichen Materials nicht überstanden.

In Themengruppen zusammengefasst, erzählen die Ausstellungsstücke wie im Mittelalter, das hier zeitlich nach vorne etwas ausgeweitet wurde, der Glaube gepflegt und Gott gepriesen wurde, wie die Menschen sich um ihr Seelenheil sorgten – alleine oder in einer Gemeinschaft. Wie sie auf Pilgerreisen gingen und welche Hoffnungen sie mit Anruf eines Heiligen oder einer Heiligen verbanden.

Bei den Andachtsbildchen steht das herz im Mittelpunkt

Das lässt sich etwa in der kleinen Präsentationen von Andachtsbildchen ablesen, wie sie ja auch heute noch gebräuchlich sind. Ausgesucht hat man solche mit dem Herz Christi, das Symbol für Liebe. Mal ist es hier eher abstrakt, so wie es Kinder zeichnen, mal fast eine anatomische Studie. Von der Handwerkskunst zeugt eine hühnereigroße „Betnuss“: Man kann sie auseinanderklappen und erblickt eine Szene aus dem Kreuzweg, kunstvoll aus dem Buchsbaumholz herausgeschnitzt.

Eines der vielen Prunkstücke in der großzügig arrangierten Ausstellung ist eine Ausgabe der Reiseberichte des Ritters Jean de Mandeville. Der reiste 1322 als Pilger ins heilige Land und besuchte auch die Nachbarländer. Bis ins 16. Jahrhundert war das Buch eine beliebte Lektüre – ob alles wahr ist, weiß man bis heute nicht. Bestimmt gefielen auch die vielen Illustrationen, die an einen modernen Comicstrip erinnern.

Vom Comicstrip des Mittelalters zum modernen Comic

Während die Erwachsenen bei dieser „Expedition“ auf einen gedruckten Führer verzichten müssen, liegt für Kinder der kostenlose Comic „Kristall und Rauch“ in Deutsch und Englisch bereit. Gezeichnet hat ihn der Kölner Ralf Marczinczik: Erzählt wird die Begegnung einer jungen Klosternovizin und eines jungen Steinmetzes. Dabei erfährt der Leser viel über das Leben im Mittelalter und auch einige Ausstellungsstücke werden erklärt. Außerdem kann man damit an verschiedenen Stationen alte Grafiktechniken ausprobieren und an einem Gewinnspiel teilnehmen.

„Expedition Mittelalter – Das verborgene Museum Schnütgen“ – bis 28. Januar 2018, Museum Schnütgen, Kulturzentrum am Neumarkt, Cäcilienstr. 29-33, Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Eintritt 8/5 Euro, Kinder und Schüler frei. Umfangreiches Begleitprogramm mit Comic-Workshops für Kinder.

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Foto: ehu | Sieht aus wie Holz, ist aber Ton. Gebrannt wurde der fast einen halben Meter große “Christus als Schmerzensmann” um 1420 wohl in Süddeutschland.

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