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Experten zweifeln an Sinn von Schnelltests

Berlin | Antigen-Schnelltests, wie sie derzeit massenhaft in Schulen, in Betrieben und vor Geschäften eingesetzt werden, sind nach Ansicht von Experten für Screening-Untersuchungen ungeeignet und können die Corona-Fallzahlen nicht unter Kontrolle halten. "Schnelltests werden uns sicherlich nicht aus der Pandemie führen", sagte Thorsten Lehr, Modellierer an der Universität des Saarlands in Saarbrücken, dem "Spiegel". Daher, so der Forscher, sollten sie auch nicht als "Schlüssel zu mehr Freiheiten" verstanden werden.

Auch der Virologe Oliver Keppler von der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) in München hält nichts von der Idee, mit Antigen-Massentests die Pandemie wirksam bekämpfen zu können. "Das ist Irrsinn", sagte er, "und keineswegs evidenzbasiert". Diese Tests, sagte Keppler, "wurden mit viel Hoffnungsrhetorik propagiert".

Aber zwischen Wunsch und Wirklichkeit klaffe ein tiefer Graben. Laut einer Übersichtsstudie der unabhängigen, internationalen Cochrane Collaboration, die Studien zu gängigen Schnelltests analysiert hat, erkennen Antigen-Schnelltests im Durchschnitt gerade einmal durchschnittlich 58 Prozent der symptomlos Infizierten. Zugleich schlagen sie häufig falschen Alarm.

Wenn tatsächlich etwa jeder 200ste in der Bevölkerung mit Sars-CoV-2 infiziert ist, rechnet der Cochrane-Bericht für einen bestimmten Antigentest vor, dann sind bei asymptomatischen Personen fast drei Viertel der positiven Schnelltestergebnisse "falsch positiv" - das heißt der positiv Getestete ist gar nicht wirklich infiziert. Und dieser Wert wird noch schlechter, wenn die Fallzahlen niedriger sind. Bei Kindern zeigen sich die Mängel der Tests noch drastischer.

Etwa drei Viertel der infizierten Schulkinder bis 14 Jahre würden bei zweiwöchentlich durchgeführten Schnelltests übersehen; das ergab eine Schätzung im Zuge der dritten Untersuchungsrunde der sogenannten Gurgelstudie an Österreichs Schulen, wie Michael Wagner, Mikrobiologe an der Uni Wien schon vor zwei Wochen dem "Spiegel" sagte. Davon seien, schätzt Wagner, "etwa 40 Prozent Infektiöse". Keppler und Kolleginnen der Forschungsgruppe B-Fast verfassten Positionspapiere, Konzepte, mahnende E-Mails. "Es ist nicht so, dass wir aus der Wissenschaft heraus politische Entscheidungsträger über diese Problematik nicht informiert hätten", sagte Keppler. "Aber irgendwann wollte uns scheinbar niemand mehr zuhören."

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