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Joe Jackson

Joe Jackson: „Ich musste selbst herausfinden, welche Musik cool ist“

Köln | Interview Bei seinem neuem Album „The Duke“ widmet sich Joe Jackson auf seine spezielle Art und Weise Jazz-Legende Duke Ellington. Am 16. Oktober ist er zu Gast am Kölner Tanzbrunnen.

Herr Jackson, Ihr neues Album hat den Titel „The Duke“. Was bedeutet Ihnen persönlich Duke Ellington?
Joe Jackson: Er hat 50 Jahre lang Musik gemacht und man könnte ein ganzes Leben investieren, um seine Musik zu hören und darüber zu reden. Für mich war er Vorbild und Inspiration zugleich. Man kann viel von seinen Arrangements und von seinem Umgang mit seiner Band lernen. Jeder Musiker hatte seine Freiheiten und trotzdem hatte Duke Ellington immer die Kontrolle über alles. Man muss als Musiker eine Vision haben und diese konsequent umsetzen, darin sind wir uns ähnlich. Bewundert habe ich Duke auch als Menschen, der als Schwarzer in einer rassistischen Gesellschaft erstaunlich viel erreicht hat. Er hat sich oben gehalten, ohne dass Hass und Ärger in seine Musik eingeflossen sind.

Wann sind Sie seiner Musik zum ersten Mal begegnet?
Das muss so mit 16 gewesen sein. In dieser Zeit wollte ich alles über Musik und die verschiedenen Stilrichtungen wissen. Ich hatte ja aus meiner Familie und der Umgebung keinen musikalischen Hintergrund. Ich musste selbst herausfinden welche Musik cool und gut ist. Ich war damals vor allem für Jazz und Klassik offen, habe aber die Beatles gerne gehört.

Warum haben Sie gerade Duke Ellington für ein eigenes Album ausgewählt?
Seine Kompositionen sind hervorragend und erlauben es, sie auch neu zu arrangieren. Das hat Ellington selbst mehrfach gemacht. Er hat sie ständig überarbeitet, bisweilen ziemlich radikal. Ich bin deshalb davon ausgegangen, dass mein Ansatz in seinem Sinne ist. Mir ging es nicht darum ihm Tribut zu zollen, sondern ein eigenständiges Joe-Jackson-Album zu machen.

Wie haben sie die Songs ausgewählt?
Ich habe sie zuerst im Kopf und dann am Keyboard ausprobiert und getestet, in wie weit sie für mein Vorhaben geeignet sind. Daraus hat sich dann ganz automatisch die Auswahl ergeben.

Warum haben Sie die für Ellington so typischen Bläser weggelassen?
Ich wollte nicht ständig mit ihm verglichen werden. So war das Streichen der Bläser einer meiner ersten Entscheidungen. Es hört sich paradox an, aber ich lege Wert auf meine künstlerische Freiheit und lasse keine Regeln oder Gesetze gelten. So wurde die Arbeit am Album zu einem echten Abenteuer.

Sie sind ein bekannter Musiker. Wie reagieren Sie selbst, wenn jemand Ihre Stücke neu arrangiert?
Es ist doch großartig, wenn jemand anderes diese Stücke für sich entdeckt und sie spielt. Da bin ich auch nicht verletzlich, selbst wenn diese ganz eigenwillig interpretiert werden.

Sie sind seit vielen Jahren erfolgreich. Was motiviert Sie immer wieder ins Studio und auf Tour zu gehen?
Es ist doch positiver ein Album aufzunehmen als eine Bombe zu bauen (lacht). Und ehrlich, es gab auch nicht so viele andere Möglichkeiten. Ich hasse es früh aufzustehen und da schließen sich viele Jobs schon aus. Daher passt der Musiker ganz gut zu mir. Und solange mir die Arbeit Spaß macht, werde ich sie auch nicht so schnell aufgeben.

Sie leben in Berlin. Was reizt Sie an dieser Stadt?
Sie bietet mehr Freiheiten als andere Städte und ist deutlich relaxter. Ich liebe das und fühle mich sehr wohl. Andere Städte wie London oder New York, wo ich auch schon gelebt habe, können mir das so nicht bieten. Mein Deutsch ist allerdings noch ziemlich schlecht, auch wenn ich mir beim Lernen viel Mühe gebe. Da setze ich dann doch auf meine Muttersprache.

Im Moment ist Europa im EM-Fieber. Sind Sie auch ein Fußballfan?
Fußball ist in Ordnung, allerdings ist das nicht meine ganz große Leidenschaft. Ich mag die Atmosphäre bei den Spielen, wenn ich sie mir im Fernsehen anschaue. Im Stadion bin ich dagegen eher nicht. Was die WM angeht sind die Deutschen wohl stärker als die Engländer – ich bin allerdings da nicht der große Experte.

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