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Polizei Münster identifiziert Opfer und ermittelt in alle Richtungen

Münster | aktualisiert | Um 3:11 Uhr geben Staatsanwaltschaft und Polizei Münster eine schriftliche Erklärung heraus. Die beiden Opfer und der Täter sind identifiziert. Eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg und ein 65-jähriger Mann aus Borken überlebten die Tat des Jens R. nicht. Der Täter richtete sich nach der Tat selbst. Die genaue Zahl der Verletzten teilte die Polizei bislang noch nicht mit. Die Ermittlungen liegen nach dieser Mitteilung noch in Münster und werden, so die beiden Behörden in alle Richtungen geführt. Bundesinnenminister Seehofer, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und NRW-Innenminister legten Blumen am Tatort nieder.

Das geschah

Designer Jens R., der aus dem Sauerland stammte und in Münster lebte, saß am Steuer eines silbergrauen Campingbusses, den er um 15:27 Uhr im „Kiepenkerl“-Viertel in eine Menschenmenge lenkt, die vor einer Gaststätte sitzt. Anschließend erschießt sich Jens R. selbst. Eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg und ein 65-jähriger Mann aus dem Kreis Borken kommen ums Leben und mehr als 20 werden verletzt, darunter Menschen die in Lebensgefahr schweben. Die Polizei Münster mahnt zur Ruhe und bittet darum Spekulationen zu unterlassen und sperrt die Innenstadt von Münster komplett ab. Zur Tat selbst, Zahl der Verletzten äußert sie sich lange nicht und es dauert auch lange, bis einen Hotline geschaltet wird.

Das wird bislang über den Täter gesagt

„Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen handelt es sich bei dem Fahrer vermutlich um einen 48-jährigen Mann aus Münste“, äußerte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt für die Staatsanwaltschaft Münster. „Bislang liegen keine Hinweise auf einen möglichen Hintergrund für die Tat vor. Die Ermittlungen werden mit Hochdruck und in alle Richtungen geführt.“ Im Bus finden die Beamten, die Waffe mit der sich Jens R. selbst richtete, sogenannte Polenböller und einen Schreckschusswaffe die mit Drähten verbunden war. Da die Polizei zunächst nicht ausschloss, dass es sich um eine Anschlag handelt befürchteten die Beamten vor Ort, dass sich Sprengstoff im Fahrzeug befand. Die Polizei dazu: „Bei der ersten Inaugenscheinnahme des Tatfahrzeugs erkannten die Beamten mehrere Drähte, die zum Teil ins nicht einsehbare Fahrzeuginnere führten. Um eine Gefährdung für die Anwohner und die Einsatzkräfte auszuschließen, untersuchten Experten des Landeskriminalamts aus Düsseldorf intensiv das Fahrzeug. Erst nachdem die nötige Sicherheit gegeben war, konnten die Ermittler das Fahrzeug durchsuchen.“

Bei der Untersuchung der Wohnung von Jens R. geben die Behörden an weitere Pollenböller und Maschinenpistole vom Typ AK 47 gefunden zu haben, die aber unbrauchbar gemacht war und nur zur Dekoration genutzt werden konnte. Mehr sagen Polizei Münster und Staatsanwaltschaft nicht. Medien berichten unabhängig voneinander, dass Jens R., psychisch auffällig gewesen sein und polizeibekannt sein soll. Allerdings differieren die Aussagen darüber stark, wegen welcher Delikte der Täter der Polizei bekannt war. Sprechen die einen von Beschaffungskriminalität um eine Drogensucht zu finanzieren, melden die anderen, dass es vor allem um Delikte im Bereich der Sachbeschädigung und Bedrohung gehe. Eine lokale Zeitung wirft die Frage auf, ob bei der Durchsuchung der Wohnung des Täters Hinweise auf einen rechtsextremen Hintergrund gefunden wurden, die aber nicht ausreichten um daraus eine extremistische Motivation für eine Anschlag abzuleiten. Hier bedarf es einer Klarstellung der Behörden, vor allem wenn der Täter der Polizei bereits bekannt war.

Die Reaktionen

„Es spricht im Moment nichts dafür, dass es einen islamistischen Hintergrund gibt“, sagte NRW Innenminister Herbert Reul, CDU. Die meisten Politiker die sich meist über Twitter äußerten (hier im Liveblog von report-K nachlesen >) zeigten Mitgefühl mit den Opfern und den Rettungskräften und stellten dies in den Vordergrund ihrer Botschaften. Parallel fing in den sozialen Netzwerken eine Hetzkampagne an, die sich gegen Asylbewerber und Flüchtlinge richtete, lange bevor auch nur Ansätze über Täter und Opfer bekannt war. Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch twitterte „Wir schaffen das“ in Großbuchstaben in Anlehnung an den Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Höhepunkt der Flüchtlingskrise und erntete dafür viel Kritik. Später ironisierte von Storch ihre Aussage. Heute wollen NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Bundesinnenminister Horst Seehofer nach Münster kommen und ein Statement abgeben.

Gedenken am Tatort

Der Tatort wurde in der Nacht freigegeben. Bundesinnenminister Horst Seehofer, Ministerpräsident Armin Laschet und NRW-Innenminister Herbert Reul gedachten am Tatort den Opfern und legten Blumen nieder und entzündeten eine Kerze. Klar ist mittlerweile, dass der Täter Jens R., neben der Wohnung in Münster, auch noch zwei Wohnungen in Sachsen hat und fünf Fahrzeuge besitzt. Das berichtete "n-tv" in seinem Livestream. Die Polizei erklärte, dass sie von der Tat eines Einzelnen ausgehe. Heute Abend wird es einen Gedenkgottesdienst geben.
Armin Laschet spricht von einem schrecklichen Tag für die Menschen in Münster, NRW und Deutschland. Auch Opfer aus den Niederlanden seien zu beklagen. Laschet zeigte seine tiefe Anteilnahme für Opfer und Angehörige. Laschet kündigte an, dass morgen die Opferbeauftragte des Landes nach Münster komme und den Opfern zur Verfügung stünde.
Bundesinnenminister Horst Seehofer sprach von einem feigen und brutalen Verbrechen. Er sei nach Münster gekommen, um die Solidarität der Bundesregierung und der Bundeskanzlerin zu übermitteln. Seehofer stellte klar, dass es eine absolute Sicherheit nicht gebe. Derzeit sei kein Bezug zur Terrorszene zu erkennen, gleichwohl müsse das Umfeld des Täters aufgeklärt werden um Eventualitäten auszuschließen. Seehofer sagte, es werde in alle Richtungen ermittelt.
NRW-Innenminister Herbert Reul zeigt sich immer noch tief erschüttert, auch am zweiten Tag, als er nach Münster eilte. Derzeit würden die Fakten ermittelt, so Reul. Es sei die Stunde der Ermittler. Reul nannte keine neuen Fakten sondern stellte fest, dass es sich um einen  Einzeltäter, einen Deutschen, keinen Flüchtling und keinen islamistischen Hintergrund handele. Die Person stehe im Mittelpunkt der Ermittlungen, weil es Auffälligkeiten gebe.

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