Panorama Deutschland Nachrichten

aussteigerkarten_27-02-2020

Corona-Virus: Bundesregierung warnt vor Panik und Aktivismus – Virologe fordert ein „Stamping out“

Köln/Berlin | Bundesinnenminister Horst Seehofer und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn haben heute in Berlin weitere Maßnahmen vorgestellt.Alexander Kekulé, Virologe und Fachmann für Seuchenbekämpfung, hat die Bundesregierung aufgefordert, rasch Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzuleiten. Die Amtsärzte in Deutschland sehen die Gesundheitsämter insgesamt schlecht auf einen größeren Corona-Ausbruch hierzulande vorbereitet.Zudem bereitet die Bundesregierung Maßnahmen vor um die Konjunktur zu stützen. Mittlerweile sind rund 230 Messeveranstaltungen, darunter die Internationale Eisenwarenmesse in Köln, abgesagt.

Bahn- und Busreisende im Grenzverkehr sollen Formulare ausfüllen

Wegen der Coronavirus-Krise sollen auch Bahn- und Busreisende im Grenzverkehr ab sofort sogenannte "Aussteigerkarten" ausfüllen. Das kündigte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag in Berlin an. Er hoffe, dass eine entsprechende Selbstverpflichtung der Betreiber erfolgen werde.

Beim Luftverkehr sei dies schon realisiert worden, im Schiffsverkehr werde dies angeordnet, sagte Seehofer. Die Maßnahme habe den Sinn, für den Fall des Auftretens einer Infektion zurückverfolgen zu können, wer mit der infizierten Person beispielsweise in einem Flugzeug gewesen sei. Es sei ein Krisenstab gebildet worden, der bereits einmal getagt habe und am Freitag wieder zusammenkomme, um zu beraten, wie eine großflächige Ausbreitung des Coronavirus verhindert werden könne.

Auch Großveranstaltungen seien dabei im Fokus. Aktionismus, der nichts bewirke, solle jedoch vermieden werden, sagte der Innenminister.

Ein komplettes Abriegeln der deutschen Grenze ist nach Ansicht von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) unmöglich. Entsprechende Forderungen würden derzeit oft erhoben, sagte der Innenminister am Donnerstagmittag in Berlin bezogen auf die aktuelle Coronavirus-Krise. "Wer soll das kontrollieren?", fragte Seehofer rhetorisch.

Auch bei jedem Einreisenden einen Test auf das Coronavirus zu machen, sei "objektiv nicht möglich", so Seehofer. Bundesinnenminister Jens Spahn (CDU) ergänzte, ein Abriegeln der Grenzen hätte abgesehen von den wirtschaftlichen Auswirkungen auch Folgen für die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Viele medizinische Produkte werden nach Spahns Worten gerade in Asien gefertigt, wo das Virus bislang mit Abstand am stärksten verbreitet ist.

Spahn: Pandemiepläne werden nicht oft genug geübt

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht im Zusammenhang mit der aktuellen Coronavirus-Krise Bedarf für Nachbesserungen bei den Maßnahmen der Behörden. "Ja wir haben Pandemiepläne und ja wir haben Abläufe. Aber ich habe den Eindruck, wir üben sie nicht oft genug in diesem Land", sagte Spahn am Donnerstagnachmittag in Berlin.

Das gelte vor Ort aber auch darüber hinaus. "Das ist in jedem Fall eine Lehre", so Spahn. Er habe sich vorgenommen, nach dem Ende der Krise "tatsächlich auch Schlüsse zu ziehen" und dann noch einmal mit den Ländern darüber zu reden, an welchen Stellen es möglicherweise auch Anpassungen im Infektionsschutzgesetz brauche.

Das gelte auch beim Gesetz für die internationalen Gesundheitsvorschriften. Unterdessen kritisierte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) angesichts der aktuellen Lage Diskussionen über Zuständigkeiten. "Wenn die Zuständigen die Dinge erfüllen, die wir fachlich für erforderlich halten, ist das gut. Wenn sie es nicht erfüllen, muss man dies auch öffentlich markieren", sagte Seehofer in Berlin. Wer fachlich Gebotenes nicht vollziehe, übernehme auch die Verantwortung. Die Lage sei zu ernst, um sich "in großen, tagelangen, wöchentlichen Zuständigkeitsdiskussionen zu erschöpfen", so der Innenminister.

Die Polizei hat nach den Worten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) umfangreiche Möglichkeiten, im Zuge der Coronavirus-Krise behördliche Anweisungen wie eine häusliche Quarantäne durchzusetzen. "Das sind polizeirechtliche Maßnahmen, die mit Zwang im Fall der Fälle durchgesetzt werden können und aus meiner Sicht im Fall der Fälle auch durchgesetzt werden müssten", sagte Spahn. Das Abriegeln ganzer Städte wie in China hält der Gesundheitsminister für wenig zielführend, auch wenn "Maßnahmen in größerem Umfang" durchaus auch in Deutschland möglich seien.

Man müsse sich fragen, ob das angemessen sei, was mit beispielsweise schwerkranken Leuten in einem abgeriegelten Ort sei, die jeden Tag Medikamente und einen Arzt bräuchten. "Das Infektionsschutzrecht macht jedenfalls viel möglich", sagte der Gesundheitsminister.

Virologe mahnt Regierung zu Maßnahmen gegen Coronavirus-Ausbreitung

Alexander Kekulé, Virologe und Fachmann für Seuchenbekämpfung, hat die Bundesregierung aufgefordert, rasch Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzuleiten. "In Deutschland haben wir derzeit nur einzelne Infektionen, hier lässt sich die Lage noch einfangen", sagte Kekulé der "Welt" (Freitagsausgabe). "Darum müssen wir dieses kleine Zeitfenster nutzen, bevor wir norditalienische Verhältnisse erleben."

Kekulé warnte: "Die Coronavirus-Epidemie ist eine gewaltige Bedrohung. Wie schlimm sie für uns in Deutschland wird, hängt davon ab, wie wir jetzt reagieren." Kekulé empfiehlt, flächendeckend jeden zu testen, der die Symptome einer ungewöhnlich schweren, akuten Atemwegserkrankung mit grippeähnlichen Symptomen zeigt.

"Zusätzlich müssen alle Personen, die kürzlich in der betroffenen Region in Norditalien waren, umgehend auf Coronavirus getestet werden. Bis das Ergebnis vorliegt, sollten sie Kontakt zu gefährdeten Personen, Kitas und Großveranstaltungen vermeiden. Nur so können wir auch die Kollateralschäden verhindern, die eine Virusepidemie mit sich bringt."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sage, es gebe im Moment keinen Grund, die Grenze zu sperren, so Kekulé. "Es wird niemals einen Grund geben, denn das Virus ist längst im Land." Zustände wie in Norditalien könne Deutschland "verhindern, wenn wir jetzt rasch damit beginnen, die einzelnen Fälle in Deutschland auszumachen und zu bekämpfen".

In der Epidemiologie gebe es einen Ausdruck für diese Maßnahme: "Man spricht von `stamping out` – die Infektionsherde müssen ausgetreten werden wie glimmende Zigaretten, bevor es einen Waldbrand gibt." Der Virologe kritisierte, dass in Deutschland teilweise das Gesundheitsamt entscheide, ob bei einem Verdachtsfall überhaupt auf Coronavirus getestet werde. "Sie können sich vorstellen, das dauert zu lange." Er warnte davor, Sars-CoV-2 zu unterschätzen. Es sei "gefährlicher als die jährliche Grippe". Aktuell breite es sich unerwartet schnell aus. "Die Infektion verläuft häufiger schwer oder tödlich."

Amtsärzte: Gesundheitsämter schlecht auf Coronavirus vorbereitet

Die Amtsärzte in Deutschland sehen die Gesundheitsämter insgesamt schlecht auf einen größeren Corona-Ausbruch hierzulande vorbereitet. Auch wenn die Behörden vor Ort mit Einzelfällen bestens umgehen könnten, fehlten den Gesundheitsämtern bei größeren Ausbrüchen oder einer Vielzahl von Erkrankten und Kontaktpersonen "schlichtweg die Kapazitäten", sagte die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Schon der aktuelle Fall im nordrhein-westfälischen Heinsberg, bei dem die beiden Erkrankten eine Vielzahl von sozialen Kontakten hatten, bringe die Amtsärzte an ihre Grenzen, sagte die Verbandsvorsitzende.

Bundesweit gibt es laut Teichert 2.500 Amtsärzte verteilt auf 380 Gesundheitsämter. "Da fehlt mir einfach die Fantasie, wie das bei der Bekämpfung einer großen Epidemie ausreichen soll." Engpässe ließen sich nur bedingt mit Aushilfskräften, Überstunden und Wochenenddiensten überbrücken.

"Im Ernstfall wird das medizinische Personal überall gebraucht", so die Verbandsvorsitzende. Es räche sich nun, dass in den vergangenen Jahren nicht mehr in den öffentlichen Gesundheitsdienst investiert worden sei. "Bis das Personal jetzt aufgestockt ist, ist Corona bereits weitergezogen", so Teichert.

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Bericht: Regierung prüft Konjunkturprogramm gegen Corona-Folgen

Die Bundesregierung prüft offenbar ein Konjunkturprogramm für den Fall, dass eine Ausbreitung des Coronavirus die deutsche Wirtschaft stark treffen sollte. "Wir prüfen derzeit verschiedene Szenarien und Hilfen für die Wirtschaft", hieß laut eines Berichts des "Handelsblatts" (Freitagsausgabe) in Regierungskreisen. Je nachdem, wie stark das Virus sich verbreite, gebe es unterschiedliche Möglichkeiten zum Gegensteuern.

Ein Plan mit möglichen Maßnahmen solle in wenigen Tagen vorliegen. Neben klassischen allgemeinen konjunkturellen Stützungsmaßnahmen wie Steuersenkungen oder besseren Abschreibungsregeln prüft die Bundesregierung laut "Handelsblatt" vor allem, wie sie einzelnen Unternehmen helfen kann, die besonders vom Virus betroffen sind. In der Vergangenheit hatte die Bundesregierung bereits einen Fonds für Flutschäden eingerichtet, an den sich auch Unternehmen wenden konnten.

Ebenso hatte die Landwirtschaft 2018 wegen anhaltender Dürre gesonderte Hilfen erhalten. Regierungsvertreter schränken allerdings ein, die Bundesregierung könne die wirtschaftlichen Folgen einer sich ausbreitenden Epidemie allenfalls abfedern. "Die Störung globaler Wertschöpfungsketten wird man auch mit konjunkturellen Maßnahmen nicht in den Griff bekommen können", hieß es. Wenn Unternehmen von ihren Zulieferern keine Vorprodukte mehr bekämen, könne die Bundesregierung daran nichts ändern.

Mindestens 230 Messeveranstaltungen wegen Coronavirus verschoben

Mindestens 230 Messeveranstaltungen sind weltweit bislang wegen der Coronavirus-Krise verschoben oder abgesagt worden. Das berichtet die DFV-Mediengruppe, die zahlreiche Fachzeitschriften herausgibt. In Deutschland gehören zu den betroffenen Veranstaltungen bislang die "Asia Apparel Expo" in Berlin, eine Sourcing-Messe für Bekleidung, die "Light + Building" in Frankfurt am Main, eine Messe für Licht und Gebäudetechnik, und die Internationale Eisenwarenmesse in Köln.

In Italien wurden knapp 50 Messeveranstaltungen verschoben oder abgesagt, in Spanien zwei. In China sind die mit Abstand meisten Messeverschiebungen oder Absagen, in den USA wurde laut des Berichts bislang nur eine Messe abgesagt: die "Materials Show", eine Fachaustellung für Schuhe und Sportswear.

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