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Opern-Chefin Meyer zur Corona-Krise: „Vogelgezwitscher mitten in der Innenstadt“

Die Intendantin der Kölner Oper, Dr. Birgit Meyer, spricht im Interview über ihr neues Erleben von Köln, die Folgen für Ihr Haus und ihre Hoffnungen in der Corona-Krise.

Wie erleben Sie im Moment Ihre Stadt?

Dr. Birgit Meyer: Erstaunlich still und ruhig. Der Geräuschpegel ist so gesunken, dass man mitten in der Stadt das Vogelgezwitscher hört. Das merke ich, wenn ich mit dem Rad zur Arbeit fahre. Sonst sind gerade am Eigelstein immer extrem viel Fußgänger unterwegs und auf den Straßen fährt man den Autos hinterher. Jetzt habe ich fast überall freie Fahrt. Es wurde von Tag zu Tag weniger, das Leben hat sich zurückgezogen. So erlebt man jetzt auch den Frühling viel intensiver – man beachtet die Blüten und die grün werdenden Bäume.

Welche Folgen hat die Krise für die Oper?

Meyer: Der Spiel- und der Probenbetrieb ist bis zum 19. April durch die Anordnung der Stadt eingestellt worden. Das ist für uns eine besondere Situation, da wir immer einen gewissen Planungsvorlauf brauchen. Aktuell versuchen wir in einer Zeit, in der eigentlich nichts wirklich planbar ist, Pläne zu machen. Prognosen sind kaum möglich. Jetzt geht es auch darum, zu erkunden, was in dieser Spielzeit überhaupt noch möglich ist. Es gibt Programmpunkte, die komplett ausfallen, andere versuchen wir auf die nächste bzw. die übernächste Spielzeit zu verschieben.

Wie nutzen Sie die Zeit ohne Spielbetrieb?

Meyer: Wir arbeiten an Vorhaben und Verträgen für die Zukunft. So wird unser Ring für Kinder im September 2021 in Asien laufen. Die Verträge sind vor der Unterschrift. Das ist großartig. Außerdem gibt es einen engen Austausch der Betriebsleiter der städtischen Bühnen untereinander und mit der Kulturdezernentin.

Welche finanziellen Folgen hat Corona für die Oper?

Meyer: Dazu ist zum jetzigen Zeitpunkt noch keine pauschale Aussage möglich, auch weil die Dauer der Krise nicht absehbar ist. Das Ausmaß kann man erst genau benennen, wenn es wieder losgeht. Feststeht, dass die Krise finanzielle Einbußen mit sich bringt. So mussten wir zum Beispiel die sehr gut verkaufte Wiederaufnahme von Turandot absagen. Die Einnahmen gehen uns jetzt verloren. Es geht vor allem auch darum, was komplett entfällt und was man noch durch Verschieben retten kann. Toll finde ich, dass die Mitglieder unseres Ensembles kurze Videosequenzen für unsere Social-Media-Kanäle erstellt haben, in denen sie von ihren Leben zu Hause in Corona-Zeiten berichten. Das zeigt, der Betrieb steht mit all seinen Abteilungen fest zusammen. Wir sind online alle miteinander verbunden. Das ist schön.

Wie sieht aktuell Ihr Alltag aus?

Meyer: Ich fahre morgens mit dem Rad ins Büro oder ins Staatenhaus und bin dann den ganzen Tag vor Ort. Abends auf dem Weg nach Hause kaufe ich noch etwas Frisches ein und koche dann für mich. Im Moment bin ich alleine in der Wohnung, da mein Mann in Wien ist. Um 21 Uhr geht es auf den Balkon, wo ich wie die anderen Nachbar anderthalb Minuten für die Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger in den Krankenhäusern klatsche. Besonders ist auch, dass jetzt in jeder Wohnung Licht brennt, weil die Leute zu Hause sind. Bei uns klappt auch die Nachbarschaftshilfe. Ich kaufe für meinen Onkel und meine Tante, die schon älter sind, regelmäßig ein. Ansonsten lese ich gerne oder nutze die Zeit zu langen Telefongesprächen mit Freunden. Das ist dann ein sehr intensiver und konzentrierter Austausch.

Was vermissen Sie am meisten?

Meyer: Die persönlichen Treffen, bei denen man sich in den Arm nehmen kann und mit einem Glas Wein anstößt. Ich vermisse auch die Mitarbeiter im Staatenhaus. Ich bemerke, wie wertvoll mein Arbeitsalltag mit der Musik, dem Gesang und den Bühnen ist. Aber wir werden wieder gemeinsam Oper machen und das werden Tage der besonderen Freude sein, die man dann, wenn es wieder losgehen wird, noch einmal ganz anders wahrnimmt als dies bislang der Fall war.

Was macht Ihnen derzeit Hoffnung und was Sorgen?

Meyer: Sorgen macht mir das, was ich täglich aus den Medien und aus den Gesprächen mit meinen Ärztefreunden erfahre. Auch meine Tochter ist Ärztin und arbeitet in Hamburg. Man kann nicht einschätzen, wie gefährlich das Virus ist und ob noch die große Infektionswelle kommt. Im Moment bin ich trotzdem optimistisch, dass wir das Virus auf Dauer klein halten können und dass die aktuellen Maßnahmen Wirkung zeigen werden. Wann wir wieder völlig ohne Angst vor Ansteckung aufeinander zugehen können, ist noch offen. Ich stelle mir aber schon jetzt diesen Moment immer wieder vor, das gibt mir Hoffnung.

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