Kultur Kunst

tintorettoehu_09_10_17

Liebe jenseits des Erlaubten: „Joseph und Potiphars Weib“ malte Jacopo Tintoretto Anfang der 1560er Jahre.

Wallraf-Richartz-Museum feiert Tintorettos 500. Geburtstag

Köln | „Tinbtoretto – A Star Was Born“ lautet der provokant-spektakuläre Titel der neuen Sonderausstellung im Wallraf-Richartz-Museum. Sie feiert den 500. Geburtstag des Venezianers Jacopo Tintoretto und eröffnet einen weltweiten Ausstellungsreigen zu Ehren des Malergenies, das in den „roaring fourties“ des frühen 16. Jahrhundert die Kunstszene seiner Heimatstadt aufmischte.

Die Kölner Ausstellung – in enger Zusammenarbeit mit dem Pariser Palais du Luxembourg entstanden, wo sie auch anschließend gezeigt wird – zeigt 74 Exponate sind zu sehen, neben Gemälden auch Zeichnungen, Druckgraphiken, Skulpturen. 41 davon sind tatsächlich von Jacopo Tintoretto (geboren 1518, vielleicht auch 1519 in Venedig, gestorben 1594 in Venedig).

Tintoretto malte für andere – und ließ andere für sich malen

Zumindest zu 90 Prozent eindeutig – denn die Ausstellung ist auch ein Einblick in die Kunstproduktion des damaligen Venedigs. Und da ging nach heutigen Verhältnissen etwas undurchsichtig zu.

Sogar für Tizian – den berühmten Kollegen, den er vom Sockel stieß – war er als „Subunternehmer“ tätig. Die Kunstexperten – allen voran Roland Krischel, Kurator der Ausstellung und ausgewiesener Tintoretto-Kenner – sind jedenfalls davon überzeugt, dass er in dessen Auftrag den jungen Genueser Adligen „Nicola Doria“ porträtierte. Tizian verkaufte das Bild dann unter eigenem Namen. Auch ein Männerporträt aus dem Florentiner Palazzo Pitti „gehört“ jetzt zum Werk von Tintoretto, bislang wurde es dem eher unbekannten Annibale Carracci zugeschrieben.

Kleine Staffage-Figuren erledigten die Mitarbeiter

Und Tintoretto selber ließ vieles in seiner Werkstatt von seinen Mitarbeitern erledigen. Kleine Staffage-Figuren etwa waren gar nicht sein Ding. Und auch für manche „gummiartigen Hand“ macht Krischel nicht den Chef selber verantwortlich. Bisweilen ließ der Meister auch ein Bild über Jahre unfertig liegen, übernahm – wie aus dem „Liebeslabyrinth“ einige Teile für spätere Aufträge und ließ es dann von anderen vollenden. Durchaus verständlich, dass es lange für das Werk eines flämischen Künstlers gehalten wurde.

Fest steht inzwischen auch, dass Tintoretto in seinen Anfangsjahren mit dem älteren und handwerklich besseren Giovanni Galizzi zusammenarbeitete. Mal arbeiteten sie gleichzeitig an einem Bild, mal fing der eine an, mal der andere. Doch nur langsam lernt man, beide voneinander zu unterscheiden.

Das Versprechen, solche wissenschaftlichen Ergebnisse nach gründlicher Untersuchung zu liefern, erleichterte es vielen Leihgebern, ihre Kunstwerke an den Rhein zu schicken. Neben privaten wie der englischen Königin sind renommierte Museen darunter, so das Rijksmuseum Amsterdam, der Prado in Madrid, das Museo del Duomo in Mailand, das Frankfurter Städel, Londons National Gallery oder das Kunsthistorische Museum Wien.

Neben solchen Erkenntnissen wird der Kunstfreund aber vor allem seine Freude am Betrachten der Bilder haben. Sei es an den Porträts (Tintoretto malte vor allem ältere Männer, junge Damen sind eine Rarität), die kühnen Räume, die Figuren, die geradezu aus dem bild zu springen scheinen, natürlich auch die lebendigen Themen aus Bibel und antiker Sagenwelt mit der Gelegenheit, viel nackte Frauenhaut zeigen zu können. Und dann natürlich der typische Tintoretto-Stil: flotter Pinselstrich und kräftiges Farbenspiel.

„Tintoretto: A Star Was Born“ – bis 28. Januar 2018, Wallraf-Richartz-Museum, Obermarspforte, Di-So 10-18 Uhr, jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat 10-22 Uhr. Eintritt: 13/8 Euro. Umfangreiches Begleitprogramm. Katalog: 35 Euro

Zur Ausstellung erscheint die App “Tintoretto2go”: Im Wechsel zeigt sie Bilder von Tintoretto und Informationen dazu, die in Reklameflächen in Köln und Berlin einmontiert werden.

Zurück zur Rubrik Kunst

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Kunst

21062018_Kollwitz1

Köln | Geht es gegen Krieg und Ungerechtigkeit sind die Zeichnungen und Grafiken von Käthe Kollwitz auch über 70 Jahre nach ihrem Tod immer noch von großer Aussagekraft. „Ihr“ Kölner Museum zeigt jetzt in der Sonderausstellung „Zeitenwende(n)“, wie die Berliner Künstlerin mit ihrer Arbeit auf die jeweils aktuellen politischen Umstände reagiert.

pokemon_ehu_17062018

Köln | So viele Besucher auf einmal hat der Schlosspark in Stammheim nur selten: Die Menschen – es waren mehrere hundert – hatten am Samstag allerdings kein Auge für die dort präsentierte Kunst, sondern waren auf der Suche nach Pokemons.

rubens_ehu_17062018

Köln | Die Schätze aus der Graphischen Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums sind auch in anderen Museen begehrt. Zwei Zeichnungen von Peter Paul Rubens waren jetzt nach Frankfurt [report-k berichtete] und München ausgeliehen. Ihre Rückkehr ist Anlass für die kleine Kammerausstellung mit dem Titel „Rubens & Co.: Zeichnende Meister aus Flandern“.

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS