Kultur Musik

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Stefan Kleinehr ist Manager der Band Brings. | Foto: Pressefoto CC/2019

Interview mit dem Bandmanager von Brings, Stefan Kleinehr

„Ich suche nach Lösungen, nicht nach Problemen“

Köln/Düsseldorf | Der Düsseldorfer Stefan Kleinehr ist seit fünf Jahren der Manager der kölschen Band Brings, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen mit einem Kinofilm und einem Klassikalbum feiert. Kleinehr ist zudem als Unternehmer in der Veranstaltungsbranche tätig. Der ehemalige Düsseldorfer Karnevalsprinz ist zudem Präsident von Düsseldorfs ältester Karnevalsgesellschaft AVDK und engagiert sich als Vizepräsident und Leiter der Düsseldorfer Fernsehsitzung beim Comitee Düsseldorfer Carneval (CC). Er ist auch Leiter der Big Band Swinging Funfares.

Wie erleben Sie gerade die Situation in der Pandemie?

Stefan Kleinehr: Die vergangenen anderthalb Jahre waren von Hoffnung, Niederlagen und auch Existenzängsten geprägt. Aber es gab auch Dinge, die uns vorangebracht haben. Dazu zählt die Idee vom Brings-Schlagzeuger Christian Blüm, Autokinokonzerte anzubieten. Das hat neuen Schwung gebracht und die Crew der Band hat wieder Geld verdient, was uns sehr wichtig war. Im März 2020 hat man noch kein Licht im Tunnel gesehen. Das hat sich mit Projekten wie der Autokinotour, dem Autokinofestival in Olpe, dem Klassikalbum mit dem Beethoven-Orchester und diversen TV-Auftritten wieder geändert. Noch kurz vor dem erneuten Lockdown im vergangenen Jahr haben wir die Brings-Revue am Tanzbrunnen auf die Bühne gebracht und später mit vielen anderen Bands Weihnachten und Karneval erneut im Autokino gefeiert. Brings hat auch das erste Konzert vor Ort mit Publikum am Tanzbrunnen veranstalten. Es war uns wichtig, dabei auch wieder die anderen Bands mitzunehmen. Aktuell läuft die „Sommer im Garten“-Tour, die Anfang August auch in Düsseldorf zu Gast sein wird.

Wie sind Sie selbst mit den Herausforderungen umgegangen?

Kleinehr: Mich hat das kreative Denken psychologisch gut durch die Krise gebracht und am Leben gehalten. Ich suche nach Lösungen und nicht nach Problemen. Ich finde es richtig, dass man überlegt, im Herbst nur noch Genesene und Geimpfte zu Veranstaltungen oder in Restaurants zuzulassen. Nur so kann man bei steigenden Inzidenzzahlen die Veranstaltungsbranche und die Gastronomie noch offen und somit am Leben erhalten. Man muss die Leute motivieren, sich impfen zu lassen. Zunächst haben wir zu wenig Impfstoff zur Verfügung gehabt, jetzt gibt es genug und die Leute gehen nicht mehr zum Impfen. Das kann ich nicht nachvollziehen.

Wie ist derzeit die Stimmung in der Band?

Kleinehr: Die Stimmung ist gut, auch wenn Absagen oder Verschiebungen bei Auftritt schon etwas deprimieren. Trotzdem war und ist die Band in einer permanenten Aufbruchstimmung. Die Jungs lassen sich nicht hängen. Das war vor der Pandemie so und hat sich jetzt auch nicht geändert. Die Band und ihr Team sind wie eine Familie, in der man sich immer gegenseitig motiviert. Es gibt auch eine große Kontinuität bei Brings. Nach dem Fahrer bin ich das jüngste Teammitglied, was die Zeit im Team betrifft – und auch ich bin schon fünf Jahre dabei. Bei Brings sucht man die Teammitglieder sehr sorgfältig aus, damit alles passt.

Wie sind Sie Bandmanager von Brings geworden?

Kleinehr: Der Kontakt ist über den ADVK entstanden und hat sich dann auch über meine Arbeit als Literat im CC fortgesetzt. Später hat die Band bei meiner Hochzeit gespielt, da war Brings der Überraschungsgast. Davor und danach gab es zwei „Tanz in den Mai“-Konzerte in der damaligen Philipshalle, an denen ich beteiligt war, nach dem zweiten wurde ich von der Band gefragt, ob ich das Management übernehmen möchte.

Wie sind Sie selbst zur Musik gekommen?

Kleinehr: Mit sechs Jahren habe ich begonnen, Trompeter zu spielen, und mit 15 habe ich bei den Swinging Funfares begonnen, wo ich mit 19 die Leitung übernommen habe. Die Swinging Funfares waren als Big Band schon in der 70er Jahren im Karneval eine musikalische Größe und haben mehr als 100.000 Platten verkauft. Unter meiner Leitung ist zum Beispiel noch der Gesang dazu gekommen. Ich war mir wichtig, den Standard zu halten und doch mit dem Zeitgeist zu gehen.

Sie haben ein eigenes Unternehmen im Veranstaltungsbereich, arbeiten als Bandmanager von Brings, Sie leiten die Swinging Funfares, sind Präsident der ältesten Düsseldorfer Karnevalsgesellschaft dem AVDK und engagieren sich als Sitzungsleiter der Fernsehsitzung und als Vizepräsident beim CC. Auch die Rolle des Karnevalsprinzen haben sie schon übernommen. Wie bekommt man das alles geregelt?

Kleinehr: Man muss sich die Aufgaben einteilen und sich dann auf diese konzentrieren. Brings ist für mich ein Fulltime-Job. In der Firma habe ich mich aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, das machen meine Mitarbeiter. Dazu kommen zweimal in der Woche Proben mit den Swinging Funfares sowie die Vorstandssitzungen beim CC und beim AVDK. Die Musik ist für mich ein wichtiger Ausgleich und das Engagement im Karneval macht mir einfach Spaß.

Welche Beziehung haben Sie als Düsseldorfer zu Köln?

Kleinehr: Ich habe eine gute Beziehung zu Köln. Es gibt in beiden Städten guten und schlechten Karneval. Ich war nicht nur durch den „Närrischen Dienstag“ des AVDK immer offen für den Kölner Karneval, auch wenn ich den Karneval aus Düsseldorf repräsentiere. Das Wichtigste ist in beiden Städten, Spaß am Karneval zu haben. Es gibt auch einen guten Austausch zu den Aktiven in Köln. Ich pflege eine gute Beziehung zur Kölner Prinzen Garde und zur Grossen von 1823. Auch beim CC tauschen wir uns regelmäßig mit dem Kölner Festkomitee aus. Das ist gerade in schwierigen Situationen wie jetzt in der Pandemie sehr wichtig.

Wie wird der Karneval in der Session 2022 aussehen?

Kleinehr: Ich hoffe, dass beim Saalkarneval Veranstaltungen möglich sein werden, wenn man nur Geimpfte und Genesene zulässt und damit das Risiko minimiert. Was mit dem Straßenkarneval passiert, kann man jetzt noch sehr schwer beurteilen.

Wie unterscheidet sich die Kölner von der Düsseldorfer Musikszene?

Kleinehr: In Köln gibt es definitiv deutlich mehr Bands. Warum das so ist, haben wir uns beim CC oft gefragt. Man kann ja keinen zur Musik zwingen. Das ist wohl auch eine Frage der Mentalität. Die Kölner haben eine engere Beziehung zu ihrem Karneval. Das gilt für die Masse der Bevölkerung, was mehr Aktive im Karneval hervorbringt. Außerdem wird das Liedgut mehr gefördert und gelebt. Karneval ist in Köln die Chance für gute junge Bands, in kürzester Zeit die eigene Musik vielen Menschen nahezubringen. Einen schnelleren Hit kann man sonst nicht landen. Außerdem treiben sich die vielen Bands auch gegenseitig an.

Gibt es Lieblingsorte in Köln und Düsseldorf?

Kleinehr: Für Köln kann ich das schwer sagen, da ich fast nur beruflich in der Stadt bin. In Düsseldorf ist mein Lieblingsort Niederkassel, wo ich auch wohne. Da ist es sehr dörflich und sehr schön. Gleichzeitig ist man von Niederkassel sehr schnell mitten in der Stadt.

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