Nicht wenige Radfahrer haben in der Vergangenheit die Nordseite der Deutzer Brücke Richtung Deutz befahren. Was bislang verboten war, ist ab diesem Dienstag erlaubt: Verkehrsschilder vom Typ Nr. 240 weisen auf die neue Verkehrs- und Rechtslage hin: Hier teilen sich Fußgänger und Radfahrer den Gehweg.

Das war bislang nur auf der Südseite der Brücke erlaubt. Die Neuerung ist Teil des Radverkehrskonzepts Innenstadt. Nach einem Beschluss der zuständigen Bezirksvertretung im Herbst 2017 ging die Umsetzung für Kölner Verhältnisse recht schnell. 45.000 Euro kostete es. Die neuen Verkehrsschilder machen davon nur einen Bruchteil aus, am kostspieligsten war eine Umpflasterung vor dem Lanxess-Haus an der Mindener Straße: Hier musste der Gehweg dem erwarteten wachsenden Zuspruch angepasst werden.

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Nicht nur ist die Deutzer Brücke jetzt vom Rhein über die Markmanngasse leichter und ohne Ampelüberwege erreichbar. Bis zum Stadthaus oder der Lanxess-Arena sind auch nur noch zwei Ampeln zu passieren, auf der Südstrecke sind es vom Heumarkt bis dorthin immer noch zehn. Eine bessere Verbindung in die Deutzer Freiheit ist in Planung.

Radfahrbeauftragter rechnet mit einer Verdopplung des Radverkehrs

Zur Zeit überqueren im Schnitt 5.000 Radfahrer täglich auf der Deutzer Brücke den Rhein, in Spitzenzeiten sind es bis zu 7.000. Davon entfällt jedoch nur ein Drittel auf die Nordseite. Kölns Fahrradbeauftragter Jürgen Möllers rechnet mit einem Anstieg auf 10.000 auf diesem wichtigen Teilstück der Ost-West-Achse. Das würde auch die Hohenzollernbrücke entlasten, wo sich bislang Radfahrer und Fußgänger auf einem engen Weg oft genug in die Quere kommen.

Kurzfristig dürfte das Verkehrsnetz einem weiteren Anstieg des Fahrradverkehrs allerdings nicht gewachsen sein. Das zeigte zuletzt der vergangene Mittwoch, als infolge des Warnstreiks bei der KVB der Radverkehr um 70 Prozent anstieg (report-k berichtete). Dabei kam es nicht nur an der beengten Kreuzung Zülpicher Straße/Ringe zu teilweise chaotischen Zuständen. Auch die Ring-Radwege zwischen Bismarckstraße und Zülpicher Straße waren überlastet. Obwohl die Benutzung der Straße hier freigegeben ist, wurde dies kaum in Anspruch genommen. Und Radfahrer, die es trotzdem wagten – und immer noch wagen – werden regelmäßig von Autofahrern geschnitten und nicht selten beschimpft. Grund hierfür dürften fehlende Hinweise für beide Seiten sein.

Immerhin: Nach einer Extra-Ampel an der Kreuzung Maastrichter Straße/Hohenzollernring und einer Teilfreigabe der Ulrichsgasse für Radfahrer ist die Neu-Regelung auf der Deutzer Brücke die dritte Maßnahme, die im Rahmen des Radverkehrskonzepts umgesetzt wurde. Zwei bis vier weitere kündigt Möllers für dieses Jahr an.

Autor: ehu
Foto: Jetzt ist es offiziell: Ab sofort ist auf der Nordseite der Deutzer Brücke für Radfahrer die Nutzung in beide Richtungen erlaubt. Innenstadt-Bürgermeister Andreas Hupke und Fahrradbeauftragter Jürgen Möllers (1. und 2. v.l.) helfen bei der Anbringung des Verkehrsschildes.

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