Panorama Welt Nachrichten

Papst eröffnet Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan

Vatikanstadt | Papst Franziskus hat am Donnerstagmorgen den ersten internationalen Gipfel im Vatikan zum Thema Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche eröffnet. In seiner Eröffnungsrede sagte er, dass man von der Versammlung nicht nur die Anerkennung und den Ausgleich von Schäden sondern "konkrete Maßnahmen" erwarte. Es solle ein "Gipfel des Denkanstoßes" werden.

Gemeinsam mit den Chefs der Bischofskonferenzen sollen bei der viertägigen Konferenz Strategien erarbeitet werden, um sexuellen Missbrauch von Kindern innerhalb der Kirche in Zukunft zu verhindern. Außerdem steht der Umgang der Kirche mit dem Thema in der Öffentlichkeit auf der Tagesordnung. Die Themen sollen in mehreren Versammlungen und Arbeitsgruppen besprochen werden.

Für Sonntag ist ein Abschlussgottesdienst geplant. Der deutsche Kardinal Reinhard Marx äußerte vor Beginn des Treffens die Hoffnung, dass von dem Gipfel ein Impuls für die Kirche und "vielleicht sogar die gesamte Weltgesellschaft" ausgehen wird. Insgesamt nehmen fast 200 Kirchenvertreter an der Konferenz teil.

Mit konkreten Beschlüssen rechnen Beobachter allerdings nicht. In den vergangen Jahren war die Kirche immer wieder von Missbrauchsskandalen erschüttert worden. Auch in kirchlichen Einrichtungen in Deutschland wurden zuletzt zahlreiche Missbrauchsfälle enthüllt.

Zdk-Präsident dämpft Erwartungen an Missbrauchs-Konferenz

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, hat vor zu großen Erwartungen an die Missbrauchs-Konferenz im Vatikan gewarnt. "Ich befürchte, dass wir große Reformschritte nicht von einer solchen Tagung erwarten können", sagte Sternberg den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben). Das Treffen an sich bewertete der Laien-Vertreter positiv: "Niemand wird nach dieser Konferenz noch sagen können, dass ein Land oder eine Region nicht betroffen wäre", sagte Sternberg.

Er erwarte, dass die Reformwilligen in der Kirche nicht ausgegrenzt würden. Der ZdK-Präsident äußerte zudem die Hoffnung, dass die nationalen Bischofskonferenzen gestärkt werden, "damit ein einheitliches Vorgehen bei Missbrauchsskandalen möglich wird. Es gibt kirchliche und staatliche Gesetze, die konsequent angewandt werden müssen", so Sternberg weiter.

Er bemängelte, dass es bei den deutschen Bistümern dieses einheitliche Vorgehen nicht gebe und die Aufklärungsarbeit sehr unterschiedlich laufe. Die Erschütterung in Deutschland sei zu Recht sehr groß. "Die katholische Kirche in Deutschland hat erkannt, dass etwas passieren muss. Es gibt den klaren Willen zu Reformen und zu Mechanismen, die einen weiteren Missbrauch verhindern", erklärte Sternberg. "Wir werden hart arbeiten müssen, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Das gilt nicht nur für Bischöfe und Priester, sondern auch für die Laien."

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