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Das Zimmer für den NRW-Ministerpräsidenten im Notbunker in Urft

Ein atombombensicheres Versteck in der Eifel - Vor 50 Jahren wurde für die NRW-Landesregierung ein Notbunker gebaut

Urft | Hinter zwei unscheinbaren Garagentoren inmitten der Eifel zeigt der Kalte Krieg bis heute sein finsteres Gesicht. Claus Röhling schließt mehrere schwere Stahltüren auf, legt Hebel um und schreitet über die Schwelle in ein Relikt aus einem fernen Zeitalter - einen Atombunker für die nordrhein-westfälische Landesregierung. Vor 50 Jahren war Baustart für den Ausweichsitz NRW - das genaue Datum ist bei all der Geheimniskrämerei in Vergessenheit geraten. Heute ist der Bunker eine Dokumentationsstätte, die nach Jahrzehnten des Stillschweigens und Stillliegens nun schrittweise immer mehr Touristen anzieht.

"Der Atombunker war gegen folgendes gerüstet: Strahlung, Hitze und eine Druckwelle", sagt Röhling, der den Betonkoloss in einem versteckten Waldstück nahe des Örtchens Urft mit seiner Familie erstanden hat und heute Führungen anbietet. Bei einem Atomangriff wären der Ministerpräsident, sein Stellvertreter, der Justizminister sowie ein Tross aus Fachexperten hier untergekommen. Aus dem Bunker heraus hätten sie im Katastrophenfall versucht, Nordrhein-Westfalen vor dem Untergang zu bewahren. Wie wird die Wasserversorgung gesichert? Wie kommt man an Lebensmittel? Und wohin sollen die Millionen Menschen an Rhein und Ruhr flüchten?

Der Rundgang durch den abgeschotteten Bunker ist eine Reise in die 60er Jahre. Der nordrhein-westfälische Geheimort Nummer eins ist noch voll intakt und im Originalzustand. Über vier Ebenen erstrecken sich 100 Räume. Die Hälfte der Fläche ging für Beton drauf, 1.400 Tonnen Stahl wurden verarbeitet. Es gibt eine Bibliothek mit juristischer Fachliteratur, Kartenräume, ein Fernmeldeamt, eine Druckerei, eine Krankenstation, Esszimmer und eine kleine Werkstatt. Drehscheibentelefone sind noch eingestöpselt. Am Eingang hängen Schutzanzüge mit Gasmasken.

Alles ist spartanisch eingerichtet, die kalten Wände und grellen Neonröhren sind bedrückend. "Die Unterbringung war auf 30 Tage ausgelegt", sagt der 68-jährige Röhling. Sechs Leute mussten sich im engen Schlafraum drei Betten teilen. Alle zwölf Stunden wurde gewechselt. Insgesamt gab es für 200 Mitarbeiter Platz.

Zahnbürsten und Klopapier

Selbst der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hatte hier ein Funkstudio, von wo aus der Ministerpräsident hätte Ansprachen an die Bevölkerung richten können. Röhling nimmt in einem Cordsessel Platz und dreht an den Reglern. Tatsächlich setzen sich die Messingbänder in Bewegung. Selbst an Zahnbürsten und Klopapier wurde gedacht. Die Konserven wurden alle zwei Jahre ausgetauscht, dann war das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten. Nach der Fertigstellung des Bunkers 1965 wurde alle zwei Jahre der Ausnahmezustand geübt. Rund 30 Jahre lang war der Sicherheitstrakt voll betriebsbereit. Ein Bezug wäre jederzeit möglich gewesen. Doch von Düsseldorf über Dörfer und Täler bis in die Eifel - das dauert. "Die Gegend stellt das Ende der Welt dar", sagt Elektriker Röhling. Dennoch: "Die Vorwarnzeit bei einem Angriff betrug damals noch Stunden." Schnellraketen wie heute habe es anfangs noch nicht geben.

1993 gab die Landesregierung den Bunker auf. Röhling kaufte das alleinstehende Wohnhaus daneben, das wie die beiden Garagen zum Zweck der Tarnung gedacht war. Den Bunker gab es als "Keller" mitsamt Inhalt dazu. Seit drei Jahren führen er und seine Familie durch die Gänge. Und Röhling hat jede Menge Anekdoten auf Lager. Aus Versehen sei der Bunker pink gestrichen worden, erzählt er. Der Maler habe sich beim Farbenkauf vergriffen. "Den Bunker hätte man bis Großbritannien sehen können", lacht Röhling.

Russen wussten Bescheid

Inzwischen haben mehr als 10.000 Menschen den ehemaligen Ausweichsitz besichtigt. Der Zuwachs liegt jährlich bei 25 Prozent. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagt: "Der Bunker ist ein einzigartiges Relikt vergangener Zeiten und hat zum Glück ausgedient." Ein vergleichbares Zeugnis für die Auswirkungen des Kalten Krieges auf NRW gebe es nicht. Auch andere Länder hatten Notbunker, die Bundesregierung wäre in einem stillgelegten Eisenbahntunnel im Ahrtal untergekommen.

Doch wie geheim war das Projekt wirklich? Anfangs wurde der Bevölkerung ein Wasserwerk, später ein Warnamt, vorgegaukelt. "Es wussten einige Tausend davon", sagt Röhling. Und die Russen? "Noch bevor der Bunker fertig war, waren sie bestens informiert. Ein Teil des Bunkers wurde in der DDR nachgebaut", sagt Röhling. Dort sei die Eroberung schon längst geprobt worden.

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