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Madonna in der Arena in Köln

Sie will immer noch spielen - Madonna gab sich beim Konzert in Köln provokanter denn je

Köln | Sie rekelt sich an durchtrainierten Tänzern, fasst sich regelmäßig in den Schritt und legt dann einen unfassbaren Striptease hin: Sie ist kein 20-jähriges Playmate bei einer Peepshow, sondern die 53-jährige Madonna bei ihrem Konzert in Köln. Plötzlich hat sie nur noch einen BH und eine schwarze Hose an. Wie eine Göttin badet sie in der Menge aus 15.000 Fans. Ihre Welthits "Human Nature" und "Like a Virgin" bilden den Höhepunkt des Dienstagabends in der fast ausverkauften Lanxess Arena.

Es ist die pure Provokation

Zu Glockengeläut schwebt Madonna in einer Kapelle auf die Bühne. In der Hand hält sie ein Maschinengewehr und haucht: "Oh my God, Madonna". Im Hintergrund leuchtet ein riesiges Kreuz. Männer in Kutten erwarten sie. Alles fügt sich zusammen zu einer Messe in einer Kathedrale. Und Madonna? Im tief ausgeschnittenen Dekolleté, zentimeterhohen High Heels und hautengem Outfit startet sie mit "Girl gone wild". Es ist ihr Lebensmotto, wie bei dem einzigen NRW-Auftritt ihrer derzeitigen Welttournee abermals deutlich wird. Vor anderthalb Wochen hatte sie zwei weitere Deutschlandkonzerte in Berlin gegeben. Nun geht es weiter nach Brüssel.

Popstar, Popdiva, Popikone: Madonna hat so viele Titel wie Kleider. In der Karnevalshochburg ist sie eine Verkleidungskünstlerin. Mal trägt sie eine Art Gladiatorenkostüm ohne Schuhe, mal ein schwarz-weißes Businessdress. Selbst als Funkemariechen mit Teleskopstange tritt sie auf die Bühne. Fehlt eigentlich nur noch Kamelle.

Unermüdlich stolziert, tänzelt und rennt die ewig Junggebliebene über die aufwendig gestaltete Bühne. Mal balanciert sie über Seile, dann wird sie über den Boden geschleift. Die erste Ruhepause vor den Zuschauern gönnt sich die Trendsetterin bei der Ballade "Masterpiece", da ist die Hälfte des Konzerts schon um. Hier sitzt sie endlich mal ruhig auf dem Hintern, umgeben von ihren treuen Tänzern.

Eine Diva braucht Zeit

Ihre treuen Fans lässt Madonna zunächst warten. Mit 45 Minuten Verspätung greift sie endlich zum Mikrophon. Eigentlich braucht sie gar kein Publikum. Sie inszeniert sich ohnehin lieber selbst. Ihr Lauf über den Steg in den Innenraum gerät zum Triumphzug. Die Männer jubeln ihr wild entgegen. Doch sie straft sie mit Missachtung. Leider ist die Technik bei der Mega-Show überdreht. Häufig versteht man Madonna kaum, aus den Boxen pfeift dann nur eine schrille Stimme. Auf dem Programm steht ihr neues Album "MDNA". Viele der neuen Stücke sind militärisch, fast schon grausam. Bei "Gang Bang" knallt sie einen Lover nach dem anderen ab, ehe sie eine Leiche noch mit Schnaps bespuckt. Bei "Revolver" nimmt sie mit ihren bewaffneten Gespielinnen die Fläche ein. Einmal reitet Madonna sogar auf einem Plastikgewehr, das ihr jemand zwischen die Beine steckt.

Langeweile kommt bei dem Spektakel jedenfalls nicht auf. Nach 20 Songs und zwei Stunden ist für Madonna Schluss. Mit den neuen Songs kann sie nur wenig Eindruck schinden. Unerreichbar bleiben Klassiker wie "Like a Prayer", "Vogue" und "Express Yourself".

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