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Am 20. Juni 2015 findet in Köln erstmalig die RADKOMM - das Kölner Forum Radverkehr statt (Symbolfoto).

Interview - Deine Freunde mit 1. RADKOMM in Köln

Köln | Am 20. Juni 2015 findet in Köln erstmalig die RADKOMM - das Kölner Forum Radverkehr statt. Federführend veranstaltet wird dieses Forum von der Kölner Ratsgruppe Deine Freunde. Im Vorfeld des Forums erläutert Andreas Lemke im Namen von Deine Freunde, was es mit dem Forum auf sich hat und was sich die Veranstalter vom Forum erwarten.

report-K: Herr Lemke, am 20. Juni findet erstmalig die RADKOMM - das Kölner Forum Radverkehr statt. Wie kam es zu der Idee für ein solches Forum?

Verkehr bewegt uns. Deine Freunde wollen eine freundliche Stadt. Die Stadt ist eng und dennoch fahren hier so viele Autos. Den Anteil der Radfahrer deutlich zu erhöhen, wäre für Köln in vielerlei Hinsicht eine kluge Lösung. Alleine es tut sich wenig. Köln hinkt sogar Städten wie München gemessen am Fahrrad-Anteil weit hinterher. 

Wir wollen einen Dialog zwischen den Fachleuten, der Politik, der Verwaltung und den interessierten Bürgern dieser Stadt. Zusammen wollen wir auf der RADKOMM diskutieren:

-Was genau ist seitens Politik und Stadtverwaltung zu tun, wenn sie die Stadt in Sachen Verkehr reformieren möchten? 

-Wie kann der Nutzen des Wandels so kommuniziert werden, dass alle sich angesprochen fühlen? 

-Was können die Bürgerinnen und Bürger selbst tun, um den Wandel zu befördern?

Wir sind sicher, dass für große Reformprojekte vor allem eine Person eine Schlüsselrolle spielt: Auf den Bürgermeister kommt es an - der als Führungsfigur vor allem auch die Stadtverwaltung für den Umbau gewinnen kann - so wie in München unter Christian Ude geschehen.

Was ist die Zielsetzung des Forums – was sind seine Schwerpunkte?

Die RADKOMM – Kölner Forum Radverkehr ist ein interaktiver Kongress rund um das Thema Radmobilität und Verkehrswende in der Großstadt. Die RADKOMM hat zwei übergeordnete Ziele: Sie will erstens den unterschiedlichen Akteuren und Verbänden, die sich für die Stärkung des Radverkehrs in Köln einsetzen, ein Forum für die gemeinsame Arbeit bieten. Zweitens will sie zu jährlich wechselnden Schwerpunktthemen Ideen und Impulse entwickeln, diese in die Stadtgesellschaft, in Politik und Verwaltung geben und so die anstehende Verkehrswende befördern.

Das Motto des Forums ist „Radfahren macht reich!“ - Wie ist das zu verstehen?

Wir denken und neue Studien zeigen, dass Radverkehr die Stadt auf vielseitige Weise bereichern würde: Die Stadt selbst würde finanziell entlastet, der Handel würde davon profitieren, dass Radfahrer barrierelos (ohne Parkplatzsuche) einkaufen können. Die Stadt würde aber eben auch kulturell und sozial bereichert. Die Fragen, die wir diskutieren wollen:

- Welchen monetären wie kulturellen Gewinn für die Bürgerinnen und Bürger hat es, auf Radverkehr in der Stadt zu setzen?

- Wie kann auch mit begrenzten finanziellen Ressourcen des städtischen Haushalts der Umbau der Stadt vorangetrieben werden - weg von der autogerechten und hin zur fahrrad- und fußgängerfreundlichen Stadt? 

- Welche Vorteile bringt der Radverkehr für die Attraktivität eines Wirtschaftsstandort Stadt?

Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie?

Wir rechnen mit etwa 200 Teilnehmern.

Unter den Referenten befindet sich neben Verkehrs- und Infrastruktur-Spezialisten auch der Konzept-Künstler Norbert Krause. Welche Impulse für das Forum erwarten Sie von Ihm?

Wenn die Stadt beim Infrastruktur schaffen nicht vorankommt, dann wird die Stadt für 200 Tage zur Fahrradstadt erklärt. Norbert Krause wollte mit seiner Aktion 200 Tage Fahrradstadt den Fokus auf den Radfahrer legen. Dass das dann allen auch noch Spaß macht und Öffentlichkeit herstellt, ist sein Konzept. So werden aus 200 Tagen vielleicht 200 Jahre.

Rad- und Verkehrsplanung darf kein trockenes Geschäft von Technikern bleiben. Eine Fahrradstadt ist auch ein Ausdruck einer anderen Kultur, einer Wiederbelebung und Aneignung von öffentlichem Raum. Hier kann Norbert Krause auch für Köln Impulse geben, den oft hilft ein kreativer Blick dort weiter, wo Argumente scheinbar keinen Raum finden. Und es zeigt, dass man nicht immer nur auf Politik und Verwaltung warten muss, sondern mit eigenen Ideen aktiv eingreifen und verändern kann.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der Kölner Radfahrer?

Wir schließen uns der Meinung vieler Kölner an, die beim ADFC-Fahrrad-Klima-Test die Stadt weit abgeschlagen auf Platz 36 von 39 wählten.

Auch wenn in den letzten Jahren einiges in Köln für den Radverkehr getan wurde, so wurden doch die meisten Maßnahmen nur halbherzig ausgeführt und bleiben in vielen Bereichen Stückwerk. Gefahrenstellen werden über Jahre hinweg nicht entschärft, Falschparken auf Radwegen nicht konsequent geahndet, von der Führung des Radverkehrs in Baustellenbereichen ganz zu schweigen. Es wird trotzdem Rad gefahren, aber es macht selten Spaß und ist oft lebensgefährlich - die Unfallzahlen sprechen hier eine deutliche und traurige Sprache.

Was würde Ihrer Einschätzung nach ein gut ausgebautes Radverkehrsnetz in Köln kosten?

Auch Fahrrad-Infrastruktur gibt es nicht zum Nulltarif, die benötigten Geldmittel sind aber im Vergleich zur Auto-Infrastruktur ungleich geringer. Eine konkrete Summe zu nennen, ist sehr schwierig, da an unglaublich vielen Stellen gleichzeitig in der Stadt investiert werden müsste. Erstes Ziel muß natürlich sein, bei den nun anstehenden Sanierungsmaßnahmen von Straßen und Brücken den Radverkehr endlich angemessen zu berücktsichtigen. Dies betrifft vor allem die zweite Ressource: Platz. Immer noch wird der Radverkehr in erster Linie mit den Flächen abgespeist, die nach dem Bau von Autofahrbahnen und Parkstreifen übrig bleibt.

Zur Ausstattung mit Finanzmitteln könnte man für die nächsten Jahren mal den Modalsplit zu Rate ziehen. Zur Zeit werden 15 Prozent der Wege in der Stadt mit dem Fahrrad zurückgelegt. Wenn man jedes Jahr 15 Prozent des Verkehrsetats für Radverkehrsmaßnahmen nutzen würde, könnte man bis 2020 schon eine Menge verändern.

Münster ist in vielen Belangen Vorreiter in Sachen fahrradfreundliche Stadt. Ist das dort betriebene Verkehrskonzept auf eine Großstadt wie Köln übertragbar?

Münster hat über viele Jahrzehnte daran gearbeitet, so fahrradfreundlich zu werden wie es heute ist. Viele der in den 80er- und 90er-Jahren gebauten Fahrrad-Infrastrukturen sind aus heutiger Sicht allerdings nicht mehr zeitgemäß und würden so sicher auch nicht mehr in Münster gebaut. Dies betrifft vor allem viele der von der Fahrbahn baulich getrennten Fahrradwege. Da geht man heute auch aus Kostengründen andere Wege und führt den Radverkehr mittels Radstreifen beziehungsweise Schutzstreifen mit den Autos auf der Fahrbahn. Insofern ist das Gesamtnetzkonzept der Stadt Münster sicher nicht auf Köln übertragbar.

Übertragbar bleibt allerdings die Erkenntnis, dass politischer Wille und zielgerichtetes Verwaltungshandeln eine Großstadt fahrradfreundlich gestalten kann. Und mit dem Wissen aus Münster muss das auch nicht mehr Jahrzehnte dauern.

Herr Lemke, vielen Dank für das Interview.

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