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In Köln stellt Schauspieler Mads Mikkelsen seinen neuen Film „Der Rausch“ vor

„Über einen solchen Lehrer hätte ich mich als Vater geärgert

Köln | Im neuen Film von Thomas Vinterberg „Der Rausch“ spielt der dänische Schauspieler Mads Mikkelsen den frustrierten Lehrer Martin, der sein altes Leben mit der Volksdroge Alkohol wieder zurückholen will. Als Pegeltrinker in einem selbst entworfenen „wissenschaftlichen Experiment“ sieht er sich gemeinsam mit drei Kollegen als eine Art Avantgarde einer neuen beschwingt-beschwipsten Gesellschaft. Die Sozialsatire kommt Ende Januar in die deutschen Kinos. Gestern Abend wurde Mikkelsen beim Film Festival Cologne als bester Schauspieler ausgezeichnet.

Welche Bedeutung hatte Ihre Rolle als Bösewicht bei James Bond „Casino Royal“ für Ihre Karriere als Schauspieler?

Mads Mikkelsen: Ich denke schon, dass dieser Film für meine Karriere eine gute Wendung bedeutet hat. Ich hatte zuvor eigentlich keine große Beziehung zu diesen Filmen und hatte mir auch nie privat einen James Bond angesehen. Wie groß das alles war, habe ich eigentlich erst gemerkt als der Film seine Premiere gefeiert hat.

Sie kommen aus Dänemark und habe dort auch viel gearbeitet. Ist es ein großer Unterschied, ob man dort oder in Hollywood arbeitet?

Mikkelsen: Das sind natürlich ganz andere Größenordnungen. Kommt man morgens in Dänemark zum Drehort begrüßt man dort vielleicht sieben Leute, in Hollywood sind es gleich 400. Unterschiedlich ist vielleicht auch die Mentalität der Leute in Europa und in den USA. Aber das eigentliche Arbeiten als Schauspieler beim Drehen unterscheidet sich nicht wesentlich.

Gab es nie die Überlegung, ganz nach Hollywood zu wechseln?

Mikkelsen: Es gibt für mich keinen Grund, mich als Schauspieler auf ein Land festzulegen. Ich arbeite nach wie vor sehr gerne in Dänemark und arbeite dort auch gerne mit Regisseuren wie Thomas Vinterberg zusammen. Ich will einfach beides machen.

Sie spielen im neuen Film „Der Rausch“ von Thomas Vinterberg den frustrierten Lehrer Martin, der mit Alkohol seine Probleme bekämpft.

Mikkelsen: Martin ist der Menschen von nebenan, der sich seine Probleme selbst schafft. Er war einmal ein toller Lehrer, aber wie das gewesen ist, hat er im Laufe seines Lebens komplett vergessen. Er ist in seiner Routine erstarrt, in seinen Leben bewegt sich nichts mehr. Er hat es verlernt, sich zu begeistern, wenn morgens die Sonne aufgeht. Er ist auch nicht mehr in der Lage, neugierig zu sein, was das Leben bringt. Da bin ich zum Glück ganz anders, ich kann mich noch für das Leben begeistern.

Gerade jetzt in den Zeiten von Corona spielt Alkohol eine große Rolle, wenn es darum geht seine Ängste und Sorgen in der Pandemie zu bekämpfen.

Mikkelsen: Wir haben den Film zu einer Zeit gedreht, als es das Corona-Virus in unserem Leben noch nicht gab. Daher ist das auch kein Film über das Virus, auch wenn das Thema Alkohol jetzt eine ganz andere Rolle spielt. Unser Film hat auch nicht den Anspruch, moralisch zu sein. Natürlich zeigt er neben der berauschenden und befreienden Seite des Alkohols auch die dunkle Seite dieser Volksdroge. Mann muss sich aber der Wahrheit stellen, dass Alkohol ein Teil unseres Lebens ist und auch immer war. Viele Beziehungen zwischen Mann und Frau würde es ohne Alkohol vermutlich gar nicht geben. Natürlich hat sich auch viel verändert. Früher war es bei manchen Arbeitern üblich, morgens direkt mit einem Bier in den Tag zu starten. Das gibt es heute nicht mehr in der Form, was auch gut so ist.

Sie waren Tänzer und arbeiten jetzt als Schauspieler. Gab es auch mal den Wunsch bei Ihnen Lehrer zu werden?

Mikkelsen: Nein, für diesen Beruf wäre ich definitiv nicht der richtige Mann. Ich habe Respekt vor diesem Beruf, der für unsere Gesellschaft wirklich wichtig ist und der leider oft viel zu schlecht bezahlt wird. Aber das ist auch ein Beruf, der nicht einfach ist. Und wenn meine Kinder bei einem Lehrer wie Martin gewesen wären, hätte ich mich als Vater wirklich geärgert. Die guten Lehrer hat man in Erinnerung, weil sie es geschafft haben, auf ihre ganz eigene, gelassene Weise Wissen zu vermitteln. Aber es gab auch viele Lehrer, die dazu nicht in der Lage waren.

Der neue Film wurde jetzt beim Filmfestival in Köln präsentiert. Wie wichtig sind solche Veranstaltungen jetzt in den Zeiten von Corona?

Mikkelsen: Das ist eine tolle Plattform, um einen Film den Menschen vorzustellen. Leider gibt es in diesem Jahr nur wenige Chance, das physisch vor Ort zu tun. Dabei ist gerade jetzt die Unterstützung für Kinos und Filme wichtig.

Jetzt in den Zeiten von Corona meiden viele Menschen das Kino und gucken Filme lieber zu Hause. Wird die Krise die Zukunft des Kinos verändern.

Mikkelsen: Bei uns in Dänemark gehen die Leute durchaus noch ins Kino. Ob die Krise daran etwas verändern wird, vermag ich jetzt nicht zu sagen. Aber wir müssen lernen, damit zu leben und wir müssen einen Weg finden, mit der Pandemie umzugehen. Was mich etwas erschreckt ist, dass sich die Wahrnehmung der Menschen binnen kurzer Zeit derart verändert hat. Wenn bei einem Film Menschen eng zusammen sind und tanzen, beurteilt man das angesichts der Pandemie jetzt viel kritischer als das noch vor einigen Monaten der Fall war.

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