Köln | 57 neue Stolpersteine hat Gunter Demnig am Mittwoch und Donnerstag in Deutz und Sülz verlegt. Vor dem Haus Sülzgürtel 43 – der Adresse des ehemaligen Kölner Waisenhauses – erinnern jetzt drei Messingtafeln an drei Roma-und Sintikinder, die von dort nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden. An der kleinen Trauerfeier nahm auch OB Henriette Reker teil.

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Die Anwesenden der Erinnerungsfeier legten weiße Rosen zu Ehren der ermordeten Kinder neben die Stolpersteine.

Im Januar 1943 wiesen Mitarbeiter des Kinderheims die zuständige Polizeibehörde darauf hin, dass sie drei „Zigeunerkinder“ in ihrer Obhut hatten. Deren Eltern waren schon 1940 nach Auschwitz deportiert worden (daran erinnert Gunter Demnigs „Spur gegen das Vergessen – 1.000 Sinti und Roma“ quer durch Köln, die das ehemalige „Zigeunerlager“ in Bickendorf mit dem Bahnhof Deutz verbindet, von dem aus die Deportationszüge nach Polen gingen). Die Mitarbeiter mussten wissen, dass auch die Kinder nach Auschwitz kamen und dass dort der Tod auf sie wartete.

OB Reker entschuldigt sich für städtische Mitverantwortung

„Unfassbar, dass städtische Mitarbeiter dazu fähig waren“ und ihre Schutzfunktion verraten hätten, sagte OB Reker während der kleinen Feier zur Verlegung der Steine. Und fügte hinzu: „Ich verneige mich bei den Familienangehörigen und entschuldige mich.“ Sie betonte die Bedeutung dieses Erinnerungsortes auch für Sinti und Roma, die als Opfergruppe „viel zu spät“ anerkannt wurden.

Schon 2001 waren an diesem Ort Stolpersteine für die Geschwister Hugo und Gertrud Rose (6 und 5 Jahre) sowie für Ilga Grünholz (4 Jahre) ins Pflaster eingelassen worden. Damals noch ohne Namen, die lebenden Familienangehörigen fürchteten rassistische Anschläge, erklärte Renata Burakowska vom Rom e.V. und ein Mitglied der Familie Grünholz. Es dürfe kein Vergessen geben, mahnte sie, denn immer noch litten die Überlebenden und ihre Nachkommen unter diesem Trauma. Schließlich verwies sie auf den aktuellen Antiziganismus.

Auf den drei Tafeln, die ursprünglich vor den ehemaligen Kinderheim lagen, stand statt des Namens nur „Ein Roma“ bzw. „Eine Romni“. Eine Beschränkung, auf die die Demnig sich seitdem nicht mehr eingelassen hat, er will den Opfern durch die Namensnennung ihre Persönlichkeit wiedergeben. Im Rahmen von Bauarbeiten im Umfeld wurden die Steine entfernt und jetzt ersetzt.

Markus Reinhard spielte einen Walzer, der in Auschwitz entstand

Auch der Kölner Zigeunermusiker Markus Reinhard hat viele Familienangehörige in Auschwitz verloren. Mit dem Gitarristen Janko Wiegand spielte er den Walzer, den ein Ungar in dem Vernichtungslager komponiert hatte und den eine Kapelle bei jeder Ankunft eines neuen Transports von Roma und Sinti spielen musste. Gegen Kriegsende zogen die Überlebenden seiner Familie zu Fuß von Auschwitz nach Köln. Diesen Weg will er im nächsten Jahr mit einem Zigeunerwagen als „Weg der Versöhnung“ nachvollziehen.

Eine Spendensammlung der evangelischen Gemeinde Sülz hatte die erneute Stolperstein-Verlegung möglich gemacht. Im nächsten Jahr soll an der benachbarten Kinderheim-Kirche auch eine Tafel angebracht werden, die die Geschichte des Heims erzählt und dabei auch die Beteiligung des damaligen Heimleiters am „Euthanasie“-Programm der NS-Diktatur nicht verschweigt.

In dieser Woche 57 neue Stolpersteine verlegt

In dieser Woche verlegte Gunter Demnig in Köln an 22 Orten insgesamt 57 neue Stolperstein. In Deutz unter anderem einen für den Schreiner Paul Heising. Er wurde 1938 im Rahmen einer ausgedehnten Aktion gegen Homosexuelle wegen „widernatürlicher Unzucht und Unzucht“ in 45 verhaftet. Nach vier Tagen im Gefängnis Klingelpütz fand man ihn mit einem Halstuch am Bett erhängt in seiner Zelle.

Mit seinen Stolpersteinen erinnert Demnig an die Opfer des Nationalsozialismus – Juden, Gewerkschafter, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma, Gegner des NS-Regimes. Er verlegt sie vor den Häusern, in denen diese Menschen zuletzt gewohnt haben. Auf den kleinen Messingplatten sind der Name des Betroffenen vermerkt, seine Lebensdaten sowie Todesort- und datum.

Auf den drei Tafeln, die ursprünglich vor den ehemaligen Kinderheim lagen, stand statt des Namens nur „Ein Roma“ bzw. „Eine Romni“. Eine Beschränkung, auf die die Demnig sich seitdem nicht mehr eingelassen hat, er will den Opfern durch die Namensnennung ihre Persönlichkeit wiedergeben. Im Rahmen von Bauarbeiten im Umfeld wurden die Steine entfernt und jetzt ersetzt.

Autor: ehu
Foto: Gunter Demnig verlegt drei neue Stolpersteine für drei Kinder, die von Mitarbeitern des städtischen Waisenhauses an die „Zigeunerstelle“ der Polizei verraten wurden.

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