Panorama Rad

Fahrradtour-RMG_32012

Mit dem Fahrrad ins römische Köln

Nach den grauen Wintermonaten lockt der Frühling mit warmen Temperaturen ins Freie. Für Radfahrer die ideale Gelegenheit, die Stadt auf ihren Drahteseln zu erkunden. Report-k.de-Redakteur Björn Bourry schwang sich auf den Sattel, testete eine mögliche Route vorbei an Relikten der Römerzeit und prüfte die Innenstadt auf Fahrradtauglichkeit.

Startpunkt in Klettenberg

Meine Tour startet in Kletternberg an der Berrenrather Str./ Ecke Franz-Kremer-Allee. Links gegenüber der Einfahrt zum Geißbockheim befinden sich die Überreste der Eifelwasserleitung. Mit deren Hilfe beförderten die Römer das Trinkwasser von seiner Quelle in der Gegend von Nettersheim in der Eifel auf über 90 Kilometer Länge bis in ihre Stadt am Rhein. In Auffangbecken wurde das eintreffende Wasser gesammelt und von Schlamm befreit, bevor es seiner endgültigen Bestimmung zugeführt wurde. Der Baubeginn des „Eifelkanals“ wird auf etwa 80 nach Christus datiert. Er zählte zu den größten Bauleistungen der Römer nördlich der Alpen. Von der Berrenrather Straße beginnt die Fahrt in Richtung Militärringstraße. Ein an der Straße parallel verlaufender Radweg führt geradewegs in Richtung Rheinufer/ Rodenkirchen. Die Strecke ist großzügig ausgeschildert und lässt sich daher ohne große Probleme folgen. Auch mit einem einfachen Rad ist ein rasches Vorrankommen möglich, da ein Großteil der Wege asphaltiert ist.

Durch das grüne Köln

Der Abschnitt bis zum Rhein wird vom Grüngürtel geprägt. Wiesen und Waldabschnitte bestimmen das Bild. Geübte Fahrer bringen diesen Teil der Strecke schnell hinter sich. Wer es jedoch etwas gemütlicher angehen lässt und die grüne Umgebung genießen möchte, kann auch etwas mehr Zeit einplanen. Dabei sollte trotz meist geradlinigem Straßenverlauf auf die Beschilderung geachtet werden, um nicht von der Strecke abzukommen. Am Bonner Verteiler fehlt zum Beispiel ein eindeutiger Wegweiser. Zur Sicherheit sollte daher ein Stadtplan zur Ausrüstung gehören.

Kurz vor dem Rheinufer ist ein weiteres historisches Bauwerk nicht zu übersehen. Das Zwischenwerk VIII b stammt aus der preußischen Zeit und gehört zu den zahlreichen Militäranlagen, die nach dem erfolgreichen Feldzug gegen Frankreich 1870/71 in der Region errichtet worden. Heute befindet sich darin eine Außenstelle des Kölnischen Stadtmuseum, die sich der preußischen Militärgeschichte Kölns widmet und zu bestimmten Zeiten besichtigt werden kann. In der Umgebung des Zwischenwerkes befindet sich zudem ein im Jahr 1985 installierter Skulpturenpark.

Direkt am Rhein vom Heinrich-Lübke-Ufer zum Rheinauhafen

Mit zum schönsten Teil der Tour zählt der Abschnitt, der direkt am Rhein vorbei führt. Bei strahlendem Sonnenschein kommt beinahe mediterranes Flair auf. Die in der Ferne gelegenen Rheinbrücken und die Sicht auf den Dom erinnern jedoch daran, dass wir uns in Köln und nicht am Mittelmeer befinden. Schnell passiere ich das Gustav-Heinemann-Ufer und der Stadtteil Bayenthal. Hinter der Südbrücke gelangt man zum Rheinauhafen, der durch seine neuen Bauwerke heraussticht und die Stadt um eine moderne „Hafencity“ bereichert. Am auffälligsten sind die Kranhäuser. Aber auch der mittelalterliche Bayenturm bleibt ein Blickfang und erinnert an längst vergangene Zeiten. Der Turm beherbergt heute die gemeinnützige Stiftung „FrauenMediaTurm“, die sich der Geschichte der Frauenbewegung und dem modernen Feminismus verschrieben hat.

Nach dem ich unter der Severinsbrücke hindurch gefahren bin, nähere ich mich der Innenstadt und biege daher vor der Deutzer Brücke links in Richtung Heumarkt ab. Der bisherige Streckenverlauf zeichnete sich durch seine breiten Radwege aus, auf denen Fahrräder größtenteils ungehindert und schnell vorankommen. Der letzte Abschnitt konfrontiert mich jedoch mit den Tücken des Stadtverkehrs.

Aufsteigen – Absteigen – Aufsteigen

Noch bevor ich zum Heumarkt gelange, sehe ich Rot. An nahezu jeder Ampel muss ein kurzer Stopp eingelegt werden, denn die engen Straßen teilen sich Autos, Fußgänger und Radfahrer zugleich. An ein längeres, ungehindertes Fahren ist von nun an nicht mehr zu denken. Stattdessen lautet die Devise: Aufsteigen, Absteigen und wieder Aufsteigen, wenn das grüne Zeichen an der Ampel erscheint. Auch die vielen Fußgänger verlangsamen die Fahrt, daher überquere ich eilig den Heumarkt, biege vor dem Alter Markt links in die Straße Marsplatz ein, um dem dritten Ziel näher zu kommen. Rechts neben der Straße befinden sich die Anlagen der Archäologischen Zone.

Experten befördern neben dem Rathaus die Überreste einer der ältesten jüdischen Siedlungen Europas ans Tageslicht. Das Erste, was ich sehe, sind jedoch Zäune. Die Zone scheint hermetisch abgeriegelt zu sein und besticht durch das Atmosphäre einer riesigen Baustelle. Dennoch gelingt der Blick auf die weiter unter gelegenen Ruinen, die einen Eindruck von den engen Gassen des untergegangenen Viertels ermöglichen. Zum jüdischen Viertel gehörte auch die Mikwe, ein 16 Meter tiefer Brunnenschacht, der zum Grundwasser des Rheins führte und von den Juden für Rituale Waschungen genutzt wurde.

Nur wenige Meter vom Rathaus entfernt steht auf dem Theo-Burauen-Platz ein weiteres Teilstück der Wasserleitung, der ich bereits am Beginn der Tour begegnet bin. An dieser Stelle bietet sich die Gelegenheit das Fahrrad abzustellen, denn über die Kleine Budengasse kann der Zugang zum Praetorium erreicht werde. Dabei handelt es sich um die einstigen römischen Verwaltungs- und Machtzentrale, in der der Statthalter Niedergermaniens prunkvoll residierte. Das Praetorium wurde in den 1950er Jahren während der Bauarbeiten zum Spanischen Bau des Kölner Rathauses entdeckt und kann seitdem besichtigt werden.

Kurze Wege zur antiken Stadtmauer und dem Römertor

Anstatt direkt auf den vor mir gelegenen Roncalliplatz zu fahren, mache ich einen Schlenker nach links auf die Große Bodengasse und muss schon bald wieder vom Sattel steigen, als ich die Hohe Straße überquere. Vor der Tunisstraße, biege ich rechts ab und folge der viel befahrenen Straße einige Meter. Unweit vom WDR-Gebäude entfernt befindet sich an der Komödienstraße ein Stück der alten römischen Stadtmauer. Sie war in der Antike das sichtbare Zeichen dafür, dass aus der kleinen Siedlung eine richtige Stadt, eine Colonia des römischen Reiches geworden war. Gebaut wurde sie zwischen 50 und 70 nach Christus und war rund 4 Kilometer lang. Mit ihren acht Metern Höhe stellte sie in der damaligen Zeit ein gutes Hindernis vor möglichen Angreifern dar. Vor allem die Germanen jenseits des rechtsrheinischen Ufers waren gefürchtet. Ursprünglich waren 9 Tore und 22 Türme Teil der Mauer, die bis zum Mittelalter erhalten blieb. Einer der Türme ist heute als Römerturm bekannt und befindet sich an der St.-Apern-Straße.

Über die Komödienstraße fahre ich auf die Zeughausstraße. Nach wenigen Metern halte ich aber schon wieder an. Vor dem Kölnischen Stadtmuseum steht ein weiteres Mauerstück und der Römerbrunnen, über den auf einer Säule die Steinfigur der Wölfin thront, die laut der Legende die Zwillinge Romulus und Remus, die Gründer Roms, säugte und sie somit vor dem sicheren Tod bewahrte. Der Brunnen ist jedoch ein Produkt des frühen 20.Jahrhunderts und kein Überbleibsel der Antike. Da er im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, musste er im Jahr 1955 leicht verändert wieder errichtet werden.

Ziel: Römisch-Germanisches Museum

Es geht zurück über die Komödienstraße geradeaus in Richtung Domplatte, denn auf dieser befindet sich eines der Tore, die einst zur antiken Stadtmauer gehörten. Auf den letzten Meter meiner Tour schiebe ich mein Rad, denn auf der Domplatte und dem Roncalliplatz wimmelt es von Passanten. Rechts neben dem Römisch-Germanischen Museum „Am Domhof“ ist eine der Innovationen zu bewundern, die es den Römern ermöglichte, ihr Weltreich zu gründen: Ein Stück der römischen Hafenstraße. Mit ihren Straßen verbanden sie die wichtigsten Knotenpunkte, schufen ein funktionierendes Handelssystem und sicherten die Versorgung des Militärs. An dieser Stelle endet der geplante Weg meiner Tour. Ich beende sie mit einem Blick auf die ausgestellten Relikte, die im Umfeld des Museums aufgebaut sind.

Infobox:

Fahrradtour von Klettenberg zum Römisch-Germanischen Museum
Streckenlänge: Etwa 14 Kilometer  
Dauer: Erfahrene Radfahrer benötigen rund 1 ½ Stunden für die Tour. Unerfahrenere Radler sollten eine halbe Stunde mehr Zeit einplanen oder als Alternative ihre Fahrt direkt am Heinrich-Lübke-Ufer beginnen. Die Anreise zum Startpunkt ist mit der Straßenbahnlinie 18 möglich mit der Haltestelle „Klettenbergpark“ möglich.

Streckenverlauf: Start an der Ecke Berrenrather Straße/ Franz-Kramer-Allee; Militärringstr. (parallel verlaufender, ausgeschilderter Radweg) Heinrich-Lübke-Ufer; Oberländer Ufer; Gustav-Heinemann-Ufer; Agrippinawerft; Rheinauhafen, An Leystapel; vor dem Maritim-Hotel links abbiegen in Richtung Heumarkt; Marsplatz; Unter Goldschmied; Kleine Budengasse/ Große Budengasse; Minoritenstr.; Breite Str.; Tunisstr.; Komödienstr.; Zeughausstr.; Zurück über die Komödienstr. Zur Domplatte; Über die Domplatte zu Fuß zum Roncalliplatz zum Römisch-Germanischen Museum

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