Kultur Kunst

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Wie kommt eine Tänzerin von der Innenstadt zur Oper? Nachwuchsdesignerin und Preisträgerin Flora Coletta Ines Karge untersucht die Navigationssysteme auf ihren menschlichen Anteil.

Zum 10. Mal verliehen: Kölner Designpreis für Design-Nachwuchs

Köln | Zum 10. Mal wurden am Donnerstagabend im Museum für Angewandte Kunst die Kölner Designpreise verliehen. Nominiert waren 26 Abschlussarbeiten von Studentinnen und Studenten der vier teilnehmenden Kölner Hochschulen. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 4.000 Euro wurde erstmals von der Aachener Krankenkasse actimonda gestiftet.

Die drei Preise – 2.500 für den Ersten, 1.000 für den Zeiten und 500 Euro für den Dritten – wurden erstmals nur an Frauen vergeben. Auffällig auch der gesellschaftliche und theoretische Bezug – ein Beleg dafür, dass Design heute einen umfassenden Anspruch hat und sich längst nicht mehr nur auf die schöne Gestaltung von Möbeln, Autos oder Kleidung beschränkt. Gekonnte Beispiele dafür gibt es aber auch in der Ausstellung zu sehen, die mit der Preisverleihung verbunden ist und bei freiem Eintritt drei Wochen dauert.

1. Preis: Flora Coletta Ines Karger

Der 1. Preis ging an Flora Coletta Ines Karger von der Köln International School of Design (KISD). Ihre Arbeit „Programme begreifen – eine performative Umsetzung“ beschäftigt sich mit der Theorie, die hinter den auf Algorithmen beruhenden Programmen steckt, die den Menschen sagen, was sie tun sollen, um sich das Leben zu erleichtern.
Als Beispiel wählte sie die Navigationssysteme. Tänzerinnen erhielten di Aufgabe, den „Befehl“ für einen Weg zur Kölner Oper mit ihren Fähigkeiten und Vorstellungen nachzutanzen. Dies wurde dann in Bewegungsgrafiken wiedergegeben. Dies führte – nicht ganz überraschend – zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen. „Der Mensch ist unberechenbar“, so ihre Schlussfolgerung. Vor allem aber soll das Ergebnis zum Nachdenken anregen darüber, wie sich der Mensch in den von ihm geschaffenen Programmen widerspiegelt.

2. Preis: Sonja Lorenz

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Foto: ehu | Bei Sophia Schacht erobern die elektronischen Bilderpixel die Welt der Mode.

Sonja Lorenz (ecosign – Akademie für Gestaltung) erhielt den 2. Preis für „begreifen“, einen „inklusiven Architekturführer für sehende und blinde Menschen“. Objekt ist die Hohenzollernbrücke: Auf jeweils vier Relieftafeln – von einem 3D-Drucker hergestellt – können ihr Grund-, Auf- und Seitenriss ertastet werden. Das nicht nur im jetzigen Zustand, sondern auch in historischen Entwicklungen. In einer „Tastbox“ können Sehende ihr Tastgefühl testen. Zusätzlich gibt es einen Audioguide. Neben der Idee überzeugt hier auch die handwerkliche Anfertigung der Objekte.

3. Preis: Jana Klasen

Nicht nur dieser Arbeit, sondern auch der von Jana Klasen (Rheinische Fachhochschule) wäre eine baldige professionelle Umsetzung ihrer Arbeit zu wünschen. Die Drittplatzierte hat die Internetplattform „Jung und Alt – Konzeption zur Neugestaltung der Wohnraumsituation in Köln“ entwickelt.

Klasen geht von der aktuellen Wohnraumverteilung in Großstädten wie Köln aus: Für junge Menschen, insbesondere Studierende, fehlt es an bezahlbarem Wohnraum. Senioren wohnen dagegen oft in Wohnungen, die für eine Person zu groß sind und in denen die Gefahr der Vereinsamung besteht. Auf der von ihr entwickelten Internetplattform können beide Seiten zusammenkommen und dann – im optimalen Fall – in einer „WG“ zusammenleben.

Ein Prinzip, auf dem auch das schon bestehende, aber relativ unbekannte Kölner Projekt „Wohnen für Hilfe“ beruht: Hier bezahlen Studenten ihre Miete durch Mithilfe im Haushalt. Im Vorfeld hatte Klasen hier vergeblich nachgefragt, ob Interesse an der Plattform bestehe. Mit dem fertigen Produkt will sie einen neuen Anlauf machen.

Neues Design für Nistkästen, Stoffe und Sideboards

Eher „klassische“ Design-Ideen sind auch zu entdecken. Miriam Lamla (Ecosign) hat ein umfassendes Programm für den Schutz von Vögeln entworfen – vom Nistkasten über Tränke bis zum Futter. Und natürlich mit dazugehöriger Verkaufs- und Info-Webseite. Sophia Schach (KISD) bringt die Welt der Pixel auf elegante Modestoffe. Für Augenverwirrung sorgt das „Camouflage“-Sideboard von Simon Meienberg (KISD), bei dem durch ein buntes „Tarnmuster“ Brett und die daraufgestellten Gegenstände nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind.

Andere Arbeiten beschäftigen sich mit Demokratisierungsstrategien, Parallelwelten, Geschlechteridentitäten, Kaffeekultur, der Stärkung regionaler Produkte oder wie Moos die Luft verbessern und man durch ein Brettspiel Umweltschutz lernen kann– eben das breite Spektrum, das Design heute kennzeichnet.

„Die Zukunft im Design – Kölner Design Preis 2017“ – bis 19. November, Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln. Di-So 11-17 Uhr, erster Donnerstag im Monat bis 22 Uhr, erster Sonntag im Monat 10-17 Uhr. Eintritt frei

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