Kultur Kunst

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Über 100 Jahre war die „Lachende Kaffeekanne“ ein beliebtes Markenzeichen für die Supermarktkette „Kaiser’s“.

Museum für Angewandte Kunst ehrt den Designer Peter Behrens

Köln | Er entwarf Möbel, Gläser, Tischtücher, Plakate, Werbezettel, Kleider, Schrifttypen, Heizöfen und Bücher. Fürwahr ein „Alleskönner“. Mit diesem Wort wirbt denn auch das Museum für Angewandte Kunst für die Ausstellung, mit der das Werk des Designers Peter Behrens gefeiert wird.

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Nicht nur diesen elektrischen Wasserkessel entwarf Peter Behrens für die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft (AEG) in Berlin.

In der Tat eine Feier – denn vor genau 150 Jahren wurde Peter Behrens (1868-1940) geboren. Und es ist nicht die einzige Ausstellung, die sich seinem Werk widmet: Das Kunstgewerbemuseum Krefeld widmet sich vor allem seinen grafischen Arbeiten (ab Mai), das LVR-Industriemuseum Oberhausen – selber ein Behrens-Bau – seinem Schaffen als Architekt. In Köln hat man sich die Jahre 1894 bis 1914 als Thema ausgesucht. Die Jahre, in denen Behrens vom Jugendstil zur Neuen Sachlichkeit fand. Und die einen umfassenden Überblick über die Breite des Werks bieten.

Für die Kölner Ausstellung konnte Kuratorin Romana Rebbelmund auf die museumseigene Behrens-Sammlung mit 55 Objekten zurückgreifen. Denn die Beziehungen zu dieser Stadt sind vielfältig. Ergänzt wird sie mit 166 Leihgaben von Museen und aus Privatbesitz.

„Dem deutschen Volke“ – Behrens entwickelte den Schrifttyp für den Reichstag

Behrens’ wohl bekanntestes Werk aber ist in Berlin zu finden: der Schriftzug „Dem deutschen Volke“ (im Original in Großbuchstaben), der seit 1916 über dem Eingang zum Reichstagsgebäude hängt. Heute tagt hier der Bundestag. Behrens hat den Schrifttyp mit Anna Simons entwickelt. Nicht weniger populär dürfte seine Weiterentwicklung der „Lachenden Kaffeekanne“ aus dem Jahr 1914 sein. Das Markenzeichen der Supermarktkette Kaiser’s verschwand erst im vorigen Jahr vom Markt, als sie an Rewe verkauft wurde. In Köln lacht nicht nur das Logo, sondern auch eine Porzellankanne, Teil eines Porzellanservices, das Behrens gleich dazu entwickelte.

„Corporate Design“ und „Merchandising“ sind die modernen Fachbegriffe für eine Strategie, die Behrens schon vor über 100 Jahren nicht nur für Kaiser’s verfolgte. So entwarf er für den Verlag Philipp Reclam und den Insel-Verlagden Grundstil für Buchtitel, der über Jahrzehnte umgesetzt wurde. Noch umfassender war seine Arbeit für den Elektro-Konzern AEG, für den er seit 1909 arbeitete und nicht nur Geschäftspapiere und Werbematerialien entwarf, sondern auch Heizöfen, Glühfadenlampen und elektrische Wasserkessel designte.

Als Autodidakt die Welt des umfassenden Designs erobert

Um so erstaunlicher, dass sich Behrens als Autodidakt – der mit impressionistischen Gemälde begann – durchsetzen konnte. Mit dem Entwurf für eine Kredenz gewann er schon in den späten 1880er Jahren nicht nur einen Wettbewerb, die Kredenz ging auch in Produktion. Zu sehen ist ein Exemplar jetzt in Köln – es gehörte einem Kölner. Im Berliner Luxuskaufhaus Wertheim stellte er ab 1902 ein Muster-Speisezimmer aus, für das er alles entworfen hatte – vom Geschirr und Besteck über die Tischdecken bis zu Kerzenleuchtern Gläser. Auf Bestellung wurde produziert, was der Kunde bestellte – ein äußerst erfolgreiches Prinzip. Als er aber auch sein Haus auf der Darmstädter Mathildenhöhe als Musterhaus anpries, gab es nur eine Nachfrage.

Bemerkenswert ist das von ihm entwickelte „Zarathustra“-Design, ein ornamentales Zusammenspiel von Sonnen-, Diamant- und Flügelformen. Behrens bezog sich damit auf das philosophische Werk von Friedrich Nietzsche, in dem der Mensch zur Selbst-Verbesserung aufgefordert wurde. Zu bestaunen sind diese Muster auf einem Flügel, der einst in Darstadt stand. Später wurde sein Stil weniger verspielt, klare gerade Linien herrschen vor, Kreise und Quadrate. Sie zieren etwa ein Ibach-Klavier aus dem Jahr 1905, das erst bei den Vorbereitungen zu dieser Ausstellung wiederentdeckt wurde (als Leihgabe aus Privatbesitz). Bekannt war es bis dahin nur aus einer Zeitungsveröffentlichung. Für Experten bereitete Behrens mit diesem Stil das Bauhaus vor.

Auch in Köln hinterließ Behrens seine Spuren

Und was hat Behrens mit Köln zu tun? Die Rheinische Glashütten AG in Ehrenfeld war Produzent vieler seiner Glasprodukte. produzierte viele seiner Gläser-Sets. 1906 wurde nach seinen Plänen die „Tonhalle“, ein Konzerthaus, für eine Kunstausstellung in der Flora gebaut. Die Pläne dafür wurden gerade erst fertig restauriert, sie wurden im Stadtarchiv aufbewahrt und wurden bei dessen Einsturz im Schutt begraben. Für die Werkbundausstellung 1914 entwarf er das Plakat mit der Fackel tragenden Reiter. Als dieses Motiv später auf einer Zigarettendose auftauchte, gewann er den Urheberstreit.

Gütlich einigte er sich dagegen 1913 im „Kölner Brückenstreit“ mit Carl Moritz, dem Architekten der Deutzer Brücke. Zwei Jahre vor deren Bau hatte Behrens im Rahmen eines Wettbewerbs für diese Brücke ebenfalls eine Hängebrücke entworfen – der Wettbewerb ging allerdings ohne Sieger zu Ende.

„#alleskönner. Peter Behrens zum 150. Geburtstag“ – bis 1. Juli 2018. Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln. Während andere Abteilungen des Museums wegen Sanierungen zeitweise geschlossen werden, bleibt die Sonderausstellung geöffnet: Di-So 11-18 Uhr, erster Donnerstag im Monat bis 22 Uhr (außer Feiertage), 5/2,50 Euro. Zur Ausstellung erscheinen zum Preis von je 3,50 Euro thematische Broschüren (deutsch/englisch) . Mehr Informationen und umfangreiches Begleitprogramm: www.makk.de

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