Kultur Kunst

Zensur-Skandal um Erdogan-Karikatur von Thomas Baumgärtel

Köln | Für einen Skandal hat ein Bild des Kölners Thomas Baumgärtel auf der Kunstmesse „art Karlsruhe“ gesorgt: Eine Karikatur auf den türkischen Staatschef Erdogan wurde nach Protesten vorgeblicher türkischer Jounalisten abgehängt. Der Künstler spricht von Zensur, in den sozialen Netzwerken wird er von türkischen Fanatikern mit Mord bedroht. Report-K traf den Künstler in seinem Kölner Atelier und sprach mit ihm über Zensur, Haltung zur Kunst- und Meinungsfreiheit und über den Stellenwert politischer Kunst.

erdogan_baumgaertel_25022018

Dieses Bild mit dem Titel "Türkischer Diktator" aus der "Despotenserie" von Thomas Baumgärtel ließ der Galerist Oess auf der Art Karlsruhe nach dem Protest von türkischen Journalisten ohne Absprache mit dem Künstler abhängen und verkaufte es, so Baumgärtel, einen Tag später.

Das Bild ist Teil der „Despotenserie“, in der sich Baumgärtel auch Donald Trump und Kim Jong Un vorknöpft. Den gebückten Erdogan zeigt er mit einer riesigen Banane im Allerwertesten. Schon vor zwei Jahren wurde ein ähnliches Bild Erdogans mit dem Titel „Unter der Gürtellinie“ ohne die türkischen Fahnen im Hintergrund, bei der Ausstellung „Thomas Baumgärtel – politische Bilder“ des Kunstvereins Langenfeld nach Drohungen, Protesten und Demonstrationen vorzeitig abgehängt. Das war Baumgärtels Galerist Michael Oess bekannt, so der Künstler im Interview mit report-K, er hatte sich die drei Bilder jetzt zur Verkaufspräsentation ausgesucht.

Bild ohne Absprache mit dem Künstler abgehängt

Oess hatte das Bild am Donnerstagnachmittag nach der Beschwerde eines Türken – Oess spricht nach Zeitungsmeldungen von der „Inszenierung eines Agenten“ – ohne Absprache mit dem Künstler abgehängt. Der Journalist – wohl als Erdogan-Anhänger bekannt – hatte auch eine türkische Zeitung darüber informiert, die danach die Stimmung aufhetzte und das Bild als „rassistisch-vulgärer Angriff auf den türkischen Präsidenten“ wertete.

Baumgärtel zeigt sich – auch wenn das Bild inzwischen verkauft wurde – von der fehlenden Solidarität seines Galeristen enttäuscht und hat die Zusammenarbeit mit ihm aufgekündigt. Besonders befremdet ihn, dass sich Oess mit dem Beschwerdeführer fotografieren und dieses Foto verbreiten ließ. Fragen von report-k beantwortete der Karlsruher Kunsthändler nicht.

Karlsruher Messe weist jede Verantwortung von sich

Mehr als nur zurückhaltend die Stellungnahme der Messeleitung der Art Karlsruhe zu dem Vorfall. Sie verweist auf Anfrage von report-K auf die alleinige Verantwortung des Galeristen für die von ihm gezeigten Künstler und deren Arbeiten. Von Drohungen gegen die Messe sei ihr nichts bekannt, sie habe aber in enger Zusammenarbeit mit der Polizei „Vorkehrungen für erhöhte Sicherheit“ getroffen.

Für Baumgärtel, bekannt auch als „Bananensprayer“, ist der Vorfall ein Beweis dafür, wie weit der antidemokratische und kunstfeindliche Arm Erdogans reicht. Enttäuscht ist er von der mangelnden politischen Unterstützung deutscher Politiker und Kollegen – auch der des Messe-Kurators Karl Schrade, der das Bild als „unwichtig und nicht zentral“ für die Verkaufsausstellung bewertet hatte.

Selbst wenn dieses persönliche Urteil stimmen sollte: Die Aktion hat Baumgärtels Bild bekannter gemacht, als es den Beschwerdeführern lieb sein dürfte. Dazu begetragen hat auch ein übersensibler, von Selbstunsicherheit erfüllter Politiker, dem die Volksweisheit unbekannt ist: „Was kümmert es den türkischen Olivenbaum, wenn sich die Zikade an ihm scheuert“.

Zurück zur Rubrik Kunst

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Kunst

kunst_ehu_17062019

Köln | Gegen den lutherischen Bildersturm setzte die Gegenreformation auf barocke Pracht – und eben auf die Wirksamkeit von Bildern. So sammelte in Köln der Jesuitenorden über 30.000 Zeichnungen und Grafiken. Von den Franzosen unter Napoleon als Kriegsbeute nach Paris gebracht, kam die Sammlung später teilweise an den Rhein zurück. Eine Auswahl von 99 Objekten zeigt jetzt das Wallraf-Richartz-Museum unter dem Titel „Wir Glauben Kunst“.

SelinaPfruener_byJanSobierajski_16062019

Köln | „Munaqabba – über Frauen in Vollverschleierung in Deutschland“ heißt eine Ausstellung im Atelierzentrum Ehrenfeld, die ab 21. Juni gezeigt wird, die von vielen Frauen scharf kritisiert wird und die sich in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit und Förderer unter anderem die Stadt Köln und das NRW-Kulturministerium wandten. (report-K.de berichtete >) Die Kritik an der Ausstellung reißt nicht ab. Diese Internetzeitung sandte Fragen an das Atelierzentrum in Ehrenfeld und artrmx und an die Künstlerin Selina Pfrüner. Lesen Sie hier die Antworten und mehr über die anhaltende Kritik.

munaqabba_vusial_pixabay_13619

Köln | „Munaqabba –über Frauen mit Vollverschleierung in Deutschland“ heißt eine Ausstellung der Fotografin Selina Pfrüner die vom 21. bis 30. Juni 2019 im Atelierzentrum Ehrenfeld (AZE) gezeigt wird. In einem offenen Brief hinterfragen mehr als 50 Personen den Sinn und die Intention der Ausstellung und befürchten eine Werbeveranstaltung für die "Vollverschleierung". Den offenen Brief richteten die Aktivisten an die Förderer der Ausstellung: das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, das NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste und das Kulturamt der Stadt Köln und fragen nach dem politischen Mandat die Ausstellung zu fördern. Report-K fragte beim AZE und den Förderern nach.

Interviews zur Europawahl 2019

koepfe_europawahl_2019

Interviews mit den Kandidaten zur Europawahl 2019

Die Redaktion von report-K fragte alle Parteien und Gruppierungen an und bat um die Nennung von Interviewpartnerinnen und -partner von Kandidatinnen und Kandidaten zur Europawahl 2019. Nicht alle Parteien antworteten oder schickten Kandidaten. Die Liste der Parteien, die keine Interviewkandidaten anboten, finden sie am Ende dieser Direktlinks zu den einzelnen Kandidateninterviews.

Martin Schulz, SPD, (kein Kandidat) im Europawahlkampf in Köln

Martin Schirdewan, Die Linke

Damian Boeselager, Volt

Marie-Isabelle Heiß, Volt Europa

Andre Veltens, Partei der Humanisten

Engin Eroglu, Freie Wählern

Christian Rombeck, Demokratie direkt

Fabienne Sandkühler, Partei der Humanisten

Michael Kauch, FDP

Murat Yilmaz, Die Linke

Eileen O‘Sullivan, Volt

Hans Werner Schoutz, LKR

Prof. Dr. Holger Schiele, LKR

Birgit Beate Dickas, Die Partei
Sabine Kader, Die Partei

Inga Beißwänger, Bündnis Grundeinkommen

Inessa Kober, MLPD

Fritz Ullmann, MLPD

Reinhard Bütikofer, Bündnis 90/Die Grünen

Katarina Barley, SPD

Gerd Kaspar, FDP

Moritz Körner, FDP

Philipp Tentner, SGP

Renate Mäule, ÖDP

Elisabeth Zimmermann-Modler, SGP

Arndt Kohn, SPD

Dietmar Gaisenkersting, SGP

Claudia Walther, SPD

Alexandra Geese, Bündnis 90/ Die Grünen

Nadine Milde, Bündnis 90/Die Grünen

Sandra Lück, Tierschutzpartei

Daniel Freund, Bündnis 90/Die Grünen

Nicola Beer, FDP Spitzenkandidatin

Axel Voss, CDU

Felix Werth, Partei für Gesundheitsforschung

Karin Schäfer, Die Violetten

Marion Schmitz, Die Violetten

Claudia Krüger, Aktion Partei für Tierschutz – Das Original - Tierschutz hier!

Dr. Tobias Lechtenfeld, Volt Europa

Friedrich Jeschke, Volt Europa

Michael Schulz, Die Grauen – Für alle Generationen

Chris Pyak, Neue Liberale

Christian Rombeck, Demokratie direkt

Georg Lenz, Die Partei

Niels Geucking, Familienpartei

Helmut Geucking, Familienpartei

Diese Parteien und Vereinigungen nahmen das Interviewangebot von report-K nicht wahr: Piratenpartei Deutschland, Graue Panther, DER DRITTE WEG,Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), DIE RECHTE,Ab jetzt...Demokratie durch Volksabstimmung, Menschliche Welt (MENSCHLICHE WELT), PARTEI FÜR DIE TIERE DEUTSCHLAND (PARTEI FÜR DIE TIERE), Alternative für Deutschland (AfD), Demokratie in Europa - DiEM25, Ökologische Linke (ÖkoLinX), Bündnis für Innovation & Gerechtigkeit (BIG), Allianz für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz (Tierschutzallianz), Bündnis C - Christen für Deutschland (Bündnis C), Bayernpartei (BP), Europäische Partei LIEBE (LIEBE), Feministische Partei DIE FRAUEN (DIE FRAUEN), Christlich-Soziale Union in Bayern e.V. (CSU).

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >