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Kardinal Müller distanziert sich vom Kurs des Papstes

Berlin | Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat sich in einer wichtigen theologischen Frage gegen Papst Franziskus gestellt. In der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstagsausgabe) kritisierte er dessen Entscheidung, den nationalen Bischofskonferenzen bei der Übersetzung liturgischer Texte mehr Kompetenzen zuzugestehen.

"Die letzte Autorität im Zweifelsfall kann nicht bei den Bischofskonferenzen liegen. Das würde die Einheit der katholischen Kirche im Glauben, im Bekenntnis und im Gebet zerstören", sagte der frühere Präfekt der Römischen Glaubenskongregation. Hintergrund ist eine Kontroverse zwischen Franziskus und dem Präfekten der Gottesdienstkongregation, Kardinal Robert Sarah. Während dieser darauf beharrt, bei liturgischen Übersetzungen müsse der Vatikan das letzte Wort haben, verwies der Papst jüngst in einem Brief an Sarah darauf, dass Rom die Übersetzungen nicht mehr zu genehmigen, sondern nur noch zu bestätigen habe.

Kardinal Müller sagte der Zeitung, er bedauere es sehr, "dass bei der Frage der richtigen und treuen Übersetzung der originalen lateinischen Liturgiesprache des römischen Ritus solche Friktionen entstanden sind". Er habe es "oftmals erlebt, dass die von den Bischöfen herangezogenen Übersetzer die biblischen und liturgischen Texte unter dem Vorwand der besseren Verständlichkeit verwässert haben". Als Beispiele nannte Müller "hoch anspruchsvolle Lehren" wie etwa den stellvertretenden Sühnetod Jesu am Kreuz: Diese würden "in manchen Ländern wegrationalisiert oder auf ethische Appelle heruntergebrochen und so des katholischen Heilsrealismus entkleidet".

In einer anderen Streitfrage verteidigte der frühere Glaubenspräfekt dagegen den Papst. Mehrere Kardinäle hatten Franziskus häretische - also von der Lehre abweichende - Positionen in Zusammenhang mit wiederverheiratet Geschiedenen vorgeworfen. Das sei "ohne jeden Zweifel" nicht der Fall, sagte Müller.

Franziskus wolle mit den "wenigen kontrovers ausgelegten Passagen des Nachsynodalen Schreibens `Amoris Laetitia`" keineswegs "an den Fundamenten des katholischen Glaubens rütteln oder die Lehre Christi modernisieren, so als ob sie veraltet wäre". Es gehe vielmehr darum, "wie man pastoral Menschen in sehr schwierigen ehelichen und oftmals tragischen familiären Verhältnissen beistehen kann auf einem Weg der Einsicht, der Unterscheidung und Umkehr, an dessen Ende auch die volle Versöhnung mit Gott und der Kirche im Bußsakrament und dann auch der vollen Teilnahme am eucharistischen Opfer mit der sakramentalen Kommunion stehen kann". Darüber hinaus erläuterte Kardinal Müller seinen Vorschlag, im Streit um "Amoris Laetitia" zu vermitteln: "Da der Papst in seiner Person das Prinzip der Einheit der ganzen Kirche und der Garant der Wahrheit des Evangeliums ist, können wir ihn nicht als einen Parteimann ansehen, der mit anderen Richtungen verhandelt." Deshalb sollten prominente Vertreter der jeweiligen Position "zusammenkommen und nach den objektiven Regeln eines wissenschaftlichen Gesprächs versuchen, die Anliegen der anderen Seite wahrzunehmen und nach einer einheitlichen pastoralen Richtlinie zu suchen". Das könne aber nur geschehen "auf dem Boden der verbindlichen Lehre der Kirche zum Ehesakrament"

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