Kultur Kunst

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Folio aus einer Jaina-Prachthandschrift (etwa 15. Jh.). Das Bild zeigt die Bekehrung des Prinzen Kalaka, der Mönche wird. © RJM, Foto: Patrick Schwarz, rba 2019

Rautenstrauch-Joest-Museum zeigt heilige Schriften der Jaina

Köln | Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Gewaltlosigkeit – das sind die Maximen, nach denen die Glaubensgemeinschaft der Jaina lebt. Für ihre Mönche und Nonnen kommen noch Besitzlosigkeit und Ehelosigkeit hinzu. Die Sonderausstellung „Heilige & Asketen“ im Rautenstrauch-Joest-Museum gibt jetzt einen beeindruckenden Einblick in ihre schriftliche Überlieferung – möglich durch drei kostbare Schenkungen an das Museum.

Zu sehen sind vor allem Beispiele ihrer heiligen Schrift, dem Kalpasutra. Es sind immer nur einige Seiten, denn komplette Exemplare mit ihren etwa 200 Seiten sind sehr selten. Es sind kleine, schmale, beidseitig bemalte und beschriftete Blätter, wobei der Text etwa zwei Drittel jeder Seite einnimmt. Daneben kostbar gestaltete Miniaturen, die – Comics ähnlich – vom Leben der 24 spirituellen Führer erzählen und vor Details zu platzen scheinen. Einige der Bilder wurden vergrößert – die dazugehörigen Originale sind leider nicht immer klar gekennzeichnet.

Nur korrektes Leben bewahrt vor der Wiedergeburt

Zu sehen ist auch, wie die Jaina sich die Weltordnung in einem immerwährenden Zyklus vorstellen. Das Bild zeigt einen Menschen mit schmaler Taille: Oben die Götter und ihre Freuden, unten die Qualen der Hölle, dazwischen die Menschen, die sich nur durch ein korrektes Leben aus ewiger Wiedergeburt befreien können.

Die Glaubensgemeinschaft gibt es seit rund 2.500 Jahren, sie entstand im Norden Indiens als Reformbewegung im Hinduismus. Als das Land im 16. Jahrhundert von zentralasiatischen Moslems erobert und etwa bis 1800 ein Mogulreich war, überließen die Jaina die Anfertigung ihrer Schriften islamischen Künstlern.

Keine Angst vor islamischen Künstlern

Experten des Cologne Institute of Conservation an der TH Köln untersuchten die daraus resultierenden Änderungen in der Art der Darstellung. Verstärkt wurde mit Gold gemalt, die bis dahin vorherrschende rote Farbe durch teures Lapislazuli-Blau ersetzt. Man malte mit giftigem Gelb, das aus Kuh-Urin gewonnen wurde. Schließlich wurde der Strich der Zeichnungen „schneller“. Diese Forschungsarbeit ist in der Ausstellung nachzuvollziehen. Alle Blätter wurden digitalisiert, als Nebeneffekt erhofft man sich, die weltweit verstreuten Kalpasutren zusammenführen zu können.

Die strengen Lebensregeln – ein Mönchsorden verzichtet sogar auf Kleidung, um das Armutsgebot zu erfüllen – schloss die Jaina von vielen Berufen aus. Viele verdienten ihr Geld im Handel und durch Geldverleih. Heute wird die Zahl der Jaina auf 5 Millionen geschätzt, viele leben in den USA und Europa. Wie ihre Situation im heutigen, von hinduistischem Nationalismus, religiöser Intoleranz und fortdauerndem Kastendenken geprägten Indien aussieht – dazu bietet diese Ausstellung keine Information. Ein Armutszeugnis gemessen am selbstgestellten Aufklärungs-Anspruch des Hauses

„Heilige & Asketen – Miniaturmalerei der Jaina aus Indien“ – bis 16. Februar 2010. Rautenstrauch-Joest-Museum, Cäcilienstr. 29-33 (Am Neumarkt). Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, am ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr (außer an Feiertagen).

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