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Landeswaldbericht: Stürme und Schädlinge setzen den Wäldern in NRW zu

NRW | Der Landeswaldbericht, der Anfang 2019 veröffentlicht wurde, und damit der Erste seit 2012, gibt Einblick in den Zustand der Wälder in Nordrhein-Westfalen. Dabei standen laut Umweltministerin Ursula Heinen-Esser die Zukunftsfähigkeit der Wälder und die der Forst- und Holzwirtschaft im Fokus. Der Borkenkäfer, das Wetter und der Klimawandel im Allgemeinen geben Anlass zur Sorge. Aber einige positive Entwicklungen gibt es aus den heimischen Wäldern zu berichten.

Wetterextreme wie Stürme, Trockenheit und Schädlingsbefall sollen dem Wald in NRW aktuell stark zugesetzt haben. „Sturmschäden im Frühjahr, Dürreschäden im Sommer und ein starker Borkenkäfer-Befall in den Nadelwäldern führen uns vor Augen, wie dringlich der Umbau unserer Wälder zu widerstandsfähigeren, klimaplastischen Wäldern ist. Der Begriff der Nachhaltigkeit ist eng mit der Forstwirtschaft verwurzelt. Wir müssen auch weiterhin sicherstellen, dass unsere Wälder und unsere Forst- und Holzwirtschaft zukunftsfähig und damit enkeltauglich aufgestellt sind“, kommentiert Umweltministerin Ursula Heinen-Esser die Lage des Waldes. Klimaplastische Wälder meint ein Leitbild für besonders nachhaltige Waldwirtschaft.

Der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen sollen aktuell rund 1,5 Millionen Euro an Fördermitteln für die Folgen der Wetterereignisse zur Verfügung stellen. In den folgenden vier Jahren kommen laut Ministerium noch jährlich 550.000 Euro hinzu.

Heinen-Esser spricht außerdem davon, dass „[...] einer weiteren Digitalisierung im Forst eine Schlüsselrolle [...]“ zukäme. Dazu ergänzte das Ministerium auf Nachfrage von Report-K: „Während der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren den Einsatz von IT stark intensiviert hat, etwa durch den Einsatz von GIS-Systemen (Geoinformationssystemen) oder Toughpads, für die Arbeit im Revier, ist dies in vielen anderen Forstbetrieben noch nicht der Fall. Die Herausforderung der Zukunft besteht darin, die Übernahme von Daten besser zu organisieren beziehungsweise zu automatisieren. Hierbei gibt es derzeit noch viele Brüche, weil etwa Dateien per Mail verschickt werden oder umständlich Daten in andere Systeme eingelesen werden müssen.“

Zustand der Waldökosysteme – NRW nur hinter Sachsen

Die Waldökosysteme sollen in NRW seit den 1980er Jahren über ein „forstliches Monitoring“ erfasst sein, welches in Zusammenarbeit mit dem United Nations Economic Commission for Europe UNECE-Programm „ICP Forests“ und dem „Thünen Institut“ (TI) betrieben wird, nachdem das europäische Programm 2003 eingestellt wurde.

Das Monitoring erfasst dabei etwa Stickstoff- und Säureeinträge. Nachdem in den 1980er-Jahren Sulfate dominierten, soll der kontinuierliche Rückgang der Schwefelemission dafür gesorgt haben, dass die Säureeinträge um 61 Prozent zurückgingen.

Zusätzlich hielt das System fest, dass die Stickstoffeinträge seither um 19 Prozent nachließen. Dabei zeigt ein bundesweiter Vergleich, dass NRW, als bevölkerungsreichstes Bundesland, bei diesen Einträgen knapp hinter Sachsen liegt. Damit belegt Nordrhein-Westfalen Rang Zwei.

Zustand der Böden verbessert sich

Zusätzlich wurden zwei Bodenzustandserhebungen (BZE 1989-1991 und BZE II 2006-2008) über eine Inventur von 8x8 Kilometern erhoben. Dabei berichtet das Ministerium von einer Verbesserung der Bodenqualität des sogenannten „Oberbodens“, also der „Muttererde“ zwischen den beiden Erhebungen. Die „Übersauerung“ des Bodens soll mithilfe von Bodenschutzkalkung behoben worden sein. Dabei fliegen Helikopter über die betroffenen Gebiete und schütten Kalksteinmehl aus. Dies erhöht den pH-Wert und die Basensättigung.

Im Zuge dessen sei der Schwermetallanteil deutlich reduziert worden, berichtet die Landesregierung und warnt zeitgleich davor, dass eine Verbesserung immer noch nicht ausreichend für einen gesundes Waldökosystem sei.

Klimawandel als Hauptursache für strukturelle Veränderungen des Waldes

Während man früher hauptsächlich von der ansteigenden Luftverschmutzung als Hauptrisiko für die strukturellen Veränderungen des Waldes ausging, steht mittlerweile der Klimawandel im Fokus. Das Ministerium spricht vor allem von Orkanen, Trocknis, Hochwasser und Starkregen, die dem Wald in den letzten Jahren stark zusetzen. Das Land NRW stellt Bemühungen an, Prognosen für die Entwicklung des Waldes durch den Klimawandel, zu bestimmen. So werden Mithilfe von regionalen Klimamodellen Simulationen vorgenommen und im Rahmen des „EURO-CORDEX“-Programms durch den „Deutschen Wetterdienst“ (DWD) ausgewertet. Der DWD hat zwei sogenannte RCP-Szenarien (Representative Concentration Pathways) durchgespielt und unterscheidet zwischen „RCP4.5“ und „RCP8.5“. In Beiden sprechen die Initiatoren von: „Szenarien für die nahe Zukunft“ (2021-2050) und die „ferne Zukunft“ (2071-2100).

Die Szenarien behandeln dabei Temperatur- und Niederschlagsveränderungen und die Folgen für den Wald. Das Institut geht davon aus, dass durch mehr Niederschlag, höhere Temperaturen und der damit verbundenen Veränderung der Vegetationszeit Wachstumssteigerungen entstehen, die den besser angepassten Laubwald stärken. Für die wirtschaftlich interessante Fichte wären das erschwerte Bedingungen, denen sie nicht standhalten werde. Zusätzlich seien durch Beschädigungen der Stürme „Ela“ oder „Frederike“ viele Fichten anfällig für den Borkenkäfer.

Diese Phänomene hätten aber vor allem zur Folge, dass sich die Kronen der Bäume lichteten. Das beträfe vor allem die populären Baumarten, also Eiche, Buche, Fichte und Kiefer. Alle seien aktuell schon schweren Bedingungen ausgesetzt und wären laut Berichten in der „Waldzustandserhebung“ (WZE), herausgegeben vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV), in einem außergewöhnlich schlechtem Zustand.

Stürme beflügelt die Verbreitung des Borkenkäfers und anderer Schädlinge

Gefallene und geschwächte Bäume zählen zu den bevorzugten Bäumen des Borkenkäfers, explizit des „Buchdruckers“. Dieser setzt sich in den Fichten fest und verbreitet sich seit geraumer Zeit wohl massiv. Der Buchdrucker setzt seine Larven zwischen Rinde und Stamm der Fichte, von wo aus sie sich radial zum zum Loch im Zwischenraum durchfressen. Das schädigt die Struktur des Baumes. Während des Eierlegens sendet der Käfer einen Botenstoff für seine Artgenossen aus, der dafür sorgt, dass weitere „Buchdrucker“ den Baum befallen. Forstbetriebe versuchen durch Abtragen der Bäume die Population der Parasiten einzudämmen, was aber zu einer erheblichen Reduktion der Fichtenbestände führt.

So berichtet das Ministerium, dass 2,2 Millionen Kubikmeter Kalamitätsholz, also befallenes Holz, geschlagen werden müssen – davon waren 2,1 Millionen Kubikmeter Fichte und ein Großteil davon in Ostwestfalen.

Durch den Borkenkäferbefall entstünden erhebliche Schäden in Fichtenbeständen und wirke sich damit auch auf die Preise aus. So ergänzte das Ministerium auf Nachfrage dieser Internetzeitung, wie hoch der Kostenaufwand für das Aufarbeiten der Käferbefälle sei: „Die finanziellen Schäden bestehen in erhöhten Holzerntekosten, Verfall der Holzpreise, der derzeit bei unter 40 Prozent unter Vorjahr liegt, Kosten für den Schutz, eventuelle Lagerkosten und zusätzliche Transportkosten, wenn Zwischenlager genutzt werden. Hinzu kommen Vermögensschäden, wenn der Bestand nicht das geplante Produktionsalter von rund 100 Jahren erreichen konnte. Zusätzlich Kulturkosten, wenn große "Käferlöcher" entstehen, die bepflanzt werden müssen. Die Gesamtkosten können derzeit noch nicht beziffert werden, da das Ausmaß der Schäden noch nicht abschließend eingeschätzt werden kann. Das Borkenkäfergeschehen wird sich noch weit in das Jahr 2019 hineinziehen.“

Des Weiteren berichtet die WZE von der durch Pilze befallenen Esche. Hier beobachte man einzelne Bäume längerfristig um herausfinden zu können, ob einige Arten resistent sein könnten. Ergebnisse legt der Bericht aber nicht vor.

Die der Im- und Export von Holz in NRW führe dazu, dass sich andere, nicht heimische Tiere im Gehölz des Landes breitmachten. Dazu zähle unter anderem die „Asiatische Gallwespe“, sowie der „Asiatische Laubholz Bockkäfer“. Gegen letzteren sollen Ahornbäume um holzverarbeitende Firmen gepflanzt werden. Diese Schutzbäume soll der „Asiatische Laubholz Bockkäfer“ dann befallen und so von den Beständen der Holzindustrie ferngehalten werden.

Durch die gefällten Bäume des heimischen Waldes soll sich durch die „Waldentwicklungs- und Holzmodellierung“ (WEHAM) des „Thünen Instituts“ eine Zunahme des verwertbaren Einschlags in NRW bilden. Das Institut selber warnt allerdings vor den prognostizierten Zahlen, da es sich dabei um ein veraltetes Verfahren aus dem Jahre 2003 handeln solle.

Holzindustrie und Wirtschaft

Die verarbeitende Holzindustrie geht zurück. Waren es 1995 noch 60 Betriebe, sind es heute laut Bericht nur noch 26. Das wirkte sich auch auf die Mitarbeiterzahl aus, die von 8.175 im Jahr 1995, auf aktuell 4.519 gefallen ist. Dabei gibt es nur noch ein Unternehmen, dass regionales Holz verarbeitet, während die Übrigen Recyclingpapier und importierten Zellstoff verwenden. Kunden der Unternehmen seien die Verpackungs- bzw. Papierindustrie und Möbelproduzenten. Der „Verband der deutschen Papierindustrie“ (VDP) spricht in seinem Bericht von 2018 von einem Anstieg der Produktion für Verpackungen, auch wenn der Absatz für inländische Kunden um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückging. Der Export stieg dafür aber um rund drei Prozent.

Die Wälder teilen sich in drei Kategorien auf: Privatwald, Körperschaftswald und Staatswald. In allen Typen ist ein Rückgang des Ertrages zu beobachten, welcher beim Privaten kontinuierlich fällt, jedoch beim Körperschaftswald von 2015 auf 2016 um 65 Prozent gefallen ist. Beim Staatswald sind es immerhin 36 Prozent. Auf Nachfrage von Report-K bestätigte die Landesregierung einen weiteren Rückgang der Erlöse beim Staatswald in 2018. Während die Holzmenge seit 2014 kontinuierlich anstieg und mittlerweile auch nahezu einen neuen Höchststand erreicht.

Die „Schutz und Erholungsleistungen“ seien im Staatswald deutlich höher, als im Privatwald. Hier fließen Landesmittel für das Betreiben der Flächen ein. Die Höhe ist im Bericht aber weder aktuell noch transparent. Auf Nachfrage von Report-K verpasste es die vorherige als auch die aktuelle Landesregierung Details zu erfassen, so beruft sich das Ministerium auf Quellen dritter, die seit 2010 nicht mehr aktualisiert wurden. Darin steht, dass die Aufwendungen für den Staatswald in 2008 zwar zurückgegangen seien, trotzdem lägen sie noch mindestens achtmal höher als beim Privatwald.

Windkraftanlagen in nordrhein-westfälischen Wäldern

Derzeit befinden sich laut Ministerium 83 Windenergieanlagen (WEA) auf Waldflächen in NRW in Betrieb. Für den Bau und den Betrieb dieser WEA soll eine Waldfläche von 32,40 Hektar dauerhaft gerodet bzw. in eine andere Nutzungsart (Fundamentstandort, Kranstellfläche, Kranauslegerfläche und Nebenflächen) umgewandelt worden sein. Das ist eine Fläche von ungefähr 570 Meter im Quadrat. Im Durchschnitt ergibt sich somit ein Flächenverbrauch von 0,39 Hektar je WEA.

Daten über die Langzeitauswirkungen dieser Anlagen sind aktuell noch schwammig. Allerdings schreibt die „Deutsche Wildtierstiftung“: „Der Ausbau der Windenergie ist zur Gefahr für zahlreiche Wildtiere geworden. In Deutschland fallen den Windkraftanlagen heute im Jahr bis zu 250.000 Fledermäuse und über 12.000 Greifvögel zum Opfer. Besonders gilt das im Wald. In den für Windparks geeigneten Hochlagen finden sich vielfach wertvolle, alte und naturnahe Waldbestände, die ein Garant der biologischen Vielfalt sind.“ Analog dessen forciert die Landesregierung seit April 2018 eine Änderung in der Vergabe der Flächen für WEA. Dabei soll die „Walderhaltung [...] vor nachteiligen Entwicklungen zu bewahren [...]“ sein.

Totholz und Erhaltung des Biotops

Im Staatswald sollen 7.800 Hektar als „Wildnisentwicklungsgebiete“ ausgeschrieben werden. Dadurch müssten die Besitzer des Waldes, ob reele Person oder nicht, auf eine gänzliche Bewirtschaftung verzichten. Dies soll als Vorbild für die Körperschafts- und Privatwälder gelten, wo eine derartige Entwicklung allerdings noch nicht zu beobachten sei. Die Regierung hat die Aufgabe die gesetzliche Definition des Waldes zu erfüllen, darin geht es zwar um Schutz und Erholung aber auch um die Nutzung.

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