Kultur Kunst

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Eine Ikone der Architekturfotografie: Werner Mantz fotografierte das Haus in der Kopernikusstraße um 1930. Bekannt mit harten Schwarzweiß-Kontrasten, bevorzugte er dafür einen zarten Sepiaton. -Und zwar in zartem Sepiaton.

Museum Ludwig: Die zwei Seiten des Fotografen Werner Mantz

Köln | Dramatische Schwarzweiß-Kontraste, klare Kompositionen, ungewohnte Perspektiven – diese Fotos von Kölner GAG-Siedlungen aus den 1920er und 1930er Jahren haben Werner Mantz berühmt gemacht. Doch er hatte noch eine andere, unbekannte „Seite“. Beide sind jetzt in der Ausstellung „Werner Mantz – Architekturen und Menschen“ im Museum Ludwig zu entdecken.

Selig die Zeiten, als Männer noch rauchen durften. Wie sie Zigarette, Zigarre oder Pfeife hielten – es ließ Rückschlüsse auf ihren männlichen Charakter zu. Und so stellten sie ihr Ego höchst unterschiedlich vor der Kamera von Werner Mantz zur Schau. Wer die Männer – aufgenommen zwischen 1932 und 1950 – sind, weiß man nicht. Zu sehen sind die Porträts jetzt in Köln. Diese und andere Porträts – erstmals öffentlich ausgestellt – sind die eine große Überraschung der Ausstellung.

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Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Nederlands Fotomuseum | Entzückt von der 1. Heiligen Kommunion: ein Mädchen-Porträt aus dem Jahr 1959. 

Seine frühen Kölner Porträts gerieten bald in Vergessenheit

Dabei ist durchaus bekannt, dass Werner Mantz (1901-1983) mit solchen Auftragsarbeiten sein Geld verdiente. Als er 1921 in Köln sein erstes Fotoatelier eröffnete, hatte er bald auch die lokale Prominenz vor der Kamera wie den Maler Anton Räderscheidt oder WDR-Intendant Ernst Hardt.

Die Bilder waren auch schon in der ersten Mantz-Ausstellung zu sehen, die das Kölner Museum 1982 zeigte, nachdem man zuvor 500 Bilder gekauft hatte. Mantz selber hatte sie als „museumswürdig“ ausgesucht. Die Porträts gerieten aber schnell ins Abseits, interessierter war man an seinen „Wiederentdeckten“ Architekturaufnahmen, die schon 1977 bei der documenta VI für Aufsehen gesorgt hatten. Dass sie jetzt wieder gezeigt werden, passt in die Politik des Hauses, Schätze aus dem Depot zu erforschen und öffentlich zu machen.

Die frühen Kölner Porträts zeichnen sich durch weiche, fast verschwommene Konturen und sanfte Hell-Dunkel-Kontraste a la Rembrandt aus. Mantz hatte diese Technik während seiner – abgebrochenen – Ausbildung in München gelernt und wandte sie ganz im Zeitgeist an. Sie erforderte einen großen Bearbeitungsaufwand, pro Foto konnten bis zu drei Tage nötig sein.

Der Auftrag für Architekturaufnahmen rettete vor der Pleite

Mantz stand kurz vor der Pleite. Doch die Bekanntschaft mit dem Architekten Wilhelm Riphahn rettete ihn. Riphahn entwarf in dieser Zeit richtungsweisende, sich am Bauhaus orientierende Siedlungen für die GAG, etwa den Blauen Hof und die Weiße Stadt in Köln-Buchforst. Mantz fotografierte sie – Innenräume inklusive – fast kongenial. Und das, obwohl er nach eigener Aussage kein besonderes Interesse für Architektur hegte.

Mit dieser Auftragsarbeit war es in spätestens in der Nazi-Diktatur vorbei. Schon 1932 hatte er ein zweites Fotoatelier im niederländischen Maastricht eröffnet. Ab 1938 bis wenige Jahre vor seinem Tod arbeitete er dort – und verdiente sein Geld wieder mit Porträts. Vor allem seine Baby- und Kinderfotos waren beliebt. Die Kölner Exponate aus dieser Zeit sind Leihgaben des Nederlands Fotomuseum in Rotterdam. Dort wird die Ausstellung anschließend gezeigt.

Die Ausstellung ordnet die rund 250 Exponate „typologisch“

Nicht chronologisch, sondern „typologisch“ werden die rund 250 Fotos präsentiert. So zeigt ein Block Kommunionsmädchen: Sittsam sitzen die einen da, die gefalteten Hände im Schoß, andere schauen verklärt, den Kopf in die Hände geschmiegt. In einem anderen selbstbewusste Frauen, neckisch blickt eine in die Kamera, das Kinn von zwei Fingern gestützt. Eine andere Gruppe fasst stark angeschnittene Köpfe zusammen.

Weniger bekannt sind Mantz’ Aufnahmen von Türen und Möbeln oder Stillleben, die er wohl für die Maastrichter Firma Kristalunie gemacht hat. Seine Innenaufnahmen von Kantinen, Aulen, Restaurants und Kirchen. Oder seine Impressionen von Alleen und Straßenbäumen.

Auf der einen Seite Porträts, auf der anderen Seiten menschenleere Siedlungen

Was alle verbindet: Es sind weiche Aufnahmen mit sanften Kontrasten – so hat es Mantz gelernt und beibehalten. Auch – und das ist die zweite große Überraschung dieser Ausstellung – bei seinen Architektur- und Landschaftsaufnahmen. Dass man sie heute mit harten Schwarzweiß-Kontrasten verbindet, ist eher dem (Entwicklungs-)Geschmack der 1970er Jahre zu verdanken. Tatsächlich sind auch sie eher weich und oft in zartem Sepiaton gehalten.

Auffallend aber der Kontrast in der Motivwahl: Hier die sensiblen Porträts, dort die Architekturbilder. Die meisten sind streng und nüchtern, einigen verleiht er durch einrahmende Bäume einen romantischen Charakter. Vor allem aber: Sie alle sind menschenleer. Nur einmal „schlich“ sich ein Mensch in ein Foto: Auf der Innenaufnahme eines Restaurants sieht man in einem Spiegel Mantz mit seiner Kamera.

„Werner Mantz – Architekturen und Menschen“ – bis 21. Januar 2018. Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, Di-So 10-18 Uhr, jeden 1. Donnerstag im Monat 10-22 Uhr, Eintritt: 12/8 Euro, Katalog 19,50 Euro

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