Kultur Kunst

Kleinenbroich_2262012

Kleinenbroich-Gemälde der Familie Bernard. Weil das Bild in schlechtem Zustand ist, bittet das Stadtmuseum um Spenden für eine Restauration

Stadtmuseum zeigt Wilhelm Kleinenenbroich – Kölner Dekorateur mit Revolutionsgeist

Köln | Der Maler Wilhelm Kleinenbroich ist heute fast vergessen. Dabei hat er in Köln Revolutionsgeschichte geschrieben und war auch im Karneval höchst aktiv. Zu seinem 200. Geburtstag zeigt das Kölnische Stadtmuseum in einer ersten Retrospektive das gesamte Spektrum seiner Kunst – von beschreibenden Aquarellen über revolutionäre Lithographie bis hin zu bürgerlichen Öl-Gemälden.

„Ikone der Revolutionsgeschichte"

„Wilhelm Kleinenbroich war zu Lebzeiten sehr bekannt. Heute ist er fast vergessen, obwohl er eine Ikone der Revolutionsgeschichte war“, betonte heute Mario Kramp, Direktor des Kölnischen Stadtmuseums. Geboren wurde Kleinenbroich am 20. April 1812 in Köln in direkter Nachbarschaft des heutigen Museums als Sohn eines Seidenwebers. Nachdem er bereits eine handwerkliche Ausbildung absolviert hatte, zog es ihn zur Malerei. So trat er bei dem Kölner Maler Simon Meister in das Atelier ein und erhielt wenig später erste Aufträge für Dekorationen vom Theater und für die Karnevals-Session im Gürzenich. Von diesen Arbeiten ist jedoch kaum etwas erhalten. Weitere Einnahmen erhielt er durch Porträt-Malereien. Als früheste Arbeit ist ein großes Öl-Gemälde der Familie Bernards aus dem Jahr 1837 erhalten. Dieses wird derzeit trotz seines schlechten Zustandes in der Kleinenbroich-Retrospektive Revolution“ Dem Maler Wilhelm Kleinenbroich zum 200. Geburtstag“ im Kölnischen Stadtmuseum gezeigt. Während der Schau soll es teilweise restauriert werden. Das Museum ruft die Besucher dabei zu Spenden für die Restaurierung auf.

Nachdem Kleinenbroich einige Jahre im Kölnischen Kunstverein, den er selbst mit gegründet hatte, ausgestellt hatte, fiel er dort in Ungnade und ging nach Düsseldorf. Dort lernte er in den Ateliers von verschiedenen Meistern und wurde zum ersten Mal auch politisch aktiv. Aufsehen erregte etwa sein Porträt eines Proletariers, der mit tränenden Augen die Zeitung liest. Darin wird berichtet, dass er künftig wie alles Gesinde als unmündig bewertet wird. Für Kleinenbroich, der im französischen Köln und mit den Werten der französischen Revolution aufwuchs, ein Unding. Zusammen mit seinem Freund Andreas Gottschalk, Armenarzt im Vringsveedel, gründete er den Kölner Arbeiterverein, der schnell zum größten dieser Art Deutschlands heranwuchs und als Exponent der deutschen Arbeiterbewegung gilt.

Der Maler und die Revolution

Seine revolutionäre Haltung schlug sich auch in seinem künstlerischen Werk nieder. Im Dezember 1848 veröffentlichte er seine erste Lithographie unter der Reihe „Durcheinander“. Nur drei Monate lang produzierte Kleinenbroich diese wöchentlich erscheinende Reihe. In ihnen griff er Politiker direkt an und bezog eindeutig Stellung zugunsten der Revolution. Warum er nach nur drei Monaten keine weiteren Lithographien mehr veröffentlichte, ist unklar. Auch in seinen Aquarellen beschäftigte er sich stets mit der aktuellen Lage der Revolution – auch wenn er sich immer mehr von der Politik zurückzog. Der Verlauf der Revolution wurde ihm zu aggressiv, erklärte heute Kuratorin Rita Wagner. Zeigen die ersten Aquarelle die Schwarz-Rot-Goldene Fahne zunächst noch als Freiheitssymbol in Köln, wird die Fahne später auch von Todes-Reitern durch die Straßen getragen. Noch heute findet so manches seiner Aquarelle Eingang in die Geschichtsbücher.

Nach dem Scheitern der Revolution wandte sich Kleinenbroich schließlich allein der Dekorationskunst zu. Er malte Wandmalereien für angesehene Bürger, Porträts und gestaltete Festwagen des Kölner Karnevalsumzuges mit. Dabei blieb Kleinenbroich zeit seines Lebens dem klassischen Akademie-Stil, den er in Düsseldorf gelernt hatte, treu. So ist von den zahlreichen technischen Veränderungen, die er miterlebte, in seinen Werken erstaunlicherweise nichts zu sehen. Weder Dampfschiffe, Eisenbahnen, noch Telefone oder Kameras hielt er malerisch fest. Zum 200. Geburtstag des Kölner Malers zeigt das Kölnische Stadtmuseum nun die erste Werkschau über Kleinenbroich überhaupt. Ausgestellt werden einige Öl-Gemälde und Porträts sowie seine Lithographien und Aquarelle. Unter dem Über-Titel „Revolution – Dekoration – Köln im 19. Jahrhundert“ eröffnet das Museum in zwei Wochen eine weitere Ausstellung. „Ein bunter Traum – Kölns romanische Kirchen im Historismus“ über das vergangene Jahrhundert. Dabei zeigt das Stadtmuseum die aufwändige Restauration der romanischen Kirchen in Köln.

Zur Retrospektive Wilhelm Kleinenbroichs ist im Emons Verlag ein illustrierter Begleitband erschienen. In Essays wird darin die Revolution in Köln und das Leben von Kleinenbroich geschildert. Zudem wird ein buntes Begleitprogramm mit öffentlichen Führungen angeboten.

Revolution! Dem Maler Wilhelm Kleinenbroich zum 200. Geburtstag
23. Juni bis 16. September 2012
Kölnisches Stadtmuseum
Zeughausstr. 1-3

Öffnungszeiten:
Di: 10 bis 20 Uhr
Mi bis So: 10 bis 17 Uhr
Eintritt: 3,50 Euro, erm. 1,50 Euro

Revolution!
Begleitband im Emons Verlag zur Ausstellung
Mario Kramp, Sascha Pries, Rita Wagner
Emons Verlag
11,95 Euro

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