Panorama Deutschland Nachrichten

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Reservistengruppe wollte Dorf zur Festung ausbauen

Berlin | Mehrere Reservisten der Bundeswehr haben sich in einer bislang unbekannten Gruppe organisiert, um sich privat zu bewaffnen und auf einen vermeintlichen Krisenfall vorzubereiten. Das berichtet die "taz am Wochenende". Demnach war einer der Männer aus dieser Gruppe zuletzt wegen der Coronakrise in Sachsen-Anhalt im "Stab Außergewöhnliche Ereignisse" eines Landkreises eingesetzt.

Ein anderer aus der Gruppe stand jüngst ebenso als Reservist zum Corona-Einsatz bereit. Sie seien dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen, schreibt die Zeitung. Die "taz" beruft sich bei ihren Recherchen unter anderem auf geleakte Facebook-Chats, in denen sich die Prepper ab September 2015 austauschten.

Darin finden sich zahlreiche rassistische Äußerungen der Gruppenmitglieder. Vor dem Hintergrund des Zuzugs von Geflüchteten sprachen die Handvoll Männer und Frauen von einem kommendem "Rassenkrieg" und besprachen die teils illegale Beschaffung von Waffen und Munition. Sie verabreden sich auch regelmäßig zu Schießtrainings.

Für eine drohende Krisenlage gab es in der Gruppe Überlegungen, ihren Rückzugsort, ein Dorf in Nordsachsen, mit Barrikaden und einem eigenen "militärischen Arm" zu verteidigen. Entscheidend sei: "Keine dumme Polizei oder BW [Bundeswehr] in der Nähe, die in der Krise mehr Unruhe machen als Schutz dienen, das können wir selber!" Der Reservist im "Stab Außergewöhnliche Ereignisse" ist ein Zahnarzt aus dem Leipziger Umland, er selbst war Teil der Gruppe, aber nicht persönlich im Facebook-Chat. Dort hat ihn seine Ehefrau ausführlich zitiert.

So heißt es dort unter anderem, dass er sich 2015 Schlagstöcke und Schusswesten bestellt habe. Aus den Chat-Unterhaltungen geht hervor, dass die Männer ihren Reservistenstatus gezielt für ihre private Kampfvorsorge nutzen wollten. In einer Nachricht motiviert ein anderer Reserveoffizier einen Freund, sich ebenso als Reservist zu melden: "Wenn es nur darum geht nen Ausweis zu bekommen und ne Uniform, damit kann man dann in der Übergangszeit als Vertreter der Staatsmacht auftreten und Enteignungen durchführen". Aufgrund rechtsextremer Vorkommnisse rund um eine Preppergruppe in Norddeutschland hatte der Militärischen Abschirmdienst (MAD) gemeinsam mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz 2017 eine Arbeitsgruppe gegründet, um sich besser über extremistische Verdachtsfälle austauschen zu können. Seitdem wurden laut MAD 773 Reservisten wegen Extremismus-Bezügen "dauerhaft von ihrer Dienstleistungspflicht freigestellt".

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