Panorama NRW Nachrichten

Altenaer Bürgermeister: Man kann bei Bottrop von Terror sprechen

Bottrop | Der Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt Altena, Andreas Hollstein (CDU), hat betont, dass man die Angriffe eines 50-jährigen Deutschen auf Ausländer in Bottrop und Essen als Terror werten könne. "Das in Bottrop war ein Anschlag, so wie man die Taten von Asylbewerbern als Anschlag bewertet", sagte er dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Donnerstagausgaben). Gegenüber der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" sprach der Kriminologe Hans-Dieter Schwind, dass es in den Menschen "brodele".

"Für mich hat es die gleiche Qualität, egal ob jemand mit einem Messer auf Menschen losgeht oder mit einem Auto. Es ist sprachlich auch sicher zulässig, den Anschlag als Terroranschlag zu bezeichnen. Es ist nur kein systematischer Terror wie der Terror der RAF oder des Islamischen Staates." Für die Opfer sei die Klassifizierung ohnehin letztlich egal.
Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums hatte am Mittwoch erklärt, die Taten von Bottrop und Essen seien kein Terror gewesen, sondern allgemein-krimineller Natur. Hollstein war im November 2017 Opfer eines Messerangriffs geworden. Der Angreifer hatte seine liberale Flüchtlingspolitik kritisiert. Auch der Täter von Bottrop hatte dem Vernehmen nach ausländerfeindliche Motive.
Kriminologe zu Bottrop: "Es brodelt in den Leuten"
Der Kriminologe Hans-Dieter Schwind sieht eine Ursache von Amokfahrten wie in der Silvesternacht in Bottrop und Essen mit acht Verletzten in einem wachsenden Bedrohungsgefühl durch die Zuwanderung. "Es brodelt in den Leuten, und dann kommt es plötzlich zum Ausbruch", sagte Schwind der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Donnerstagsausgabe). "Das ist eine gefährliche Entwicklung. Ich habe einen solchen Fall schon viel früher erwartet", sagte Schwind, der an der Ruhr-Universität Bochum und der Uni Osnabrück lehrte. Solche Amokfahrten oder auch die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte der vergangenen Monate seien die extreme Spitze einer allgemeinen Entwicklung, "und ich befürchte, dass sich dies fortsetzt", so Schwind. "Die Willkommenskultur ist am Ende", fügte er hinzu.
Der Bielefelder Konflikt- und Gewaltforscher Andreas Zick sagte, dass sich zunehmend Menschen aus der Mitte der Gesellschaft radikalisierten, die zuvor keinen Bezug zu einer rechtsextremen Ideologie hatten. "Der Essener Täter war mit Sicherheit zuvor im Internet unterwegs und hat sich anstecken lassen von einer Bewegung, die meint, das Land werde überfremdet und die Politik habe die Kontrolle verloren", sagte Zick der WAZ. "Es gibt eine wachsende Stimmung in der Bevölkerung, die von nationaler Identität spricht, von Widerstand und von Kontrolle, die man wieder in die eigene Hand nehmen müsse. Diese Selbstermächtigung der Bürger besorgt mich sehr."

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