Kultur Kunst

makk_25052021

Die Collage der Archivbilder zeigen die Direktorin Dr. Petra Hesse und den Eingang des MAKK

Museum für angewandte Kunst (MAKK): Direktorin Dr. Petra Hesse im Interview zum Lockdown

„Es zeigt sich so langsam Licht am Ende des Tunnels“

Wie erleben Sie die Stimmung jetzt im Lockdown?

Dr. Petra Hesse: Die Stimmung wird zunehmend positiver. Es zeigt sich so langsam Licht am Ende des Tunnels. Das spüre ich auch bei Meetings. Die Chancen stehen gut, dass wir im Beruf und im Alltagsleben wieder eine kleine Normalität zurückbekommen. Was noch fehlt, ist die Planungssicherheit.

Was hat sich im Vergleich zum Frühjahr 2020 geändert?

Hesse: Der erste Lockdown war absehbar und das Makk war gut darauf eingestellt. Wir haben Arbeitspakete für das Homeoffice vorbereitet, ein gutes Hygienekonzept erarbeitet und wir konnten auch unsere Ausstellungen verschieben bzw. verlängern. Der Lockdown jetzt dauert deutlich länger. Wir nutzen die Zeit, um unser Programm und das Haus neu auszurichten. Wir haben zudem intensiv an unserer Sammlung gearbeitet und werden künftig analoge und digitale Formate stärker verknüpfen. Es geht auch darum, was wirklich Relevanz hat, und wie wir das Haus gut für die Zukunft aufstellen. Wie auch bei anderen Museen war der Lockdown ein Motor für neue, digitale Formate, eine Entwicklung, die wir jetzt weiter verstetigen möchten. Das, was die Krise an positiven Dingen mit sich gebracht hat, soll kein Strohfeuer sein. So nutzen wir zum Beispiel Fördermittel des Bundes, um unsere Homepage zu revitalisieren und technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Der direkte Kontakt zu den Besucherinnen vor Ort im Museum bleibt aber die Kernaufgabe des Makk, die wir jetzt wieder sukzessive aufbauen werden.

Was gibt es im Makk an neuen, digitalen Formaten?

Hesse: Manche Dinge haben sich schon vor der Pandemie entwickelt. Hier war unser Designbuch der analoge Ausgangspunkt, aus dem eine App für einen Audioguide für Kinder und Jugendliche entstanden ist. Er bietet den jungen Menschen auch Rätsel, eine Rallye, ein Hörspiel und Bastelanleitungen an, mit denen man Designobjekte nachbauen kann. Dass wir so ein Angebot nutzen konnten, hat uns vor allem beim Beginn der Pandemie sehr geholfen. Aktuell arbeiten wir an einem 360-Grad-Designrundgang, der am 27. Mai veröffentlicht wird. Auch für unsere Sonderausstellungen, die vom Lockdown betroffen waren, wie die zur „Gruppe Pentagon“, zu Hans Kotter oder „Künstlerblick“ gab es digitale Angebote wie Videovorträge oder Musikvideos. Das eröffnet neue Möglichkeiten, die so vor Ort in der Ausstellung nicht umsetzbar gewesen wären.

Was passiert mit den aktuellen Sonderausstellungen?

Hesse: Bei uns waren insgesamt fünf Ausstellungen vom Lockdown betroffen. Einige konnten wir verlängern, andere haben wieder auf einen späteren Termin geschoben. Die Fotoausstellung von Hélène Binet zum 100. Geburtstag von Gottfried Böhm, war nur wenige Tage zu sehen und ist jetzt bis Ende Juni verlängert worden. Die Schau zum dänischen Schmuckdesign ist bis Anfang August zu sehen. Sie war eigentlich zum deutsch-dänischen Freundschaftsjahr 2020 geplant, das wir jetzt bis 2021 verlängert haben. Hier zeigt sich auch, wie schwierig Kooperationen sein können. Bei der Ausstellung gab es eine Kooperation mit dänischen Kolleginnen und die dänische Kuratorin konnte ihre eigene Ausstellung bislang nicht vor Ort besuchen.

Wie sieht die Bilanz für die kurze Zeit der Wiedereröffnung in diesem Jahr aus?

Hesse: Die erste Woche war super – die Besucher konnten mit einer Voranmeldung zu uns kommen und das wurde rege genutzt. Dafür mussten wir aber in sehr kurzer Zeit gemeinsam mit dem Museumsdienst zunächst ein entsprechendes Anmeldesystem auf den Weg bringen. Die Stimmung war sowohl bei unseren Mitarbeiterinnen als auch bei den Besucherinnen sehr gut. Alle waren glücklich, dass sie wieder ins Museum konnten. Die Menschen haben sich in unserem Haus mit den großen Räumen auch absolut wohl und sicher gefühlt. Mit der Testpflicht beim Besuch sind die Zahlen in der darauffolgenden Woche allerdings massiv eingebrochen.

Wie sind die Perspektiven für das Makkin diesem Jahr?

Hesse: Wir haben nach wie vor keine Planungssicherheit. Deshalb wurden die für dieses Jahr noch geplanten neuen Sonderausstellungen auf 2022 verschoben. Das gilt für die Ausstellung „The Circle“ zur Internationalen Möbelmesse im vergangenen Januar, bei der es eine Kooperation mit niederländischen Designerinnen gibt, genauso wie für die im Herbst geplante Schau zu unserer Modesammlung, die unter dem Titel „Blütenlese“ geplant ist.

Wie nutzen Sie die Zeit der Schließung?

Hesse: Die Sanierung der Fenster und die nachhaltige Verbesserung unserer technischen Strukturen läuft weiter und wird noch bis ins kommende Jahr andauern. Sie hätte auch bei laufendem Betrieb stattgefunden, jetzt bei geschlossenem Haus ist das natürlich alles etwas unkomplizierter. Schon sichtbar ist der Umbau beim Foyer zu unserem Vortragssaal. Da wurden die Fenster jetzt bis zum Boden hinab verlängert, sodass wir ein Schaufenster für unser Museum bekommen haben. Der Raum selbst ist künftig unsere neue Designlounge. Aktuell werden die Fenster im Verwaltungstrakt saniert, sodass ich im Moment gar kein Büro zur Verfügung hätte. Da hilft das Homeoffice weiter. Geplant ist auch, wieder eine neue Gastronomie im Makk zu etablieren. Den Bereich dafür haben wir schon renoviert. Außerdem arbeiten wir aktuell intensiv an der Neukonzeption unserer Schausammlung.

Wie wird sich der Museumsbesuch nach der Wiedereröffnung verändern?

Hesse: Es wird sicher weiter Beschränkungen bei den Besucherzahlen geben. Wir haben auch Formate für kleine Gruppen entwickelt, die eine Führung buchen wollen. Hier wird es zunächst einen Vortrag geben und danach gehen die Besucherinnen dann individuell durch die Ausstellung. Auch für Workshops sind neue, kreative Formate in Arbeit. Wichtig sind zudem neue Konzepte für den Besuch von Schulklassen, die unser Haus als außerschulischen Lernort nutzen möchten. Dabei werden uns digitale Angebote ebenfalls weiterhelfen, die die Krise vorangebracht hat. Für die Zukunft möchte das Makk gleichwertig sowohl analoge als auch digitale Angebote realisieren, um diese einer möglichst breiten und diversen Gesellschaft anbieten zu können.

Was macht Ihnen im Moment Sorgen und was Hoffnung?

Hesse: Hoffnung macht mir, dass wir schrittweise wieder zur Normalität zukehren werden. Die Wiedereröffnung ist greifbar und motiviert uns bei der täglichen Arbeit. Sorgen machen mir die Langzeitfolgen der Krise, die noch nicht absehbar sind. Uns sind die Erträge durch die Schließung weggebrochen und es stellt sich die Frage, wie Kultur künftig gefördert und finanziert werden kann. Für mich ist Vermittlung von Kultur gerade in Krisenzeiten elementar, so etwas darf nicht vernachlässigt werden.

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