Kultur Kunst

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„Der blaue Bagger“ (1935) zeigt die Bauarbeiten für die Olympiastraße nach Garmisch. © VG Bild-Kunst / Lenbachhaus

Museum Ludwig entdeckt Gabriele Münter

Köln | Die Abteilung „Blauer Reiter“ im Museum Ludwig ist gut bestückt – aber reine Männersache. Denn mit Gabriele Münter fehlt ein wichtiges Mitglied der Künstlergruppe. Das Geschlechterverhältnis wird jetzt – hinsichtlich der Exponate – zumindest bis zum 13. Januar drastisch umgekehrt: Die Ausstellung „Malen ohne Umschweife“ zeigt weit über 100 Arbeiten der Künstlerin. Einige davon sind sogar erstmals zu sehen.

Die Ausstellung war schon in München und Kopenhagen zu sehen. Yilmaz Dziewior, Direktor des Museums Ludwig, will mit ihrer Übernahme ein Versprechen erfüllen, das er bei Amtsantritt vorgab: unbekannte Geschichten erzählen. Und das wird hundertprozentig erfüllt. Denn zu entdecken ist eine Künstlerin, die als dessen Geliebte lange im Schatten von Wassily Kandinsky stand. Eine überaus vielseitige Künstlerin – fast möchte man sagen, während ihre Reiter-Kollegen auf dem einmal Gefundenen weiterbauten, experimentierte sie weiter, probierte vieles, kehrte in großen Schleifen aber immer wieder zu ihrem expressiven Stil zurück, den ihre Fans vor allem in den Landschaftsbildern zu schätzen wissen. Dass in dieser Ausstellung und bei einem Gesamtwerk von gut 2000 Arbeiten nicht jedes Bild ein Meisterwerk sein mag – geschenkt.

Schon frühe Fotos lassen den Blick für Komposition und Linien erkennen

Zwar beginnt die eigentliche Bilderschau mit Fotos, die Gabriele Münter (1877-1962) als 21-Jährige bei einer Reise durch die USA machte. Sie lassen den Blick für klare Kompositionen und die Bedeutung von Linien erkennen, wie er sich später auch in ihrer Malerei zeigt. Danach aber ist die Ausstellung thematisch aufgebaut.

Gezeigt werden die Landschaftsbilder von ihren Reisen nach Italien, Skandinavien, Frankreich, Holland oder Tunesien. Natürlich auch die, die rund um ihre Wahlheimat Murnau entstanden. Ihre geheimnisvollen, symbolträchtigen Stillleben. Ihre Auseinandersetzung mit „Primitivismus“ und Exotik. Die Inspiration, die sie sich aus Kinderzeichnungen holte, und . An Warhols Siebdruck-Köpfe erinnern die Farb-Holzschnitte von „Aurelie“ (1906). Zu sehen sind die impressionistischen, manchmal auch naiven Anfänge und die folgenden expressionistischen Arbeiten bis hin zur Abstraktion – und fast immer leuchtende, flirrende Farben: „Malen ohne Umschweife“, das Münter sowohl im Atelier wie unter freiem Himmel praktizierte.

Der Faszination von Baggern konnte sich die Malerin nicht entziehen

Sie malte lebensfreudige Strandszenen, viele Porträts. Auch die Arbeitswelt war eines ihrer Themen. Der breiten Öffentlichkeit unbekannt sein dürften die kantigen Baggerbilder, die 1934 und 1935 entstanden und den Bau von Straßen und Eisenbahnstrecken in Bayern aufgreifen. Damit hätte sie wohl kaum in der offiziellen Kunstwelt reüssieren können. Als sie in München die Ausstellung „Entartete Kunst“ besuchte und dort sah, wie ihre alten Kollegen diffamiert wurden, zog sie sich in Murnau zurück. An ihre Erfolge vor 1933 – auch in Köln – konnte sie nach der NS-Diktatur aber nicht mehr anknüpfen.

Empfangen wird der Besucher von drei Porträts. Zwischen zwei Frauen hängt der „Knabenkopf“ aus dem Jahr 1908. Das Bildnis eines Jungen aus der Nachbarschaft wollen die „Freunde des Wallraf-Richartz-Museum und des Museum Ludwig“ mit Hilfe zweier Stiftungen für das Museum erwerben. 500.000 Euro soll es kosten, einen Großteil davon will der Förderverein auftreiben, 210.000 hat er schon beisammen, ein erster Spendenaufruf vor etwa drei Wochen brachte weitere 20.000 Euro, 100.000 fehlen noch.

Fast unbekannt: Münters „Villa in Sevres“ im Wallraf-Richartz-Museum

Wenn der mit der Gabriele-Münter-Stiftung vereinbarte Kaufpreis zusammengekommen ist, hat das Museum Ludwig endlich sein erstes Münter-Bild. Es ist dann zwar das einzige in dessen Sammlung, nicht aber das einzige in der Kölner Museumslandschaft. Denn leicht zu übersehen hängt in der Ausstellung auch die kleine impressionistische Landschaft „Villa in Sevres“, 1907 in Frankreich gemalt – eine Leihgabe des Wallraf-Richartz-Museums. Es kam mit der Foundation Corboud nach Köln.

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