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Kunst australischer Aborigines: Blick in die neue Sonderausstellung „Wüste – Meer – Schöpfermythen“ im Rautenstrauch-Joest-Museum.

Rautenstrauch-Joest-Museum zeigt Kunst der Aborigines

Köln | Es hat lange gedauert, ehe der Kunstmarkt die Arbeiten der australischen Aborigines als Kunst akzeptierte. Doch mit seiner Verkaufsausstellung „Wüste – Meer – Schöpfermythen“ will das Rautenstrauch-Joest-Museum nicht auf diesen Handelszug aufspringen: Der Erlös unterstützt den politischen und juristischen Kampf der Aborigines um die Rückgabe ihrer alten Siedlungsgebiete.

Einst zeichneten die Spinifex-People ihre Landkarten in den Wüstensand: Kreise waren Wasserlöcher oder heilige Orte, gebogene Linien Hügel, Schlangenlinien Bachläufe. Dazu Tiere und Pflanzen, die ihre Spuren hinterlassen – alles aus der Vogelperspektive gesehen. In den 1950er Jahren wurden sie aus ihrem traditionellen Lebensraum vertrieben: Die Briten führten hier geheime Atomtests durch.

Die Vertreibung führte dazu, dass vor allem die junge Generation den kulturellen Halt verlor. Alkoholgenuss wurde zum sozialen Problem. Rettung brachte das „Malprojekt“, mit dem die alten Werte und Mythen vermittelt wurde. Statt in den Sand wurde auf Baumrinde gemalt. Und die Punkte, die den Betrachter von heute so faszinieren, symbolisieren die Sandkörner, die übrigblieben, nachdem das in den Grund gemalte Bild seinen Zweck erfüllt und verwischt wurde.

Australisches Gericht erkennt Bilder als Beweismittel für Besitzanspruch an

Mit diesen Bildern eroberten die in der späten zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nicht nur den anfangs widerspenstigen Kunstmarkt. Sie halfen auch im politischen Kampf um die Wiedererlangung der verlorenen Heimat. Vor 25 Jahren erkannte sie ein Gericht erstmals als Beweismittel dafür an, dass Australien kein unbewohntes Land war, wie es seit Beginn der Kolonisation „Recht“ war. Und ein zweites Jubiläum kann gefeiert werden: Vor 50 Jahren wurden den Aborigines nach einem Referendum die Bürgerrechte gegeben.

In den ausgestellten kleinformatigen Arbeiten sind die persönlichen Handschriften der Künstler zu erkennen. Die großen auf dem Boden liegenden sind dagegen Gruppenarbeiten. Die der Männer ist streng gegliedert, auch bei der Umsetzung wird sich an die vorher festgelegte Ordnung gehalten. Spontaner und bunter – sowohl im Ergebnis als auch beim Prozess des Malens – sind die Arbeiten der Frauen. Zusammenarbeiten dürfen Mann und Frau nur, wenn sie verheiratet sind.

Charakteristisch für die Bilder der Yolnu sind weiße und graue Töne

Ganz anders die Arbeiten der Yolnu, die an der Küste im Norden des 5. Kontinents leben. Sie zeichnen sich durch weiße und graue Töne aus. Gradlinige geometrische Formen bestimmen das Bild, dazu dichte Kreuzschraffuren. Als Malgrund nehmen sie auch, was die moderne Zivilisation als überflüssig wegwirft. Auch hier gibt es „Landkarten“, aber auch Illustrationen der alten Mythen, etwa ein Gewimmel von Meeräschen, die diese Aborigines als ihre Vorfahren sehen.

Die Aborigines kennen in ihrer Sprache kein Wort, das unserem für Kunst entspricht, erklärt die Freiburger Galeristin Robyn Kelch, die seit Jahrzehnten den fairen Kontakt zu den australischen Künstlern hält und die jetzt ausgestellten Werke besorgt hat. Sie kosten zwischen 1.200 und 20.000 Euro, alle entstanden in den letzten zwei Jahren extra für diese Ausstellung.

„Wüste – Meer – Schöpfermythen: Aboriginal Art der Spinifex und Yolnu“ – bis 4. März 2018, Rautenstrauch-Joest-Museum, Kulturzentrum am Neumarkt, Cäcilienstr. 29-33, Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, jeden 1. Donnerstag im Monat bis 22 Uhr. Eintritt: 4/3 Euro

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