Kultur Kunst

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Boris Becker: Bunker, Hamburg, Löwenstraße, 1987. Foto: Boris Becker, VG Bild-Kunst, 2019

Relikte der NS-Zeit: Boris Becker fotografiert Hochbunker

Köln | Bis heute sind sie Fremdkörper im Stadtbild – auch wenn viele Bunker inzwischen bemalt, verkleidet oder umgenutzt wurden. Vor 30 Jahren begann der Kölner Fotograf Boris Becker seine sechs Jahre dauernde Deutschlandtour durch über 45 westdeutsche Städte und dokumentierte die Überbleibsel der NS-Diktatur. 160 Aufnahmen dieser Geschichts-Aufarbeitung zeigt jetzt die SK Stiftung Kultur im Mediapark unter dem Titel „Hochbunker“.

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Boris Becker: Kurmuschel, 2014. | Foto: Boris Becker, VG Bild-Kunst, Bonn, 2019

In der Nordost-Ecke des Breslauer Platzes steht ein in der Sonne glänzender Kubus, in dem sich Hauptbahnhof und Domspitzen spiegeln. Was immer weniger Menschen wissen: Dahinter versteckt sich ein heute von der Raiffeisen-Kasse als Verwaltungsgebäude und Lager benutzter Hochbunker. 1942 wurde er von Opern-Architekt Wilhelm Riphahn erbaut, nach 1945 diente seine Fassade lange Jahre als Reklamefläche: Boris Becker konnte den Bunker noch 1984 so fotografieren.

Das NS-Regime versprach mit den Bunkern Schutz

Die heutige „Tarnung“ des Bunkers ist keine moderne Erfindung – lediglich die Gründe dafür sind unterschiedlich. Beckers Serie – durchaus in der Tradition seines Professors Bernd Becher – leistet so aufklärende Geschichtsarbeit. Das NS-Regime versprach mit den Bunkern der Bevölkerung Schutz, gebaut wurden sie ab 1940 oft von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen.

Viele Bunker waren riesige Blöcke. Manche wurden aber auch als Kirche getarnt, als mittelalterlich anmutende Wachtürme oder so in die Umgebung eingepasst, dass sie von den benachbarten Wohnhäusern nicht zu unterscheiden waren. Perfide der Bau von Hochbunkern an dem Ort, wo – wie in der Kölner Körnerstraße – in der Pogromnacht von 1938 eine Synagoge niederbrannte.

In Bochum wurde ein Bunker zum Fachwerkhaus

Viele Bunker, die Becker fotografierte, zeigen noch diesen Originalzustand. Einige hielt er im Stadium ihres Abrisses fest – eine teure Maßnahme. So blieben die meisten als Fremdkörper in ihrer Nachbarschaft stehen. Durch Bemalung sollte die Brutalität etwa ab den 1970er Jahren gemildert werden. Entweder ganz einfach durch einen einheitlichen hellen Farbton oder – schon etwas anspruchsvoller – durch bunte abstrakte Kompositionen. Oder es wurde ein Wohn- oder Geschäftshaus vorgegaukelt. Versuche der Verschleierung, die angesichts der nüchternen betrachtungsweise Beckers um so absurder wirken.

Ausnahmen sind kritische Auseinandersetzungen mit der Vergangenheit, so in Bremen, wo ein Bunker „den Gegnern und Opfern des Faschismus“ gewidmet ist. In Hamburg findet sich eine riesige Strandszene auf einem Bunker, der die Straße zwischen zwei Häuserzeilen überspannt. In Bochum wurde er in ein Fachwerkhaus verwandelt, oder in einen Vogelbauer mit Riesenvögeln. Fußballer waren auf dem Bunker in der Körnerstraße zu sehen, ehe diese Seite überbaut wurde. Für diese jüngere Epoche nutzt Becker die Farbfotografie, gibt den Fotos so eine abgründige Heiterkeit.

Ein halbnackter Krieger schützt Mutter und Kind

Die eindrucksvolle, fast gewalttätige Bunkerarchitektur ergänzt der Künstler durch (Detail-)Aufnahmen aktueller Betonbauten. Hinzu kommen serielle Fotos von Bunker- Details, die etwa die unterschiedlich gestalteten Luftöffnungen oder Propaganda-Skulpturen über den Eingängen zeigen, so einen in halbnackter heroischer Krieger, der eine Mutter mit Kind schützt. Das Innere der Bunker dagegen ist kein Thema.

Der SK Stiftung Kultur hat Becker 160 seiner Bunker-Fotos als Dauerleihgabe überlassen. Nun hofft man hier, auf Rückmeldung aus der Bevölkerung insbesondere zur Geschichte der Kölner Bunker

„Boris Becker – Hochbunker. Photographien von Architekturen und Artfakten“ – bis 9. Februar 2020. Photographische Sammlung der SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7, 50670 Köln. Tel. 0221 / 888 95 300, www.photographie-sk-kultur.de. Täglich außer Mittwoch 14 bis 19 Uhr, Eintritt: 5,50/3 Euro, erster Montag im Monat Eintritt frei.

Zur Ausstellung erscheint der dreisprachige (Deutsch/Englisch/Französisch) Katalog „Bunker. Boris Becker“, der alle fast 900 Fotos zeigt, die im Rahmen dieses Projekts entstanden. Snoeck Verlagsgesellschaft, Köln 2019. 352 Seiten, 68 Euro.

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