Panorama Rad

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Eva Schmitz, Sozialdienst der Radstation und Roland Neuschil, Leiter der Radstation Köln

Ein Blick hinter die Kulissen – die Radstation am Kölner HBF

Köln| Wer Probleme mit seinem Fahrrad hat, einen sicheren Radstellplatz in der Kölner Innenstadt sucht oder sich ein Fahrrad leihen möchte, kann sich an die Radstation am Kölner Hauptbahnhof wenden. Doch die wenigsten wissen, dass die Radstation auch soziale Projekte fördert.

Die Idee stammt aus den Niederlanden – die Marke vom ADFC

Über einem fahren rumpelnd die Züge durch den Kölner Hauptbahnhof. Überall stehen geparkte Fahrräder und es riecht nach Gummireifen. Im Gegensatz zu den 30 Grad draußen ist es angenehm kühl. Es ist neun Uhr und der Betrieb der Radstation am Kölner Hauptbahnhof läuft bereits seit zweieinhalb Stunden. Roland Neuschil sitzt beschäftigt in seinem kleinen Büro. Neuschil leitet seit 2007 die Kölner Radstation: „Die Radstation wurde als soziales Projekt gegründet. Die Idee stammt aus den 1990er Jahren und kommt ursprünglich aus den Niederlanden. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) hatte sich damals die Idee der Niederländer als Vorbild genommen und in Kooperation mit dem Land Nordrhein-Westfalen nach und nach über 70 Radstationen in ganz NRW gebaut.“ Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Radstation momentan mit 75 Prozent der Investitionskosten. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die jeweilige Kommune die Trägerschaft der Radstation an eine soziale Organisation vergibt und diese dann Beschäftigungsförderung anbietet. Der Träger der Kölner Radstation ist der In Via Köln e.V.

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„Die Marke ‚Radstation‘ gehört dem ADFC Nordrhein-Westfalen. Eine Radstation darf nur Radstation genannt werden, wenn drei Angebote vorhanden sind: Fahrrad parken, Fahrradverleih und Fahrradreparatur. Außerdem muss sie sich in oder an einem Bahnhof befinden.“, betont Neuschil.

Mittlerweile hat er sein kleines Büro im unteren Teil der Radstation verlassen und sitzt an einem großen Tisch, umgeben von geparkten Fahrrädern, mit Blick auf den Taxistand am Kölner Hauptbahnhof. „Da draußen.“, Roland Neuschil deutet in Richtung des Taxistandes, wo viele Fahrräder parken. „Da draußen will eigentlich niemand mehr sein teures E-Bike parken.“ Je teurer die Fahrräder werden und je mehr es gibt, desto wichtiger werden die Radstationen, resümiert er.

Zusammenarbeit mit dem Jobcenter

Dennoch stehen für den sozialen Träger der Radstation nicht die Fahrräder im Mittelpunkt. Für In Via Köln e.V. ist der soziale Aspekt der Beschäftigungsförderung wichtig. „Wir arbeiten mit dem Jobcenter zusammen. Das Jobcenter betreut unterschiedliche Zielgruppen. Daraus ergeben sich drei unterschiedliche Projekte.“, sagt Neuschil.

Das erste Projekt ist die sogenannte Arbeitsgelegenheit (AGH). Hier werden der Radstation vom Jobcenter Langzeitarbeitslose zugewiesen, die dort auf 1,30€-Basis arbeiten können. Das Ziel dieses Projekts ist es, die Teilnehmer durch einen geregelten Arbeitsalltag wieder auf den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Die Radstation bietet 12 Plätze für dieses Projekt an. „Leider wird es in den wenigsten Fällen geschafft, Teilnehmer dieses Projekts wieder auf den ersten Arbeitsmarkt zu bringen. In erster Linie geht es eigentlich darum, die Teilnehmer aus ihrer Lethargie zu holen, und sie dazu zu bringen, einen Arbeitstag von sechs Stunden durchzuhalten.“, beschreibt der Leiter der Radstation die Realität. Weiter erklärt er: „Da die „AGHs“ zugwiesen werden, haben wir wenig Einfluss auf die Teilnehmer. Manche sind motiviert, manche nicht. Es ist schwierig, einen Betrieb nur mit diesen Teilnehmern aufrecht zu erhalten.“

Doch es gibt noch weitere Projekte. Das zweite Projekt ist die öffentlich geförderte Beschäftigung (ÖGB). Es ist ein Landesprogramm von Nordrhein-Westfalen und den einzelnen Jobcentern. Hier stellt die Radstation in Köln sechs Plätze zur Verfügung. „Im Gegensatz zu den „AGHs“ bewerben sich die Teilnehmer der ÖGB bei uns und werden nicht vom Jobcenter zugewiesen. Hier können wir dann selbst entscheiden, wen wir nehmen.“, merkt Neuschil an. Auch diese Teilnehmer sind Langzeitarbeitslose mit Vermittlungshemmnissen wie Schulden, oder Suchtproblemen. Er verdeutlicht: „Die ÖGBs bekommen bei uns einen befristeten 2-Jahres-Vertrag und werden als vollwertiges Teammitglied angesehen. Sie erhalten auch ein richtiges Gehalt.“ Weiterhin bekommen sie in den zwei Jahren sozialpädagogische Hilfe und nehmen an Qualifizierungsmaßnahmen teil, die sie fachlich auf den Arbeitsmarkt vorbereiten.

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Gutes Betriebsklima gelobt

Ein Teilnehmer dieses Projekts ist Werner Rosen, den Neuschil nach kurzer Suche zu sich an den Tisch bittet. Stolz und mit einem Lächeln im Gesicht hört er Rosen zu, als dieser kurz seine Geschichte erzählt: „Ich kam im Jahr 2007 aus Fulda nach Köln. Meine Spielsucht ruinierte meine Existenz und ich wurde arbeitslos. In Köln entschied ich mich für eine Therapie und nach zwei Jahren bekam ich die Zuweisung vom Jobcenter hier zur Radstation.“ Neuschil ergänzt: „Herr Rosen kam zuerst im Rahmen der Arbeitsgelegenheit zu uns und stieg dann in das Projekt der öffentlich geförderten Beschäftigung ein. Nach zwei Jahren erhielt er von uns einen unbefristeten Arbeitsvertrag und ist seitdem hier in der Radstation.“ „Mit meinen 64 Jahren stehe ich nun kurz vor der Rente und so lange will ich auch hierbleiben. Das Betriebsklima in der Radstation ist super und in Herrn Neuschil habe ich immer einen Rückhalt.“, bekräftigt Rosen glücklich, bevor er wieder an die Arbeit geht.

Das dritte soziale Projekt der Radstation ist die soziale Teilhabe. Hierfür sind zwei Plätze vorgesehen. Die Teilnehmer dieses Projekts sind zum Beispiel krankheits- oder familiär bedingt eingeschränkt und haben deshalb einen Beschäftigungsumfang von 30 Stunden in der Woche, um nicht überfordert zu werden.

Das Team der Radstation besteht aus sechs festangestellten Mitarbeitern. Unter ihnen befinden sich ein Meister und ein Mechaniker, die Arbeiten koordinieren und eine Sozialpädagogin. „Mithilfe der Führung und der Sozialpädagogin versuchen wir mit den ÖGB-Teilnehmern und den Teilnehmern der sozialen Teilhabe einen geregelten Betrieb aufzubauen.“, erläutert Neuschil. Die Radstation wird in zwei Bereiche geteilt. In der Werkstatt arbeiten Teilnehmer, die technisch begabt sind, und im Service arbeiten Teilnehmer, die gut mit Kunden umgehen können.

Um die sozialpädagogische Betreuung während des Projekts kümmert sich Eva Schmitz. Sie ist Sozialpädagogin in der Radstation: „Ich betreue die Langzeitarbeitslosen und bin ihre Ansprechpartnerin. Zusammen mit den Teilnehmern gehe ich auf ihre Defizite, wie zum Beispiel Schulden, Drogen oder Alkoholismus, ein und versuche ihre Lebenslage zu stabilisieren.“

Saisonbetrieb

Die Radstation ist ein Saisonbetrieb. „Im Winter haben wir weniger zu tun.“, gibt Neuschil zu. „Aber bei so einem Wetter wie heute“, er blickt durch das Fenster nach draußen in den blauen Himmel: „Da stehen die ersten Kunden bereits um 5.30 Uhr vor der Tür. Da wünschte ich mir manchmal mehr Projektteilnehmer, um die Arbeit hier zu stemmen.“ Er blickt auf die Uhr. Unten an der Rezeption stehen eine Menge Kunden mit ihren Fahrrädern. Roland Neuschil muss wieder an die Arbeit und verschwindet in sein kleines Büro.

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