Politik Nachrichten Bundestagswahl 2017

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Im Poller Wirtshaus – die SPD beim Public Viewing des TV-Duells

Köln | aktualisiert | Angela Merkel gegen Martin Schulz im TV-Duell auf allen Kanälen und im Alten Poller Wirtshaus. Martin Dörmann, Direktkandidat der SPD in Köln I hatte geladen und viele SPD-Mitglieder waren gekommen. Auch in der Kölner Südstadt schaute die SPD mit Elfi Scho-Antwerpes gemeinsam. In Poll stand der Sieger eindeutig fest: Martin Schulz. Kritik gab es am starren Format, den Fragen der Journalisten und der lange Fokus auf das Thema Migration und Außenpolitik. Bei vielen politischen Beobachtern schnitt Schulz als der, der klarer formulierte, besser ab als die Kanzlerin. Mit ersten Stimmen aus der Politik von Sarah Wagenknecht und Edmund Stoiber.

Der Videobericht zum Public Viewing der SPD im Alten Poller Wirtshaus

Mehrfach gelang es Martin Schulz als Herausforderer Merkel ins Schwimmen zu bringen und dann stieg die Stimmung auch im ersten Stock des alten Poller Wirtshauses. Ein Beispiel, die Rente mit 70 Jahren. Hier ist die klare Aussage von Schulz, der auch die Steuererleichterungen für eine Familie im Gegensatz zu Merkel vorrechnen konnte, eine Rente mit 70 wird es mit der SPD nicht geben.Schulz erinnerte Merkel auch an ihr Mautversprechen beim Kanzlerduell gegen Steinbrück. In Poll war die Wertung eindeutig: Klarer Gewinner Martin Schulz. Die meisten Zuschauer fanden, dass Themen wie Bildung oder Digitalisierung zu kurz gekommen seien und die Außenpolitik und Migrationsthemen zu stark im Vordergrund standen.

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Wenig Dissens bei TV-Duell zwischen Merkel und Schulz

Beim mit Spannung erwarteten TV-Duell haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nur bei wenigen Themen Dissens gezeigt. Schon zu Beginn gab sich Schulz versöhnlich. Er wolle künftig Bundeskanzlerin Angela Merkel keinen "Anschlag auf die Demokratie" mehr vorwerfen.

Hierbei habe es sich um eine "harte und zugespitzte" Aussage gehandelt, die er heute nicht mehr in dieser Form aussprechen würde. Anschließend zeigten der SPD-Kanzlerkandidat und die Kanzlerin nur wenige Unterschiede. Schulz versuchte einen Angriff beim Thema Flüchtlingspolitik.

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 habe Merkel die europäischen Partner nicht ausreichend einbezogen. Der gesamte Flüchtlingsstrom sei "ungeordnet" erfolgt, obwohl die Flüchtlingswelle bereits seit Monaten absehbar war und eine europäische Lösung von der Opposition angemahnt worden sei. Merkel verteidigte ihre Entscheidung aus dem Jahr 2015, insbesondere die in Ungarn gestrandeten Flüchtlinge nach Deutschland zu holen.

Dies habe sie damals im kleinen Kreis völkerrechtlich klären lassen und mit dem französischen Präsidenten abgesprochen - und sie würde heute wieder so entscheiden. In der Türkei-Frage plädierte Schulz für eine härtere Haltung als die Bundeskanzlerin. Die EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei müssten sofort abgebrochen werden, so Schulz.

Eine klare Haltung sei die einzige Sprache, die man in Ankara verstehe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte hingegen zur Vorsicht. Sie habe zwar noch nie geglaubt, dass die Türkei eine Chance auf einen EU-Beitritt habe, aber es sei besser, mit der Türkei im Dialog zu bleiben. Das TV-Duell wurde von ARD, ZDF, RTL, Sat.1 und Phoenix gleichzeitig ausgestrahlt.

Infratest-Umfrage: Merkel gewinnt TV-Duell

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) konnte laut einer Infratest-Umfrage zur Halbzeit beim TV-Duell wohl besser überzeugen als SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Zwar fanden zumindest in der ersten Hälfte der Sendung 78 Prozent der befragten Fernsehzuschauer Schulz angriffslustiger als Merkel (6 Prozent), allerdings schrieben 44 Prozent der Kanzlerin die bessere Argumentation zu (Schulz: 36 Prozent). 59 Prozent fanden die Kanzlerin in der ersten Hälfte kompetenter (Schulz: 18 Prozent), 47 Prozent glaubwürdiger (Schulz: 26 Prozent) und 46 Prozent sympathischer (Schulz: 26 Prozent).

44 Prozent von allen Zuschauern und 36 Prozent der Unentschiedenen fanden die Kanzlerin in der ersten Halbzeit überzeugender. SPD-Kanzlerkandidat Schulz fanden bis zu diesem Zeitpunkt 32 Prozent aller Zuschauer überzeugender und 31 Prozent der Unentschiedenen. Die Auswahl der Befragten sei "repräsentativ", teilte die ARD mit, die die Infratest-Umfrage in Auftrag gegeben hatte.

Stimmen nach dem TV-Duell

Wagenknecht kritisiert Format des TV-Duells

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht, bezweifelt den Nutzen eines TV-Duells im althergebrachten Format. Die Fernsehdebatte zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Martin Schulz (SPD) sei gewesen "wie der gesamte Wahlkampf: spannungsfrei, erwartbar, großkoalitionär", schreibt Wagenknecht in einem Beitrag für "Zeit-Online". Nur an wenigen Stellen seien überhaupt Unterschiede erkennbar gewesen.

"Stattdessen plätscherte das Gespräch in gepflegter Langeweile dahin." Wesentliche Themen "wie Niedriglöhne, ungesicherte Jobs und Altersarmut" seien von Merkel komplett ausgeblendet worden. Schulz hingegen habe zwar Ungerechtigkeiten moniert, aber keine konkreten Vorschläge für eine bessere Politik gemacht.

Es sei weder für Merkel noch für Schulz ein Thema gewesen, dass heute "etwa 40 Prozent der Bevölkerung in Deutschland weniger Einkommen haben als Ende der neunziger Jahre", wie Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigten. Auch die wachsende Altersarmut sei ausgeblendet worden, schreibt Wagenknecht. Wer eine wirkliche Auseinandersetzung wolle, hätte alle Spitzenkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien einladen müssen.

"In anderen Ländern sind solche großen Fernsehdebatten völlig normal." Einziger Erkenntnisgewinn für Wagenknecht: "Warum es in Deutschland keine Wechselstimmung gibt, sollte spätestens nach dieser Sendung niemanden mehr wundern. Wie soll denn Wechselstimmung aufkommen, wenn der Herausforderer der Kanzlerin allzu offensichtlich gar nicht für einen politischen Wechsel steht, sondern an der Politik der Amtsinhaberin nichts Grundlegendes ändern will?"

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Stoiber: "Schröder war ein härterer Gegner als Schulz"

Der langjährige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als klare Siegerin des TV-Duells am Sonntagabend gesehen. "Die Kanzlerin hat das Duell für sich entschieden, auch wenn Martin Schulz der Angriffslustigere war und sich redlich bemüht hat", sagte Stoiber am Montag in der "Bild"-Sendung "Die richtigen Fragen". Mit Blick auf seine eigene Fernsehduell-Erfahrung vor 15 Jahren sagte der CSU-Ehrenvorsitzende: "Gerhard Schröder war früher ein härterer Gegner als Martin Schulz."

Stoiber warf Schulz "Naivität" bei außenpolitischen Themen vor und kritisierte mit Blick auf die Ankündigung des SPD-Spitzenkandidaten, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei beenden zu wollen: "Das ist bemerkenswert, dass Schulz nun voll auf die Position der Union einschwenkt. Da ist jemand, der jetzt aus seiner Emotion heraus, seine langjährig Meinung ändert", sagte Stoiber der "Bild".

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Seehofer warnt Union nach TV-Duell vor Siegesgewissheit

CSU-Chef Horst Seehofer hat die Unionsparteien nach dem TV-Duell vor Übermut und verfrühter Siegesgewissheit gewarnt. Er empfehle den Unionsparteien mit Blick auf die Bundestagswahl am 24. September "dringend, auf dem Boden zu bleiben", sagte Seehofer der "Bild" (Dienstagsausgabe). Das Duell sei für die Union zwar "gut verlaufen, weil die Kanzlerin auch auf die Angriffe von Martin Schulz souverän reagiert hat".

Dies erwarteten die Menschen auch von einer Kanzlerin. Doch Seehofer schränkte zugleich ein: "Erstens haben wir das Problem, unsere Anhänger zu mobilisieren. Die könnten ja jetzt glauben, es ist schon alles gelaufen."

Das sei aber nicht der Fall. "Und zweitens wissen wir nicht um die Auswirkungen dieses Duells auf die kleinen Parteien. Das werden wir erst in einigen Tagen nach den Umfragen wissen."

Grundsätzlich sei sein Eindruck: "Vom Ergebnis her hat die Kanzlerin im TV-Duell eindeutig gesiegt, weil sie sehr souverän über die gesamte Zeit war." Man habe "von vornherein nicht erwarten" können, dass das TV-Duell eine spannende Geschichte oder gar der große Hype werde. "Es ist so abgelaufen, wie ich es erwartet habe. Ich habe die ganze Aufregung um dieses Duell sowieso nicht verstanden", sagte der bayerische Ministerpräsident. "Es ist jedes Mal das Gleiche."

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Erststimme: In den Wahlkreisen Köln I bis III treten Kandidaten der Parteien CDU, SPD, GRÜNE, DIE LINKE, FDP, AfD, Die PARTEI, MLPD und in Köln IV die Parteien CDU, SPD, GRÜNE, DIE LINKE, FDP, AfD, Die PARTEI, MLPD sowie der Einzelbewerber Daniel Werner an.

Zweitstimme: In NRW sind 23 Landeslisten mit 615 Bewerbern zugelassen.

Wahlhelfer in Köln: 6.500

Vier Kölner Wahlkreise

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Stadtbezirke Porz und Kalk und vom Stadtbezirk Innenstadt die Stadtteile Deutz, Altstadt/Nord sowie Neustadt/Nord

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